USA  Vogelgrippe: Könnten Hühner bald immun sein?

Henry Borgelt
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Von Henry Borgelt
| 12.10.2023 07:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Immun gegen die Vogelgrippe? Ein Forscherteam setzte ein verändertes Gen bei Hühnern ein. Was dabei heraus kam. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Immun gegen die Vogelgrippe? Ein Forscherteam setzte ein verändertes Gen bei Hühnern ein. Was dabei heraus kam. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
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Die Vogelgrippe könnte eine Pandemie auslösen, sagen Forscher. Doch schon jetzt richtet das Virus große Schäden an Tierbeständen an. Forscher haben einen Weg gefunden, Hühner sehr viel resistenter gegen das Virus zu machen.

Die Vogelgrippe ist längst keine saisonale Bedrohung für einige Tierarten mehr. Inzwischen hat sich das Virus in unbekanntem Maße weltweit ausgebreitet. Experten fehlen die Daten, um das genaue Ausmaß einschätzen zu können. Besonders die Vogelgrippen-Variante H5N1 sorge in Europa, Afrika, Asien und Amerika für ein großes Vogelsterben, erklären Experten.

Nun gibt es einen neuen Lösungsansatz einer Forschungsgruppe von der University of Edinborough, die in einer Studie auf ein verändertes Gen bei Hühnern zurückgreifen. Die Studie wurde am Dienstag im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.

Studienleiter Mike McGrew sagte auf einer Pressekonferenz, dass Impfungen von Tieren keinen ausreichenden Schutz gegen das Virus bieten, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Dieses sei durch Mutationen gut in der Lage, sich an einen Impfstoff anzupassen. Daher versuchte das Forscherteam, mithilfe der Genschere Crispr-Cas9, ein verändertes Gen bei Hühnern einzusetzen.

Mithilfe des veränderten Gens soll das Protein ANP32A beeinflusst werden, welches vom Vogelgrippe-Virus bevorzugt zur Vermehrung genutzt wird. Auch Säugetiere besitzen ein ähnliches Protein. Mithilfe eines weniger aggressiven Erregertyps konnten die Forscher nachweisen, dass bei normalen Dosierungen die Hühner kaum mehr infiziert wurden. Nur bei einer 1000-fachen Dosis erkrankte ungefähr die Hälfte aller Hühner.

Wenn jedoch nur ein Gen der Hühner verändert wurde, konnte sich das Virus schnell anpassen und ähnliche Proteine zur Vermehrung nutzen. Um also wirklich resistente Hühner zu schaffen, müssten alle ähnlichen Proteine ausgeschaltet werden. Ob dies die Gesundheit der Hühner anderweitig beeinträchtigt, müsste weiter untersucht werden, schreiben die Forscher. Dennoch sehen sie die Erkenntnisse ein Erfolg, da die veränderten Gene auch an alle Nachkommen weitergegeben werden.

Andere Forscher kritisierten hingegen gegenüber dem Science Media Center, dass Viren zu schnell mutieren würden, als dass ein solcher Ansatz langfristig funktionieren könnte, berichtet etwa der „Spiegel“.

Unter bestimmten Laborbedingungen konnten auch menschliche Zellen von dem Virus befallen werden, ob dies auch außerhalb von Laboren geschehen kann, ist allerdings zweifelhaft, berichten die Forscher.

Richard Webby, ein externer Vogelgrippen-Experte, sagte der „New York Times“: „Wenn man sich diese Veränderungen genau ansieht, beunruhigen sie mich nicht.“ Bei einem Erfolg könnten die veränderten Gene bei Hühnern jedoch ein großer Gewinn sein, erklärte der Experte weiter.

Ob sich die Genmanipulation durchsetzen kann, ist allerdings fraglich. Bereits in der Vergangenheit gab es Beschwerden und Empörung über genetische Eingriffe. Auch genetisch manipulierte Pflanzen werden von vielen Menschen abgelehnt. Zuletzt behaupteten chinesische Forscher beispielsweise, ein genmanipuliertes Baby zur Welt gebracht zu haben.

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