Bremen  Leere Stadien in der Länderspielpause? Nicht mit den Frauen!

Frank Hellmann
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Von Frank Hellmann
| 13.10.2023 14:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gegen den SC Freiburg spielten die Werder-Frauen im vergangenen November zum ersten Mal auf der großen Bühne. Rund 20.000 Zuschauer waren zur Premiere ins Weserstadion gekommen. Foto: imago images/foto2press
Gegen den SC Freiburg spielten die Werder-Frauen im vergangenen November zum ersten Mal auf der großen Bühne. Rund 20.000 Zuschauer waren zur Premiere ins Weserstadion gekommen. Foto: imago images/foto2press
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In der Länderspielpause der Männer strebt die Frauen-Bundesliga einem neuen Zuschauerrekord entgegen, weil Werder Bremen, der FC Bayern und RB Leipzig in ihren großen Stadien vor fünfstelligen Kulissen spielen. Die Aufmerksamkeit für den Frauen-Fußball ist trotz des WM-Desasters auf stabil hohem Niveau.

Freimarkt und Fußball haben in Bremen schon oft einen gelungenen Doppelpass hinbekommen. Erst ein Heimspiel des SV Werder im Weserstadion besuchen, dann aufs größte Volksfest des Nordens ziehen. Das funktioniert im Oktober besonders gut – aber diesmal profitieren nicht die Männer, sondern die Frauen von der Symbiose.

Mehr als 18.000 Tickets hat der Klub für das Heimspiel seiner Bundesliga-Fußballerinnen gegen den 1. FC Köln (Samstag 14 Uhr) abgesetzt. Nicht schlecht für die Frauen, die genau wie die Männer gegen den Abstieg aus der Bundesliga kämpfen. Vor knapp einem Jahr waren zur Premiere schon 20.417 Zuschauer gegen den SC Freiburg an den Osterdeich gekommen. Am „Tach der Fans“ zur gemeinsamen Saisoneröffnung hatte Geschäftsführer Frank Baumann noch auf ein ausverkauftes Stadion und damit einen neuen Zuschauerrekord gehofft, den im Frühjahr die Gäste gegen Eintracht Frankfurt (38.365) aufgestellt hatten.

Den werden auch die Fußballerinnen des FC Bayern nicht brechen, wenn sie erstmals eine Bundesliga-Begegnung in der Arena austragen. Für das Spitzenspiel des Meisters gegen Eintracht Frankfurt (Samstag 17.55 Uhr, zu sehen in der ARD) sind aber mehr als 15.000 Tickets verkauft. Damit bietet sich ein angemessener Rahmen für eine Live-Übertragung in den Öffentlich-Rechtlichen gegenüber dem Alltag auf dem nur 2500 Plätze bietenden Campus.

Bereits beschlossen ist, dass alle Champions-League-Gruppenspiele in Fröttmaning stattfinden, auch wenn die hohen Betriebskosten einen erheblichen Mehraufwand bedeuten. Die Sportliche Leiterin Bianca Rech weiß, dass die eine Spielstätte eigentlich zu klein ist, während die andere zu groß daherkommt. Möglicherweise sei ein Ausbau des Campus die Lösung: „Wir denken auch über alternative Spielstätten in der Stadt nach. Es ist kein einfaches Thema, welches kurzfristig zu lösen ist.“

Ebenfalls zieht Aufsteiger RB Leipzig um, der nun sein zweites Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (Sonntag 14 Uhr) in der Red-Bull-Arena austrägt. Gegen die prominente Gästetruppe um Nationalmannschaftskapitänin Alexandra Popp erwartet RB eine fünfstellige Kulisse. Die vor der Saison aus Wolfsburg nach Leipzig gewechselte Sandra Starke freut sich „auf ein besonderes Spiel“. Mittel- bis langfristig wollen die Sachsen schließlich dritte Kraft im deutschen Frauenfußball werden.

Die Länderspielpause der Männer macht es möglich, dass der Spieltagsrekord (bisher 43.697 Fans) am Wochenende gebrochen wird. Auch der bisherige Besucherschnitt nach drei Spieltagen (3222) dürfte noch mal kräftig steigen, nachdem in der vergangenen Saison durchschnittlich bereits 2700 statt früher weniger als 1000 Fans kamen. DFB-Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch betrachtet die Zahlen als „das Ergebnis einer längerfristigen Entwicklung, die schon vor dem Boost durch die EM 2022 mit der Arbeit und dem Einsatz von vielen Mitarbeitenden im DFB, den Vereinen und Verbänden eingeleitet wurde“.

Tobias Trittel vom VfL Wolfsburg als Vorsitzender des Ausschusses Frauen-Bundesligen hatte ohnehin beteuert, „dass die WM erst mal keine großen Einschnitte auf unsere Liga haben wird“. Tatsächlich scheint an den meisten Standorten ein nachhaltiges Wachstum angestoßen: mancherorts moderat, andernorts deutlich. Die desaströsen Auftritte der DFB-Frauen in Australien haben nicht geschadet.

Hilfreich ist zusätzlich die vermehrte mediale Präsenz durch einen neuen TV-Vertrag, der dem Fußball der Frauen eine Sendefläche beschert, von der andere Ballsportarten teils nur träumen können. DFB-Geschäftsführer Holger Blask hat so geschickt verhandelt, dass alle Spiele bei DAZN und Magenta gezeigt werden, dazu läuft neuerdings bei Sport 1 ein Montagsspiel. ARD und ZDF haben sich zu zehn Live-Übertragungen verpflichtet.

Dass es gleichwohl natürliche Grenzen fürs Interesse gibt, hat Eintracht Frankfurt bei seinen drei Auftritten in der Arena im Stadtwald in dieser Saison erfahren. 6100 Zuschauer beim Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Juventus Turin, 13.500 in der Liga gegen den VfL Wolfsburg, zuletzt 5500 in der Playoff-Partie gegen den AC Sparta Prag: Da war vielleicht eine erste Sättigung zu spüren.

Die Eintracht organsiert die Umzüge für die Adlerträgerinnen aber aus voller Überzeugung, um einem jüngeren, weiblicheren Publikum das Stadionerlebnis zu ermöglichen. Eine vierköpfige Familie kann sich für weniger als 100 Euro ordentliche Sitzplätze leisten, während die begehrten Karten für die Männer nicht nur deutlich teurer, sondern in Frankfurt schlicht auch kaum mehr zu bekommen sind.

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