Kontrollen in Emden  „Engelke“ blitzt Trog-Raser mit Tempo 44

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 13.10.2023 17:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auf der vielbefahrenen Emder Trogstrecke gilt nach wie vor Tempo 10. Foto: Hanssen/Archiv
Auf der vielbefahrenen Emder Trogstrecke gilt nach wie vor Tempo 10. Foto: Hanssen/Archiv
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Der teilstationäre Blitzer namens „Engelke“ hat auf der Trogstrecke ganze Arbeit geleistet. Aber nicht alle halten sich an das dort vorgeschriebene Schneckentempo.

Emden - Der Auftritt von „Engelke“ dauerte nur drei Tage lang, zeigte aber offenbar Wirkung: Der Einsatz des nach der Engelsfigur im Stadtwappen benannten teilstationären Blitzers auf der Emder Trogstrecke hat in der ersten Woche dieses Monats die allermeisten Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer dazu veranlasst, vom Gas zu gehen und sich an das vorgeschriebene Tempo 10 zu halten.

Wie Hinrich Post von der Straßenverkehrsbehörde der Stadt auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilte hat die auf einem Anhänger installierte Geschwindigkeitsmessanlage im Zeitraum vom 4. bis zum 6. Oktober auf der Trogstrecke insgesamt 14.058 Durchfahrten in beide Fahrtrichtungen registriert. Dabei seien 30 Verstöße festgestellt worden. Das entspricht einer Quote von 0,2 Prozent.

Führerschein für vier Wochen futsch

Die höchste festgestellte Geschwindigkeit, die der „Engelke“-Blitzer auf der Trogstrecke gemessen hat, lag laut Post nach Abzug aller Messtoleranzen bei 44 Kilometer pro Stunde. Das ist für die gegenwärtigen Verhältnisse im Trog schon sehr sportlich - und immerhin mehr als viermal so viel als erlaubt. Nach dem Bußgeldkatalog des Bundes wird dieser Verstoß mit einem Fahrverbot von einem Monat und einem Bußgeld von 260 Euro geahndet.

Mittlerweile setzt die Verkehrsbehörde der Stadt die teilstationäre „Engelke“-Anlage wieder an anderen Stellen im Stadtgebiet ein. Ein weiterer Einsatz in der Trogstrecke werde aber geprüft, so Post. Der Leiter des städtischen Fachdienstwa Straßenverkehr betont zugleich, dass die Messanlage an drei Tagen der ersten Oktober-Woche im Trog „bewusst offensiv und für jeden Verkehrsteilnehmer sichtbar“ aufgestellt worden sei. Entgegen der üblichen Praxis hatte die Kommune das Aufstellen des „Engelke“ auch öffentlich über Medien angekündigt.

„Engelke“ kann auch zehn km/h messen

Danach hatte es in der Öffentlichkeit auch Zweifel gegeben, ob das „Engelke“ die Schrittgeschwindigkeit von zehn Kilometern überhaupt erfassen kann. Es kann: Die Lasermesstechnik, die im Typ TraffiStar S350 verbaut ist, erlaube einen Messbereich von 10 bis 300 Kilometer pro Stunde, teilte der Hersteller Jenoptik mit Sitz in Jena dieser Zeitung auf Nachfrage mit.

Nach eigenen Angaben hatte die Stadt mit Einsatz des „Engelke“ in der Trogstrecke auf zunehmende Verstöße gegen die derzeit dort zulässige Höchstgeschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde reagiert. Dieses Schneckentempo gilt dort schon seit langem, weil diese wichtige Achse in und aus dem Hafen schon länger als drei Jahre saniert wird. Es ist eine der größten und schwierigsten Dauerbaustellen der Stadt.

Bauarbeiter und Autofahrer sind gefährdet

Mit den Geschwindigkeitsüberschreitungen steige auch das Risiko für die Straßenbauarbeiter, so die Stadt. Erst jüngst sei ein Beschäftigter einer der beteiligten Firmen nur knapp einem Unglück entgangen, weil ein Autofahrer eine Leitbake umgefahren habe.

Aber auch Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer selbst seien gefährdet. „Man sollte nie außer Acht lassen, dass die Verkehrsteilnehmer eine Baustelle befahren, die momentan aus einer nackten Betonwanne besteht und nicht ansatzweise Fahr- und Nutzungsbedingungen bietet wie eine normale Fahrbahn“, warnt Post. Es gebe keine Griffigkeit und keine Bodenhaftung von Autoreifen. Zudem sei die Oberfläche uneben. „Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 10km/h soll deshalb auch die Verkehrsteilnehmer schützen“, sagt der Fachmann.

Sicherheitspersonal ist in Emden kein Thema

Daran, künftig auch Security-Personal zur Sicherung von Baustellen und zur Durchsetzung von Sperrungen einzusetzen, denkt die Stadt gegenwärtig nicht. „Das war bislang in Emden nicht nötig“, so Post. Denn bei Baustellen im Stadtgebiet könnten oft kurze Umleitungen angeboten werden. Das sei auf Kreis-, Landes- und Bundesstraßen häufig nicht möglich. Dort seien die Umfahrungen viel weitläufiger.

Der Landkreis Aurich und die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich sind hingegen schon dazu übergangen, Sicherheitspersonal zur Absicherung von Baustellen und gesperrten Straßenabschnitten zu engagieren, wenn das als notwendig und sinnvoll erachtet wird.

Autofahrer reagieren immer wilder

Verkehrsbehörden in Ostfriesland stellen nämlich auch fest, dass sich Autofahrerinnen und Autofahrer bei Sperrungen und Umleitungen immer wilder verhalten. Im Rheiderland gab es vor einigen Wochen einen Fall, bei dem ein Mann die Sperrung der Bundesstraße 463 zwischen Weener und Bunde nicht akzeptieren wollte.

Frust wegen Baumaßnahmen: Laut Verkehrsbehörden werden die Reaktionen von Autofahrern heftiger. Symbolfoto: Berki Cosmin Alin/Adobe Stock
Frust wegen Baumaßnahmen: Laut Verkehrsbehörden werden die Reaktionen von Autofahrern heftiger. Symbolfoto: Berki Cosmin Alin/Adobe Stock

Er drängelte sich mit seinem Wagen an Baken vorbei, fuhr dann entgegen der Fahrtrichtung auf dem Radweg weiter und auf einen Straßenbauarbeiter zu. Der Fahrer streifte den 19-Jährigen, der sich dabei am Knie verletzte. Kollegen dieses jungen Mannes versuchten noch, den Autofahrer aufzuhalten. Der drängte aber auch sie mit dem Auto beiseite.

Sperrungen werden häufig ignoriert

Für Frank Buchholz hat dieser Fall „eine neue Qualität“. Es gehöre aber mittlerweile zum Alltag, dass Absperrungen ignoriert werden, sagte der Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im Geschäftsbereich Aurich vor Kurzem dieser Zeitung. Seiner Behörde sei bewusst, „dass unsere Baumaßnahmen auch Frust auslösen“. Aber die Reaktionen der Autofahrer hätten sich mittlerweile verschärft.

Es sei fast schon an der Tagesordnung, dass sich Autofahrer an Baustellen vorbeidrängeln. Die Rücksichtnahme im Verkehr habe allgemein nachgelassen, meint Buchholz. Seine Behörde schreibe mittlerweile das Sicherheitspersonal gleich mit aus, wenn absehbar sei, dass Sperrungen nur mit Personal durchzusetzen sind.

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