Tierschutz in der Krummhörn  Tierschützerin lebt mit 13 Hunden in einer „Gnaden-WG“

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 11.10.2023 10:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Anke Körner-Walkenhorst hat ein Herz für Hunde. Foto: Weiden
Anke Körner-Walkenhorst hat ein Herz für Hunde. Foto: Weiden
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Anke Körner-Walkenhorst aus Grimersum hat schon vielen Hunden das Leben gerettet. Sie nimmt die Tiere bei sich auf, die sonst keiner haben will.

Grimersum - Die Hunde von Anke Körner-Walkenhorst haben es sich in der Küche bequem gemacht und schnarchen dort lautstark vor sich hin. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass einige von ihnen Handicaps haben. Manchen fehlt ein Auge, anderen ein Ohr. Insgesamt 13 Hunde leben in der „Gnaden-WG“ mit Körner-Walkenhorst. Sie nimmt Hunde bei sich auf, die sonst keiner haben will, Hunde, die als „unvermittelbar“ gelten.

Was und warum

Darum geht es: eine Krummhörnerin, die für den Tierschutz brennt Vor allem interessant für: alle, die sich für Tierschutz interessieren

Deshalb berichten wir: Der Verein „Zuflucht für Notboxer“ feiert in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen.

Die Autorin erreichen Sie unter: h.weiden@zgo.de

Mit ihren Tieren lebt die 65-Jährige seit nun zehn Jahren in einem kleinen Häuschen in Grimersum. Vorher hatte sie in Bremen gelebt, war dann aber aus familiären Gründen in die Krummhörn gezogen. Sich um die Hunde zu kümmern, sei eine Art Lebensaufgabe für sie geworden, sagt sie. Als Jugendliche habe sie eine enge emotionale Verbindung zu dem Hund ihrer Familie gehabt - einem Boxer. Die Zuneigung zu dieser Rasse hat sie bis heute nicht verloren.

Schock auf der Tötungsstation

Körner-Walkenhorst ist Mitbegründerin von „Zuflucht für Notboxer“, einem Tierschutzverein, der vor ziemlich genau 20 Jahren gegründet wurde. Die 30 Vereinsmitglieder kümmern sich unter anderem darum, dass Hunde aus dem europäischen Ausland vermittelt werden. In den meisten Fällen aus Ungarn. Während es damals - wie der Name vermuten lässt - überwiegend Boxer waren, spielt die Rasse heute keine Rolle mehr. Dazu kam es, nachdem sich Anke Körner-Walkenhorst eine Tötungsstation auf Mallorca angeschaut hatte. „Das war einfach nur entsetzlich“, sagt sie sichtlich gerührt. Die Tiere würden dort abgegeben und unter schlechten Bedingen gehalten, ehe sie schließlich eingeschläfert werden. Dabei werde kein Unterschied gemacht zwischen gesunden oder ungesunden, jungen oder alten Tieren. Sie habe sogar mit ansehen müssen, wie eine trächtige Hündin eingeschläfert wurde. „Damit war für mich klar, dass wir uns nicht nur um Boxer kümmern müssen.“

Diese Hündin ist besonders anhänglich: Sie wohnt schon seit ein paar Jahren in der WG von Anke Körner-Walkenhorst. Foto: Weiden
Diese Hündin ist besonders anhänglich: Sie wohnt schon seit ein paar Jahren in der WG von Anke Körner-Walkenhorst. Foto: Weiden

Seit der Gründung des Vereins haben die Tierfreunde um die 1800 Hunde vermittelt. „Das sind relativ wenig“, sagt Anke Körner-Walkenhorst. Den Tierfreunden sei es nämlich wichtig, die Hunde nur zu vermitteln, wenn wirklich ein geeigneter Halter oder eine Halterin gefunden wurde. Damit das klappt, besuchen die Mitglieder des Vereins die Interessenten vorab zuhause. Platzkontrolle nennen die Tierschützer das. Nach Aussagen von Körner-Walkenhorst ist das wichtig, damit die Hunde nicht wenig später im Tierheim landen. Das sei weder im Interesse der Tiere, noch im Interesse der Tierschützer oder der Behörden.

Auf Spenden angewiesen

Wie lebt es sich in einer WG mit 13 Hunden? „Die Hunde geben mir sehr viel“, sagt Anke Körner-Walkenhorst. Manchmal habe sie fast das Gefühl, Teil des „Rudels“ zu sein, sagt sie. Es sei aber auch wichtig, den Hunden Grenzen aufzuzeigen. Viele der Tiere aus der Gnaden-WG haben ihre Päckchen zu tragen. Sind etwa traumatisiert, blind oder taub. Dass es da bei 13 Hunden auch mal chaotisch oder lauter werden kann, ist klar. Die Hunde stünden für sie neben der Familie aber an oberster Stelle - sie bleibe deshalb nie länger als vier Stunden von Zuhause weg. Der Tag startet für sie mit vier hintereinander folgenden Gassi-Runden á 40 Minuten - es ist unmöglich, alle Hunde gleichzeitig auszuführen.

Für Tierschutzvereine und Tierheime ist es oft schwierig, finanziell über die Runden zu kommen. Davon berichtet auch Anke Körner-Walkenhorst. „Es ist manchmal so, dass wir gerade so über die Runden kommen.“ Besonders bei kranken Hunden würde es schnell mal zu hohen Kosten kommen, etwa wenn eine Operation erforderlich ist. Generell versuche der Verein aber, die Ausgaben so gering wie möglich zu halten und zum Beispiel preiswertes Futter zu kaufen, wo es möglich ist. Ohne Spenden geht da allerdings nichts. Die werden neben den Ausgaben für Futter, Körbchen und Co. unter anderem auch für die Rettung von Tieren aus ausländischen Tierheimen und Tötungsstationen verwendet.

In ihrer WG hat sie nun aber erst einmal einen Aufnahmestopp verhängt. „Ich bin jetzt 65 und jetzt ist erst einmal Schluss“, sagt sie. Sie wolle schließlich ihren Kindern keine zehn Hunde oder mehr überlassen müssen, wenn sie eines Tages etwa krank werden sollte. Den 13 Hunden, die derzeit bei ihr leben, will sie es aber so schön wie möglich machen. „Die werden hier leben, bis sie gehen“, sagt die Hundefreundin.

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