Diskussion entfacht  Geht der Emder Kultursommer den Bach runter?

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 11.10.2023 08:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Gut besucht: Veranstaltungen des Kultursommers an der Bühne auf dem Stephansplatz. Foto: Archiv
Gut besucht: Veranstaltungen des Kultursommers an der Bühne auf dem Stephansplatz. Foto: Archiv
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Betreiber des Café Einstein und Kulturschaffende üben Kritik an den neuen Plänen von Kulturevents Emden. Wohin steuert die beliebte Open-Air-Reihe auf dem Stephansplatz?

Emden - Die Pläne der Stadt, die Veranstaltungen des Emder Kultursommers künftig vom Stephansplatz auf weitere Spielstätten in der Innenstadt und andere Stadtteile auszuweiten, stoßen in der freien Kulturszene auf große Skepsis.

Was und warum

Darum geht es: um die Zukunft des Kultursommers in Emden, eine Veranstaltungsreihe, die erst 2022 ins Leben gerufen wurde

Vor allem interessant für: alle, die Spaß an verschiedenen kulturellen Formaten und Open-Air-Veranstaltungen haben

Deshalb berichten wir: Um die noch junge Veranstaltungsreihe entbrennt jetzt eine Diskussion um Zuständigkeiten und Spielstätten. Zwei Beteiligte haben sich gegenüber dieser Zeitung zu Wort gemeldet.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Der Betreiber des Cafés Einstein, Jens Friesenborg, der die bisherigen Veranstaltungen bei der Premiere 2022 und in diesem Sommer gastronomisch begleitete, sowie der Kulturschaffende Tim Gressler, der bislang im Auftrag der Stadt für das Programm, die Künstlerbetreuung und Moderation der Reihe auf dem Stephansplatz zuständig war, haben jetzt gegenüber dieser Zeitung deutliche Kritik an den noch vagen Plänen geäußert. Beide wollen damit auch eine Diskussion über die Zukunft dieser Open-Air-Reihe anstoßen.

Er hatte offenbar keine Kenntnis über mehrere Beschwerden zum Lärm: Einstein-Betreiber Jens Friesenborg. Foto: H. Müller
Er hatte offenbar keine Kenntnis über mehrere Beschwerden zum Lärm: Einstein-Betreiber Jens Friesenborg. Foto: H. Müller

Deutliche Kritik an Kulturbetrieb

Friesenborg und Gressler befürchten, dass der Kultursommer auf dem Stephansplatz den Bach runtergeht, wenn der städtische Kulturbetrieb Kulturevents Emden auf neue Standorte ausweicht. Die Reihe werde dadurch zerrissen, verliere ihren Charakter und verfehle die ursprünglichen Ziele, ein niederschwelliges Kulturangebot mitten in der Stadt zu machen und Nachwuchskünstlern eine Bühne zu bereiten, meinen sie: „Der Kultursommer wird als solcher nicht mehr erkennbar sein.“

Die Kritik richtet sich vor allem gegen Kulturevents Emden. Dessen Leitung habe die Zuständigkeit für die Veranstaltungsreihe in diesem Jahr aus ihrer Sicht nur halbherzig übernommen, sagen Friesenborg und Gressler. Zudem habe Kulturevents die Planung lange vor sich hergeschoben und erst im Mai damit begonnen, nachdem sich Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) auf Bitten von ihm eingeschaltet habe, so Friesenborg.

Nur eine Beschwerde von Anwohnern

Auch die Kommunikation mit Kulturevents sei in diesem Sommer äußert schwierig gewesen. Ein Miteinander habe es nicht gegeben. „Es ist deshalb schwer vorstellbar, das weiter mit Kulturevents zu machen“, sagt der Einstein-Betreiber. Auch über die neuen Pläne für die Kultursommer sei mit ihm und Gressler bislang nicht gesprochen worden. Sie hätten davon nur aus den Medien erfahren, nachdem der Kulturausschuss des Rates sich vor einigen Wochen öffentlich damit beschäftigt hatte.

Das dabei genannte Hauptargument von Kulturevents, mit neuen Spielstätten auf Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern des Stephansplatzes wegen Lärms zu reagieren, können Friesenborg und Gressler nicht nachvollziehen. Denn zu ihnen sei in diesem Sommer lediglich eine einzige Klage einer Anwohnerin über die Stadtverwaltung durchgedrungen. Mit dieser Beschwerdeführerin habe es daraufhin ein freundliches und klärendes Gespräch gegeben.

Um 21 Uhr war jeweils Schluss

Auf Seiten von Kulturevents sei zu keinem Zeitpunkt von weiteren Klagen die Rede gewesen. „Wir sind deshalb davon ausgegangen, dass alles gut läuft“, so Friesenborg. Die Reihe sei in diesem Jahr in dieser Hinsicht auch gut vorbereitet worden. Im Vorfeld habe es eine Infoveranstaltung für Anwohner gegeben. Die Reihe sei außerdem auf acht Wochenenden zwischen Juni und August beschränkt worden.

Kritisiert eine „halbherzige“ Übernahme des Kultursommers durch Kulturevents: der Kulturschaffende und Programmmacher Tim Gressler. Foto: H. Müller
Kritisiert eine „halbherzige“ Übernahme des Kultursommers durch Kulturevents: der Kulturschaffende und Programmmacher Tim Gressler. Foto: H. Müller

Das festgelegte Ende der Konzerte um 21 Uhr sei stets eingehalten worden. Die Lautstärke sei auch erträglich und nicht so hoch gewesen wie beispielsweise bei den Open-Air-Konzerten der Reihe „Summer in the City“ oder bei den Sommernachtspartys im Van-Ameren-Bad, sagt Gressler. Es sei deshalb „unverständlich, warum Kulturevents Klagen von Anwohnern jetzt zum Anlass nimmt, die Veranstaltungen auf dem Stephansplatz zur Disposition zu stellen“.

Viele Anwohner freuten sich

Es gebe viele Anwohnerinnen und Anwohner, die hocherfreut über die Veranstaltungen auf dem Stephansplatz seien und sie auch genossen hätten, so Friesenborg. Darunter seien auch einsame Menschen gewesen, die dadurch Abwechslung gefunden hätten. Es sei auch das erklärte Ziel des Kultursommers, möglichst alle Bürgerinnen und Bürger sowie Jung und Alt mitzunehmen.

Der Stephansplatz als grüne Oase im Stadtzentrum und mit dem Kinderspielplatz sei für diese Reihe so geeignet wie kaum ein anderer Ort in Emden, meint der Einstein-Chef. Auch Gäste von auswärts hätten die Einzigartigkeit dieses Platzes immer wieder bestätigt.

Café will Reihe unterstützen

Friesenborg geht es bei seinem Vorstoß nach eigenen Angaben nicht um die Einnahmen aus dem Betrieb des Gartencafés während der Veranstaltungen. Vielmehr sei er bereit, den Kultursommer auch als Sponsor finanziell zu unterstützen. Die Annahme, er könne die städtische Fläche kostenlos nutzen, sei im Übrigen falsch. Er zahle dafür Gebühren nach der Sondernutzungssatzung der Stadt.

Vorstellen könnten sich Friesenborg, Gressler und auch der Emder Kulturschaffende Johannes „Urmel“ Meyering allerdings, den Kultursommer auch auf den Henri-Nannnen-Platz auf der Hahn’schen Insel vor der Kunsthalle auszudehnen. Solche Überlegungen habe es ihrerseits schon vor dem ersten Kultursommer im vergangenen Jahr gegeben, heißt es. Erste Gespräche mit der Kunsthalle dazu habe es dazu auch schon gegeben. Von dort seien positive Signale gekommen.

Kulturevents Emden will die Programmgestaltung der Open-Air-Veranstaltungen des Kultursommers nach eigenen Angaben von 2024 an komplett in eigener Regie übernehmen und dabei Kosten sparen. Es sollen nicht nur neue Spielstätten, sondern auch weitere Gastronomen und Sponsoren ins Boot geholt werden. Das Programm soll den Angaben zufolge stärker als bisher auf Familien mit Kindern ausgerichtet werden. Die Reihe war 2022 mit Geld des Landes aus dem Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ angeschoben worden.

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