Berlin Menschen feiern Hamas-Terror: „Diese Leute wollen ein judenreines Palästina“
Sigmount Königsberg, Antisemitismus-Beauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, über die Angriffe der Hamas und israelfeindliche Parolen auf einer pro-palästinensischen Kundgebung.
Während die Hamas Tausende Raketen auf Israel schießt, Zivilisten massakriert und Geiseln in den Gazastreifen verschleppt, feiern am vergangenen Samstagmittag pro-palästinensische Gruppen in Berlin-Neukölln den Terror mit Süßigkeiten. Am Abend versammeln sich rund 50 Personen spontan zu einer Kundgebung, sie schwingen die Flagge Palästinas und skandieren antiisraelische Parolen.
Der Antisemitismus-Beauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, zeigt sich angesichts der Bilder schockiert – und warnt vor einer Zunahme judenfeindlicher Übergriffe.
Frage: Herr Königsberg, wo waren Sie am Samstag, als Sie vom Angriff auf Israel erfahren haben?
Antwort: Ich saß gerade am Frühstückstisch und sah die Nachrichten auf meinem Handy. Da bin ich in eine Schockstarre verfallen, wie paralysiert saß ich am Tisch. Ich musste sofort an meine Familie und meine Freunde denken, die in Israel leben. Die Zigtausenden Raketen, die Toten, die unwürdigen Videos der nach Gaza verschleppten Israelis in den sozialen Medien – es ist einfach nur unfassbar, was da gerade passiert.
Frage: Sind ihre Angehörigen und Freunde in Sicherheit?
Antwort: Soweit ich weiß, ja. Aber wiederum haben sie Bekannte, die bei den Angriffen am Samstag verletzt wurden. Israel ist ein kleines Land. Tel-Aviv ist weniger als 100 Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass jeder Israeli jemanden kennt, der von den Attacken der Hamas unmittelbar betroffen ist.
Frage: Sitzen Mitglieder Ihrer Gemeinde in Israel fest?
Antwort: Darüber haben wir noch keine Kenntnisse. Aber es gibt eine Austauschgruppe Jugendlicher aus dem Bezirk Pankow, die aus der Grenzstadt Aschkelon nicht herauskommt.
Alle Entwicklung zum Angriff auf Israel lesen Sie in unserem Liveblog.
Frage: In Berlin-Neukölln haben pro-palästinensische Gruppen den Hamas-Terror mit Süßigkeiten gefeiert und bei einer Demonstration israelfeindliche Parolen gebrüllt. Wie geht es Ihnen damit?
Antwort: Diese Bilder verstören mich sehr. Wegen meiner eigenen Sicherheit war ich auch nicht vor Ort. Wir dürfen auch nichts verharmlosen. Bei dem Slogan der Demonstranten „Palestine will be free“ fehlt der Zusatz „... from Jews“. Diese Leute wollen ein judenreines Palästina, sie vertreten im Grunde eine Nazi-Ideologie. Auf solchen Kundgebungen bringen sie das zum Ausdruck – immer und immer wieder. Ich finde es sehr bedauernswert, dass die Berliner Polizei so lange gebraucht hat, um einzuschreiten.
Frage: Beide Aktionen gingen vom palästinensischen Verein „Samidoun“ aus. Unterstützen Sie Forderungen nach einem Verbot?
Antwort: Auf jeden Fall, dafür habe ich mich bereits öfters eingesetzt. „Samidoun“ ist eine Tarnorganisation der palästinensischen Terrorgruppe PFLP, die vor Morden an Juden nicht zurückschreckt. Für mich steht sie auf einer Stufe mit der RAF. Allein deshalb schon muss „Samidoun“ verboten werden.
Frage: Nun hat die Bundesregierung ihre Finanzhilfe für Palästinenser vorübergehend ausgesetzt.
Antwort: Zum einen ist diese Maßnahme eindeutig zu begrüßen. Vor allem muss die Bundesregierung die Kontrolle darüber haben, was mit dem Geld deutscher Steuerzahler geschieht. Es muss sichergestellt sein, dass diese Mittel nicht zur Hassindoktrination von Kindern, zu antisemitischer Propaganda oder gar zum Bau von Waffen verwendet werden. Bislang war diese Kontrolle nicht gegeben. Terroristen mögen es nicht, wenn Demokraten ihnen auf die Finger schauen.
Frage: Was machen die Ereignisse vom Samstag mit dem Sicherheitsgefühl der jüdischen Community?
Antwort: Für uns Juden sind antisemitische Slogans auf Demos leider nichts Neues. Aber natürlich bestätigt die Demo von Samstagabend die Vorbehalte, die bestimmte Personengruppen gegen uns haben. Das ist bitter, aber so sieht die Realität nun mal aus, nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland. Ich möchte außerdem ergänzen, dass das Statement der muslimischen Verbände, gelinde gesagt, enttäuschend war.
Frage: Der Zentralrat hat die Angriffe der Hamas auf die Zivilbevölkerung verurteilt, gleichzeitig aber beide Seiten aufgerufen, die Kampfhandlungen einzustellen.
Antwort: Mit diesem Statement werden der verbrecherische Überfall der Hamas und die notwendigen Verteidigungsmaßnahmen Israels auf eine Stufe gestellt. Die großen muslimischen Verbände sind für die jüdische Gemeinde keine Kooperationspartner. Und auch die Linke in Neukölln verfällt in lautes Schweigen.
Frage: Fürchten Sie eine Zunahme der antisemitischen Übergriffe in Berlin?
Antwort: In der Vergangenheit war es eigentlich immer so: Schießt die Hamas Raketen auf Israel, häufen sich hier die Anfeindungen gegenüber Jüdinnen und Juden. Wir müssen also von diesem Szenario wieder ausgehen. Alles andere wäre nach Samstag eine Überraschung.
Frage: Können Sie Fälle nennen, von denen Sie in letzter Zeit erfahren haben?
Antwort: Mir wurde berichtet, dass am Sonntag nach der solidarischen Demo mit Israel mehrere Jüdinnen und Juden auf dem Nachhauseweg angegriffen wurden – verbal und körperlich. Es wird sicherlich zu weiteren Demonstrationen kommen, wo antisemitischen Parolen skandiert werden. Ich hoffe sehr, dass die Polizei solche Kundgebungen künftig schneller unterbindet. Auch wenn das nicht einfach sein wird, denn unter den Teilnehmern sind Menschen, die vor Gewalt nicht zurückschrecken.
Frage: Wie steht es um die Sicherheit der Synagogen in Berlin?
Antwort: Die jüdische Gemeinde arbeitet traditionell eng mit dem Senat für Inneres und den Sicherheitsbehörden zusammen. Daher mache ich mir aktuell nicht allzu große Sorgen, dass die Bedrohungslage für Synagogen durch den Krieg in Israel wächst.