Antrag abgelehnt Schützen wollen keine Frauen im Verein
In der kleinen Gemeinde Stavern im Emsland dürfen Frauen nicht in den Schützenverein eintreten. Und das wird auch so bleiben: Ein Antrag von vier Frauen, das zu ändern, ist krachend gescheitert.
Sögel - Für die Frauen geht es um Gleichberechtigung und Zugehörigkeit, für die Männer um Brauchtumspflege und Tradition: In der kleinen Gemeinde Stavern im Emsland dürfen Frauen im Schützenverein keine Mitglieder werden – und das bleibt bis auf Weiteres auch so. Große Hoffnungen hatten sich Wiebke Wotte, Vanessa Wilkens sowie Jana und Sina Rolfes ohnehin nicht gemacht.
Die vier Frauen hatten vor der Generalversammlung des Schützenvereins Stavern einen Antrag auf Satzungsänderung gestellt. Ihr Ziel: eine Aufnahme von Frauen im Verein. Die Erfolgsaussichten waren gering. „Das haben zahlreiche Diskussionen mit etlichen männlichen, aber auch mit weiblichen Dorfmitgliedern gezeigt“, sagt Jana Rolfes. Dass der Antrag während der Versammlung von den Schützenbrüdern aber derart abgeschmettert wird, schockierte die Antragsstellerinnen dann doch. „Es zeigt, dass in diesem Verein Gleichberechtigung für viele Mitglieder ein Fremdwort ist. Leider fehlt hier der Weitblick“, so Rolfes.
Ist der Verein in Stavern ein Ausnahmefall?
Dabei haben es die Schützen in Stavern keineswegs exklusiv, dass eine Mitgliedschaft im Verein reine Männersache ist. Auch andernorts ist dies nach wie vor der Fall. Hintergrund ist die Tradition des Schützenwesens, die in ihren Ursprüngen dem vermeintlich starken Geschlecht vorbehalten war.
Doch immer mehr Schützenvereine haben sich bereits oder beabsichtigen, sich für Frauen, aber auch nicht-binäre Menschen, die sich nicht als weiblich oder männlich definieren, zu öffnen. Beispiele dafür aus dem Emsland aus der jüngeren Vergangenheit sind der Schützenverein Lohne oder der Schützenverein Salzbergen-Neumehringen.
Keine Mehrheit in Stavern
In der Gemeinde Stavern, die zur Samtgemeinde Sögel gehört, haben die Mitglieder eine solche Öffnung abgelehnt. Nach Angaben der Antragsstellerinnen, die als Nicht-Mitglieder auch nicht an der Versammlung teilnehmen durften, stimmten 50 Männer dagegen. 14 Mitglieder hätten sich für eine Mitgliedschaft von Frauen ausgesprochen.
Wie es in einer Stellungnahme des Schützenvorstands heißt, sei eine Zweidrittelmehrheit erforderlich gewesen, um eine Satzungsänderung zu beschließen. Während der Generalversammlung wurde aus der Mitgliederschaft eine geheime Wahl beantragt. „Nach öffentlicher Auszählung wurde die Zweidrittelmehrheit nicht erreicht und somit ist der Vorschlag einer Satzungsänderung demokratisch abgelehnt worden“, erklärt der Vorstand.
Wie der Vereinsvorsitzende Andreas Wessels erklärt, sei vor der Abstimmung nicht großartig über das Für und Wider einer Aufnahme von Frauen in den Verein debattiert worden.
Frauen fühlen sich ausgeschlossen
Den Antragsstellerinnen zufolge brandete nach dem ablehnenden Votum Jubel unter den Schützenbrüdern auf. Wie die jungen Frauen weiter ausführen, wurde ihnen gegenüber als Gründe für die Ablehnung die Tradition unter dem Motto „Das war schon immer so“ und die Brauchtumspflege als Gründe genannt. „Einer sagte mir auch schon, dass er ja auch nicht in die KFD (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, Anmerkung der Redaktion) dürfe“, so Sina Rolfes.
In kleinen Orten wie Stavern nehme den Frauen zufolge der Schützenverein eine besondere Rolle ein. Freiwillige Feuerwehr, Sportverein und eben Schützenverein: In vielen Dörfern ist das quasi die heilige Dreifaltigkeit des Dorflebens. Die Zusammenschlüsse prägen das Leben und den Alltag der Menschen auf dem Land.
Frauen nur als Deko und Helfer im Hintergrund
„Und von einem elementaren Bestandteil des Dorflebens fühlen wir uns zunehmend ausgeschlossen“, betont Jana Rolfes. Beim Schützenfest dürfen Frauen weder Uniform tragen noch mitmarschieren, geschweige denn sich beim traditionellen Königsschießen beweisen. „Lediglich als hübsche Königin oder hübsches Throngefolge dürfen Frauen die auserkorenen Schützenmänner schmücken“, monieren die Antragsstellerinnen.
Am Preisschießen dürften Frauen zwar teilnehmen, würden aber auch bei guten Ergebnissen leer ausgehen: „Bei der Preisverleihung werden Frauen nicht berücksichtigt, da es lediglich Vereinsmitgliedern vorbehalten ist, einen Preis zu erhalten“, erklärt Rolfes. Nach ihren Worten würden Frauen für einen solchen Verein weitaus mehr bedeuten, als es auf den ersten Blick scheine. „Jahrzehntelang waren Frauen diejenigen, die den Männern die Hemden und Schützenuniform bügelten. Die ihnen eine Suppe bereitstellten, bevor es zum Marschieren ging“, zählt Rolfes auf. Zudem organisieren nach ihren Worten die Frauen des Schützenvorstandes die Veranstaltungen aus dem Hintergrund mit und unterstützen die Männer, wo es nur gehe.
Geben die Frauen jetzt auf?
Und auch während des Schützenfestes nehmen Frauen nach ihrer Auffassung eine wichtige Rolle ein: „Denn wer würde den Männern beim Marschieren zusehen, wenn sie nicht wären? Wer würde sich um die Kinder kümmern, damit die Männer zwei Tage Schützenfest auskosten können? Wer würde dem Königspaar zujubeln, wenn nicht die Frauen? Und wer würde die Männer auf dem Thron begleiten, wenn die Frauen nicht wären?“
Komplett entmutigt habe das niederschmetternde Votum die jungen Frauen aber nicht. „Das Thema ist aktuell Dorfgespräch und in vielen Haushalten präsent“, sagt Wiebke Wotte. Die Antragsstellerinnen hoffen, einen Prozess in Gang gesetzt zu haben. „Es sind auch nicht alle Männer dagegen. Einige machen sich auch für uns stark.“ Ob sie im nächsten Jahr einen neuen Anlauf starten, stehe Wotte zufolge noch nicht fest. „Vielleicht sammeln wir auch erst einmal Unterschriften.“