Touristiker reagieren Abgeschleppter Radtourist bringt Pannenhilfe ins Rollen
Im Juni musste ein Radfahrer per Laster aus Wiesmoor abgeschleppt werden, weil seine Panne nicht repariert werden konnte. Touristiker haben darauf reagiert – und hecken spannende Neuerungen aus.
Wiesmoor - Diese Panne hat Steine ins Rollen gebracht: An einem Sonntag Ende Juni war es, da brachen Martin Tomath aus Fröndenberg/Ruhr zwei Speichen, als er die Fehnroute abradelnd im Wiesmoorer Stadtteil Wilhelmsfehn II unterwegs war. Tags drauf wollte er die Speichen tauschen lassen, suchte im Netz, fand in Wiesmoor zwei Fahrradläden: Beide haben montags aber Ruhetag. Bei Recherchen im Netz fand er weitere Fahrradläden im Umkreis, teils aber ohne Telefonnummern und Öffnungszeiten, teils, so sagt er, erreichte er sie und bekam die Antwort, man sei überlastet und könne so schnell nicht Abhilfe leisten. Am Ende ließ er sich vom ADAC auf einem Autotransporter abschleppen.
Thomat sagte seinerzeit: „Mich wundert schon, wenn in Ostfriesland so mit Radtourismus geworben wird, wie wenig Infrastruktur es dafür zu geben scheint. In meiner Heimat, am Ruhrtal-Radweg, stehen alle paar Kilometer Schilder, auf denen die nächsten Fahrradwerkstätten beschrieben sind. Das finde ich touristenfreundlich. Es gibt Pauschalangebote, bei denen man im Pannenfall zur nächsten Werkstatt gebracht wird. Und auch ein Überblick, nicht nur mit allen Werkstätten, sondern auch allen Öffnungstagen, wäre auch ein guter Service. Da ist man in Ostfriesland zum Teil schon auf sich allein gestellt.“ Er wolle niemandem daraus einen Vorwurf machen. „Aber es fällt auf. Und es ist hier ja schon auch so ländlich, dass man völlig verständlich seltener und weniger Fahrradläden entlang der Strecke findet als in städtischen Gegenden.“
Werkstatt-Datenbank soll aktualisiert werden
Die Hinweise nun haben insbesondere Imke Wemken, die Geschäftsführerin der Ostfriesland-Tourismus GmbH (OTG), bewegt mit der Frage, wie sich die Region radtouristisch besser aufstellen kann. „Dass Touristen, die eine Panne haben, sich auf sich allein gestellt fühlen, dürfen wir nicht auf uns sitzen lassen“, sagt sie. Gleich Anfang Juli habe sie im Arbeitskreis Radtourismus unter den rund 50 ostfriesischen Mitgliedskommunen die Bitte geäußert, dass jede der Gemeinden für sich noch einmal die ortsansässigen Fahrradwerkstätten überprüft „und die Infos aktualisiert und ergänzt, auch um die Punkte, welchen Service die Firmen bieten, und um Orte, an denen es E-Bike-Ladesäulen gibt, etwa – denn die Grundlage dafür, dass Touristen sich gut betreut fühlen und zurechtfinden, ist ja auch, dass die Daten gut gepflegt sind“, sagt sie.
Nun brauchte man auch auf der Seite der OTG schon ein gewisses detektivisches Gespür, um die Radwerkstatt-Infos überhaupt zu finden. „Auch das bereiten wir neu auf und wollen es besser sichtbar und leichter auffindbar präsentieren“, sagt Wemken.
Mehr Hilfe und Angebote über QR-Codes?
Doch das ist eher Beiwerk zu den eigentlichen, weit umfassenderen Neuerungen, die die Touristiker zumindest ins Auge gefasst haben und deren Machbarkeit jetzt diskutiert wird: „Gäste sollen grundsätzlich einfach und unkompliziert erfahren können, was es in ihrer Nähe gibt“, sagt Wemken. Die angestoßene Idee ist, dass dafür Schilder mit QR-Codes an den Knotenpunkten des Radwegenetzes montiert werden. „Mithilfe einer App, die die Geodaten mit den Infos in unserer Datenbank abgleicht, sollen die Touristen dann die für sich und ihren Standort passenden Infos ausgespielt bekommen“.
Könnte dazu eventuell gehören, welche Radwerkstatt in ihrer Nähe liegt, wie die zu erreichen und kontaktieren ist – vielleicht aber auch, welche Restaurants oder Cafés für die nächste Rast im Umkreis erreichbar sind, wo es eine Apotheke gibt? „Es ist noch viel zu früh, konkret darüber zu sprechen, denn wir stehen da noch am Anfang, aber die Ideen sind vielversprechend“, gibt sich Wemken vorerst noch vage.
Servicehotline für Gestrandete
Doch damit nicht genug: „Wir wollen auch eine Servicehotline einrichten für Radfahrer, die Pannen erleiden“, sagt Wemken. „Es gibt inzwischen ja auch zahlreiche Anbieter von Versicherungen oder Leihrädern, die über Schutzbriefe oder andere Abmachungen Mobilitätsgarantien anbieten. Da haben wir uns schlau gemacht. Und sowohl zu den aktualisierten Werkstattdaten wie auch zu diesen Versicherungsangeboten sollen Gäste demnächst an die Hand genommen werden. Mitarbeiter einer solchen Hotline könnten ihnen dann bei Bedarf übers Telefon durch Rückfragen zu möglichen Rad-Anbietern und Versicherern auch Hilfestellung geben, an wen sie sich wenden können, um ihr Rad abholen zu lassen – oder wo sie es reparieren lassen können.“ Generell gelte: „Wir machen uns auf den Weg, um Dinge besser zu machen – und Touristen ein Rundum-sorglos-Paket bieten zu können“, sagt Wemken. „Und dieser Fall zeigt, wie wichtig dafür auch Hinweise von Gästen sind, die uns auf die richtigen und wichtigen Punkte hinweisen, wo wir noch besser werden können.“
Tomath selbst zeigt sich beeindruckt und sagt: „Ich finde wirklich toll, wie ernst hier die freundlich gemeinten Hinweise auch genommen werden. Und die Ideen, die sich da jetzt entwickeln, klingen spannend und können ein guter Schritt nach vorne sein.“