Vermehrte Vorfälle So ist der Ermittlungsstand zu Gewalttaten unter Jugendlichen in Leer
Schlägereien und räuberische Erpressung: Die Meldungen von Straftaten, die von jungen Menschen ausgehen, häufen sich. Die Polizei ermittelt – und hat erste Konsequenzen gezogen.
Leer - „Die Ermittlungen dazu sind sehr aufwändig und dauern deshalb länger als gewöhnlich“, sagt Svenia Temmen, Sprecherin der Leeraner Polizei, auf Nachfrage dieser Zeitung. Seit Mitte September kommt es in Leer vermehrt zu Gewalttaten von Jugendlichen, wie die Sprecherin bestätigt. Darunter zwei Massenschlägereien und eine räuberische Erpressung. Die Taten aufzuklären sei allerdings besonders kompliziert. Warum das so ist, was die Polizei trotzdem schon über die Täter weiß und was gegen die zunehmende Gewalt junger Menschen getan wird, hat die Polizeisprecherin erklärt.
Was und warum
Darum geht es: Den Stand der Ermittlungen zu gewaltvollen Auseinandersetzungen unter Jugendlichen und die Frage, warum diese Aufklärung lange dauert.
Vor allem interessant für: alle, die sich um ihre Sicherheit sorgen
Deshalb berichten wir: Im Stadtgebiet kam es zuletzt ungewöhnlich oft zu Gewalt unter jungen Leuten. Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de
Was war genau passiert?
Am frühen Abend des 15. September wurde die Polizei zu einer Schlägerei zwischen rund 20 Jugendlichen in der Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße gerufen. Als die Beamten ankamen, sei eine mögliche Gruppe schon nicht mehr da gewesen. Am Tatort wurden drei 16-jährige Opfer angetroffen. Bei einer Fahndung konnte die Polizei dann zwei 16-jährige Täter ausmachen. Nach polizeilichen Maßnahmen auf der Dienststelle wurden sie nach Hause entlassen.
Am 16. September hatte eine Gruppe aus bis zu 15 jungen Menschen im Ostersteg einen 29-jährigen Mann aus Lathen um Bargeld erpresst. Anschließend flüchtete die Gruppe laut Polizei mit der Beute in Richtung Mühlenstraße. Deren Mitglieder sollen etwa 18 Jahre alt gewesen sein.
In der Leeraner Innenstadt ist es am 28. September erneut zu einer Auseinandersetzung von zwei Personengruppen gekommen. Ein Zeuge hatte am Abend eine Schlägerei von bis zu 20 Menschen in der Fußgängerzone gemeldet. Das Alter der Beteiligten soll zwischen jugendlich bis Mitte/Ende 30 gelegen haben.
Wie wird jetzt vorgegangen?
Die Ermittlungen haben Jugendermittler übernommen. Dabei handelt es sich um speziell für den Umgang mit jungen Menschen geschulte Polizeibeamte, erklärt Polizeisprecherin Temmen. Verdächtige werden zur Dienststelle gebeten und dort vernommen.
Außerdem wurde die Polizeipräsenz in der Stadt erhöht. Junge Menschen würden, so Temmen, verdachtsunabhängig von den Beamten kontrolliert. „Damit zeigen wir: Wir sind hier und wir haben da ein Auge drauf“, sagt die Sprecherin. Das solle vor weiteren Taten abschrecken. Auch wurden bei Verdächtigen Gefährderansprachen gehalten und mit den Eltern gesprochen. Damit werden die Jugendlichen ermahnt, Straftaten zu unterlassen, da man sie bereits im Blick hat.
Wer war beteiligt?
Bisher wurden etwa vier Namen der an den Vorfällen Beteiligten in den Ermittlungen geklärt. „Genaue Angaben können wir aber nicht machen, um die Jugendlichen zu schützen“, so Svenia Temmen. Gleichzeitig betont sie: „Entgegen einiger Gerüchte in den sozialen Medien handelt es sich nicht um Mitglieder von irgendwelchen Clans. Es sind einfach nur Jugendliche.“
Von einem Tatzusammenhang im eigentlichen Sinne könne nicht gesprochen werden. „Einen klaren Zusammenhang gibt es nur dann, wenn eine genau gleiche Gruppe an den Taten beteiligt wäre“, sagt Temmen. Dass jedoch Einzelpersonen an mehreren der Vorfälle beteiligt waren, sei laut aktuellem Ermittlungsstand möglich.
Warum sind die Ermittlungen so kompliziert?
Bei Jugendlichen sind Ermittlungen deutlich schwieriger, erklärt Svenia Temmen. „Wir können nicht so Klartext reden wie bei Erwachsenen und müssen sensibler vorgehen“, sagt die Polizeisprecherin. Die potenziellen Täter hätten ihr ganzes Leben noch vor sich, das solle durch einzelne Zwischenfälle nicht gleich verpfuscht werden. „Daher stehen junge Menschen bei Straftaten unter besonderem Schutz und die Polizei geht mit den Daten sehr vorsichtig um“, so Temmen.
Zudem zögen die Ermittlungen sich dadurch in die Länge, dass bei den Verhören mindestens ein Erziehungsberechtigter anwesend sein müsse, „besser noch beide Eltern“. Dafür einen Termin zu finden, dauere oft sehr lange. Bis endgültig feststeht, wer an welchen Vorfällen beteiligt war, könnte es also noch eine Weile dauern.
Jugendliche schlagen und treten Radfahrer in Leer
Schlägerei zwischen rund 20 Jugendlichen gemeldet
Polizei fahndet in Leer nach Beteiligten einer Schlägerei
Jugendliche greifen Mann in Leer an – Video kursiert im Netz