Delmenhorst Training und Testspiel: Delmenhorster Dominik Kasper ganz nah an Werders Profis
Der Delmenhorster Fußballer Dominik Kasper dominiert mit Werders U23 die Bremen-Liga und schwärmt von seinem ersten Testspiel mit den Profis. Der 19-Jährige liefert sich mit Kevin Schindler Debatten über die gemeinsame Heimatstadt und hat schon im Weserstadion gespielt – aber nicht für Werder.
Der Fußball mag für Dominik Kasper irgendwann noch größere Tage bereithalten als jenen 7. September 2023, einen Ehrenplatz in seinem Lebenslauf wird er aber zweifellos für immer behalten. Der Delmenhorster war an jenem Donnerstag gerade vom Training nach Hause gekommen, als sein Coach durchklingelte: Im Bus (und im Kader) von Werder Bremens Profimannschaft wäre noch ein Platz für ihn frei. Wenn er es denn rechtzeitig zur Abfahrt schaffen sollte.
Glücklicherweise hat er es zum Osterdeich nicht allzu weit. Und so fuhr Kasper, der gerade erst in die U23 aufgerückt ist, mit dem Bundesliga-Team zum Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach ins hessische Willingen, wo der Tag immer besser und besser wurde. In der 82. Minute wurde der 19-Jährige tatsächlich für Cimo Röcker eingewechselt, zwei Minuten später schoss Justin Njinmah das 1:0-Siegtor. Kasper gehörte zu den ersten Gratulanten und war folglich auf den meisten Jubelfotos abgebildet, die danach durch das Netz flogen. Später nannte er sein Debüt „einen der coolsten Momente in meiner Karriere“.
Womöglich gesellen sich aber in Kürze schon ähnliche Erlebnisse hinzu. Denn Kasper gehört schon länger zu den Hoffnungsträgern der Bremer Talentschmiede, er mischt in der aktuellen Länderspielpause nicht zum ersten Mal im Training der Profis mit und schlägt sich offenbar gut, auch wenn „das Tempo ein ganz anderes ist“, wie er schwärmt. Am Donnerstag erwartet Werder ohne Zuschauer auf Platz 11 ab 13 Uhr den FC St. Pauli zum Testspiel. Ein erneuter Einsatz ist für Kasper – in Abwesenheit von acht Nationalspielern – nicht ausgeschlossen.
Dass ein Delmenhorster für einen Erstligisten aufläuft – Testspiel hin oder her –, ist an sich schon kein alltäglicher Vorgang, Kaspers Weg dorthin macht die Sache allerdings umso bemerkenswerter. Denn irgendwie begann er dort, wo er ihn eines Tages wieder hinführen soll: im Weserstadion. Vor neun Jahren bestritt er dort als E-Jugendlicher mit dem TuS Hasbergen das Finale des EWE-Cups vor dem Bundesliga-Spiel gegen Hertha BSC, das 1:4 gegen den 1. FC Nordenham sollte jedoch sein letztes Spiel für den Stadtteilclub sein.
Der offensive Mittelfeldspieler wechselte danach zu Werder und hat seitdem alle Teams seit der U11 durchlaufen. Mit der U15 wurde er zweimal Norddeutscher Meister, 2021 bestritt er zwei Länderspiele für die deutsche U18 gegen Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate. In der Bremer U19 sammelte er in 39 Bundesliga-Spielen 26 Scorerpunkte. Aktuell hat er aber eine durchaus undankbare Mission: Er gehört zum großen Kader der U23, der den peinlichen Abstieg aus der Regionalliga ausbügeln soll.
Werders höchste Nachwuchsmannschaft tritt erstmals in der fünftklassigen Bremen-Liga an und ist dort bisher völlig unterfordert. „Natürlich würde ich mit der Mannschaft lieber in der Regionalliga spielen“, bekennt Kasper, der den Abstieg – wie die meisten seiner Teamkollegen – aus der Ferne miterleben musste. Er gewann am Tag des letzten Regionalligaspiels mit der U19 ein Turnier in Stemwede. „Das war aber fast schon Nebensache“, erzählt Kasper. „Viele Jungs wussten ja, dass sie in die U23 aufrücken würden.“ Acht waren es im Sommer schließlich.
In der Bremen-Liga ist Werder II wenig überraschend Tabellenführer, nach neun hohen Siegen (zuletzt ein 12:0 gegen Tura Bremen) lautet das Torverhältnis 65:6. Die Mannschaft arbeitet weiter unter Profibedingungen und wird nebenbei durch Testspiele bei Laune gehalten – unter anderem gab es ein 2:1 beim Hamburger SV II. „Es gibt schon einige gute Teams in der Bremen-Liga“, sagt Kasper. „Aber natürlich wollen wir wieder aufsteigen.“ Dazu müssten die Grün-Weißen Meister werden und die Aufstiegsrunde gegen die Vertreter aus Hamburg und Schleswig-Holstein überstehen. „Man weiß natürlich nie, wer da kommt“, sagt Kasper.
Langfristig, daran lässt er keinen Zweifel, soll aber auch die Regionalliga für ihn nicht Endstation sein. „Ich will Profi werden, das ist das große Ziel“, sagt er. Eine Berufung in Werders Profikader für ein Pflichtspiel wäre da „der nächste Schritt“ für ihn – und ein historischer dazu. Denn sollte er tatsächlich für die Bremer in der 1. Bundesliga zum Einsatz kommen, wäre er dort der erste gebürtige Delmenhorster seit Kevin Schindler. Patrick Drewes, der für den Karlsruher SC in der zweiten Liga das Tor hütet, wartet noch auf seinen ersten Erstliga-Einsatz.
Schindler, der letztmals am 25. September 2007 für Werder spielte, ist Kaspers Co-Trainer in der U23 – die beiden liefern sich manche Diskussion über die gemeinsame Heimatstadt: „Er sagt immer, er wäre Bremer und nur in Delmenhorst geboren worden. Ich sage dann immer: Wir Delmenhorster müssen doch zusammenhalten.“
Kasper wohnt noch in seiner Heimatstadt und hat in diesem Jahr das Abitur an der Integrierten Gesamtschule (IGS) bestanden. Er verfolgt auch die Karrieren seiner früheren Bolzplatzkollegen, zu denen der ehemalige türkische Jugendnationalspieler Kaan Er, der afghanische Internationale Mustafa Azazdoy und mit Elias Schröder der aktuelle Trainer des SV Atlas II gehören. „Wir haben zusammen auf einem Platz an der Schule gekickt“, erzählt Kasper. „Wenn man sieht, wo wir alle hingekommen sind, war das damals schon eine coole Besetzung.“