Früherer Archivleiter verstorben  Trauer um einen aktiven Bewahrer ostfriesischer Geschichte

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 09.10.2023 14:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der 65. Geburtstag von Prof. Dr. Bernhard Parisius (vorne mit Buch), gleichzeitig sein Eintritt in den Ruhestand, war Anlass für eine Publikation, die mit dem Leiter der Landschaftsbibliothek, Dr. Paul Weßels (von links), dem neuen Leiter des Landesarchivs, Dr. Michael Hermann, und Dr. Walter Schulz (Gerhard-ten-Doornkaat-Koolman-Stiftung) vorgestellt wurde. Archivfoto: Fiks
Der 65. Geburtstag von Prof. Dr. Bernhard Parisius (vorne mit Buch), gleichzeitig sein Eintritt in den Ruhestand, war Anlass für eine Publikation, die mit dem Leiter der Landschaftsbibliothek, Dr. Paul Weßels (von links), dem neuen Leiter des Landesarchivs, Dr. Michael Hermann, und Dr. Walter Schulz (Gerhard-ten-Doornkaat-Koolman-Stiftung) vorgestellt wurde. Archivfoto: Fiks
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Vor wenigen Tagen ist Dr. Bernhard Parisius gestorben. Der Archivar hatte einen alles andere als trockenen Blick auf die ostfriesische Geschichte.

Aurich - Er leitete das Niedersächsische Landesarchiv in Aurich, er führte über viele Jahre hinweg die Redaktion für das Emder Jahrbuch und war wissenschaftlicher Leiter der Dokumentationsstätte zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Norden-Tidofeld: Prof. Dr. Bernhard Parisius ist vor wenigen Tagen im Alter von 73 Jahren gestorben. Durch seine engagierte Tätigkeit als Historiker ist der gebürtige Oldenburger vielen Menschen in Ostfriesland bis heute verbunden und in lebhafter Erinnerung.

Parisius übernahm 1995 die Leitung des Staatsarchivs in Aurich. In dieser Funktion unterstützte er nicht nur viele Menschen, die an der Geschichte der Region gearbeitet haben, sondern blickte auf seine eigene Weise auf Ostfriesland. Unter anderem sind in Parisius‘ Amtszeit zwölf Publikationen in der Reihe „Quellen zur Geschichte Ostfrieslands“ erschienen, die das in Aurich ansässige Landesarchiv gemeinsam mit der Ostfriesischen Landschaft herausgibt.

Vertriebene waren sein Spezialgebiet

Parisius pflegte mehrere Kooperationen mit anderen Einrichtungen wie der Bibliothek der Ostfriesischen Landschaft oder dem Landesamt für Geoinformation in Aurich. Sein Spezialgebiet waren Vertreibung und Migration. In seiner Monografie „Viele suchten sich ihre neue Heimat selbst. Flüchtlinge und Vertriebene im westlichen Niedersachsen“ beleuchtete der Archivleiter auch die Geschichte an seinem Arbeitsort. Seine These: Vertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Ostfriesland leitende Positionen einnahmen, hat die Region einiges zu verdanken. Sein großes Wissen zu dem Thema brachte er in die Arbeit der Gedenkstätten in Tidofeld ein.

Ab 1995 leitete Bernhard Parisius die Redaktion für das Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, herausgegeben von der Ostfriesischen Landschaft, der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, dem Staatsarchiv in Aurich sowie der Johannes-a-Lasco-Bibliothek in Emden. Durch die Auswahl der Autoren und Artikel sorgte er für eine vielfältige Themenmischung, die das Jahrbuch zu einer interessanten Lektüre auch für Nichthistoriker machte. Parisius bewies dabei Gespür dafür, dass sich Geschichte nicht nur in großen Daten, sondern ebenso in Alltagsdingen widerspiegelt – zum Beispiel in Stickmustern. Aufsätze zu solchen Themen vermochte der Historiker bei den Pressegesprächen im Landesarchiv auf mitreißende Art vorzustellen.

Überraschung zum Abschied misslungen

Als Dr. Bernhard Parisius 2015 in den Ruhestand trat, nahmen das Landesarchiv und die Ostfriesische Landschaft seinen 65. Geburtstag zum Anlass für die gemeinsame Festschrift „Das 20. Jahrhundert im Blick. Beiträge zur ostfriesischen Zeitgeschichte“. Die Beiträge boten „Überraschendes und Unerwartetes“ zur neueren Geschichte. Eine Anekdote dazu: Das Buch sollte eine Überraschung werden und Parisius bei seiner Verabschiedung überreicht werden. Die Überraschung gelang nicht: In einer weitergeleiteten E-Mail hatte ein Hinweis auf die Festschrift gestanden. Gelesen hatte Parisius das jedoch erst, nachdem ihn Mitarbeiter gebeten hatten, die Mail zu löschen.

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