Gaza Was ist der Gazastreifen – und warum ist er so umkämpft?
Die Hamas hat Israel angegriffen – vom Gazastreifen aus, einer der am dichtesten bevölkerten und ärmsten Regionen der Welt. Aber was genau ist der Gazastreifen eigentlich? Was Sie über das Gebiet wissen müssen.
Der Gazastreifen ist mit dem Großangriff der Hamas auf Israel erneut in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten. Dabei handelt es sich um ein schmales, längliches Gebiet am Mittelmeer, zwischen Israel und Ägypten.
Es gibt zwei palästinensische Gebiete im Nahen Osten: Das Westjordanland zwischen Israel und Jordanien und den Gazastreifen. Einen offiziell anerkannten palästinensischen Staat gab es nie. Das Osmanische Reich hat den Gazastreifen lange Zeit kontrolliert, nach seinem Fall besetzte das Britische Imperium das Gebiet.
Mit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 übergab Großbritannien das Gebiet an Israel – allerdings erklärten noch am selben Tag mehrere arabische Staaten Israel den Krieg. Ägypten besetzte den Gazastreifen und kontrollierte ihn fast zwei Jahrzehnte lang. Israel eroberte das Gebiet im Zuge des Sechs-Tage-Krieges 1967, zusammen mit dem Westjordanland. Bis 2005 blieben beide Regionen unter israelischer Kontrolle.
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Doch nachdem sowohl international als auch in Israel selbst der Druck wuchs, die israelische Siedlungspolitik im Gazastreifen zu stoppen, zog die Regierung rund 9000 israelische Siedler und ihr Militär aus dem Gebiet ab. Die Palästinensische Autonomiebehörde übernahm das Regierungsgeschäft. Bei den Wahlen 2006 – die letzten, die es dort bis heute gab – gewann die radikalislamische Hamas und führte ein autoritäres Regime ein.
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Der Gazastreifen ist eine der ärmsten Regionen der Welt. Zwei Millionen Menschen leben auf nur 365 Quadratkilometern auf engstem Raum. Die Hälfte der Einwohner ist unter 19 Jahre alt, vor allem wegen einer enorm hohen Geburtenrate von über 8, sowie schlechter Gesundheitsversorgung und ständig wiederkehrender Gewalt – und die Zukunftsaussichten sind schlecht.
Israel setzt seit 2007 konsequent eine Blockade des Gazastreifen durch. Land-, Luft- und Wasserwege werden von israelischen Behörden und Militär blockiert. Israel kontrolliert somit die Grenzen des Gazastreifen, nach eigener Aussage zum Schutz der israelischen Bevölkerung. Die Blockade hat massive Auswirkungen auf die verarmte Bevölkerung, die so den Zugang zu lebenswichtiger Versorgung verliert. Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Blockade scharf. Gaza sei nach wie vor unter israelischer Besatzung.
Die Wirtschaft im Gazastreifen ist katastrophal. Die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 40 Prozent, zwei Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze und ohne ausreichend Zugang zu Nahrung und Trinkwasser.
Die Organisation Human Rights Watch beschreibt die Lebensbedingungen in Gaza als ein „Open Air Gefängnis“. Israel verhindert die Bewegungsfreit der dort lebenden Palästinenser: Nur in seltenen Ausnahmesituationen dürfen sie den Gazastreifen verlassen. Israelis, jüdische Siedler und Ausländer sind von dieser Regel nicht betroffen.
Die palästinensische Bevölkerung ist zu einem großen Teil für die radikal-islamistische Hamas. Einer Umfrage zufolge würde mehr als die Hälfte der dort lebenden Palästinenser für die Hamas anstelle der Palästinensischen Autonomiebehörde stimmen. Die Beliebtheit der Hamas wuchs im August 2021 nach einem zweiwöchigen Konflikt zwischen Hamas und Israel. Ungefähr 75 Prozent gaben an, die Hamas würde Palästinenser und islamische Stätten in Jerusalem schützen. Die Hamas hat sich bereits früh den Ruf erarbeitet, gegen die Besatzermacht Israel Widerstand leisten zu können.