Hopkes macht dicht So geht es den Hofläden in Ostfriesland – Landwirte berichten
Enno Hopkes schließt seinen Hofladen in Veenhusen. Er sehe keine Perspektive für die nächsten Jahre. Wir haben auch mit anderen Hofläden im Landkreis gesprochen.
Veenhusen - Die Türen von Hopkes Hofladen in Veenhusen werden am 28. Oktober dieses Jahres endgültig geschlossen. Das teilte Enno Hopkes seinen Kundinnen und Kunden auf der Facebook-Seite des Hofladens mit – und erhielt traurige Reaktionen. „Wieder ein gutes Geschäft mit guten Produkten weniger auf dem Veen“, schreibt zum Beispiel ein Kunde. Wir haben mit Enno Hopkes gesprochen. Was sind seine Beweggründe? Mit welchen Schwierigkeiten sehen sich regionale Läden konfrontiert?
Was und warum
Darum geht es: Enno Hopkes schließt seinen Hofladen in Veenhusen. Wir haben mit ihm über die Gründe gesprochen und auch bei anderen Hofladen der Region nachgefragt, ob und inwiefern es Schwierigkeiten gibt.
Vor allem interessant für: alle, die regionale Lebensmittel einkaufen
Deshalb berichten wir: Wir haben von der Schließung des Hofladens von Enno Hopkes erfahren. Die Autorin erreichen Sie unter: d.cordes@zgo.de
Seit über 30 Jahren arbeitet der 60-Jährige in der Direktvermarktung, seit 17 Jahren gibt es den Hofladen. „Ich habe immer gerne einen Hofladen betrieben“, sagt Hopkes. Aber: „Ich sehe keine Perspektive für die nächsten Jahre, das wird noch schlimmer“, so der Landwirt aus Bunde. Ein starker Grund für die Entscheidung zu schließen, seien die steigenden Preise unter anderem für Produktion, Lohn oder Energie gewesen.
Steigende Kosten auch für Hofläden
„Alle schreien ‚Regionalität‘ und ‚Tierwohl‘“, sagt der 60-Jährige, aber es seien zu wenige Kundinnen und Kunden da. Die ältere Generation sei treu geblieben und „habe akzeptiert, dass die Preise hochgegangen sind“. Er habe aber Verständnis dafür, wenn man es sich nicht anders leisten könne. Die Preise im Hofladen seien auf einem ähnlichen Preisniveau wie Supermärkte, zum Beispiel Combi oder Edeka. „Die Umsätze sind seit Corona und der Inflation um 50 Prozent zusammengebrochen“, erzählt der 60-Jährige. Das könne er nicht mehr auffangen – und am Ende bliebe nichts mehr übrig. „Und nur für den Spaß möchte ich auch nicht arbeiten.“
Die Lebensmittelpreise könnten noch mehr steigen, sich sogar verdoppeln, so Enno Hopkes. „Große Konzerne drücken bei den Lieferanten die Preise runter“, sagt er. Hopkes kenne viele Gemüseanbaubetriebe in Schleswig-Holstein, die zu den Preisen, wie sie jetzt sind, nicht mehr produzieren können. „Deutschland muss sich auf etwas einstellen“, sagt der Landwirt. Es sei nicht mehr weit hin, dann gebe es kein regionales Gemüse mehr in den Läden, meint er. Cornelis Vermue vom Hofladen Vermue in Bunde sieht das in einem Punkt ähnlich. „Wenn die Lohnkosten noch mehr steigen, werden auch die Preise weiter steigen.“ Seine Kundschaft sei nach Corona nicht merklich weniger geworden. „Wir sind nicht unbedingt teurer als Discounter“, so Vermue. Aber: „Beim Discounter bekommt man alles, auch die Zahnbürste.“ Die Kundinnen und Kunden müssten dann nicht extra fahren.
Hedda und Heiko Freese betreiben einen Hofladen in Rhauderfehn und den Biolandhof-Laden in Leer. Schließen wollen sie ihre Läden nicht, eher im Gegenteil. „Wir wollen den Hofladen in Rhauderfehn erweitern“, so Heiko Freese.„Klar, aktuell merken wir eine Kaufzurückhaltung aufgrund der gestiegenen Preise“, so Hedda Freese. Aber: Die eigenen Stammkunden bleiben ihnen erhalten, so das Ehepaar, und nehmen auch den Saisonwechsel gut mit. Aber auch die gestiegenen Energiepreise und Lohnkosten gehen nicht an ihnen vorbei: „Es ist schon so, dass viele Betriebe betroffen sind – wir auch.“
Bürokratie mache viel Arbeit
Ein weiterer Grund für die Schließung von Hopkes Hofladen war die immer zeitraubender werdende Bürokratie, sowohl in der Produktion als auch im Verkauf. „Wenn zwei Leute produzieren, kann man einen einstellen, der schreibt“, sagt er überspitzt. Sei in der Marmelade ein Milligramm zu viel Zucker, werde das bei Kontrollen geahndet. Nährwertangaben bei selbstgemachtem Essen seien schwierig umzusetzen, da in einer Kelle auch mal mehr von dem einem Gemüse als von dem anderen drin sein könne. Das würde dann auch bei Kontrollen negativ ausfallen. „Die finden dann sowieso irgendetwas“, so Hopkes.
Das eine Amt erzähle was von Plastikeinsparungen und das andere möchte dann, dass die Plastikverpackung bei Wurst und Käse dicker werde: „Was soll der Quatsch denn noch?“, so Hopkes. Auch die Auflagen seien immer strenger geworden. Das Finanzamt habe neue Kassen verlangt, 8000 Euro soll das gekostet haben – obwohl die alten noch gut waren. „Es ist sehr arbeitsintensiv“, sagt auch Cornelis Vermue vom Hofladen Vermue. Aber er findet: „Es ist noch zu überblicken.“ Die Kontrollen des Lebensmittelmarkts würden sich in Grenzen halten. Generell gebe es in Deutschland hohe Standards. „Es sind schon hohe Auflagen einzuhalten“, sagt Heiko Freese vom Biolandhof Freese, gestiegen seien sie in den letzten Jahren aber nicht. „Wir sind das gewohnt“, sagt Heiko Freese. „Das gehört halt dazu“, ergänzt seine Frau. Sie bieten ihre Lebensmittel in Bio-Qualität an und werden auch daraufhin kontrolliert.
Seit Ende September ist der Hofladen von Enno Hopkes nur noch mit verkürzten Zeiten geöffnet, bis es dann am 28. Oktober ganz zu Ende ist. Dienstags bis freitags ist der Laden von 9 bis 14 Uhr und sonnabends von 9 bis 12 Uhr geöffnet. „Es war eine schöne Zeit in Veenhusen“, so Hopkes, „ich wollte sie nicht missen.“
Martina Busse, Geschäftsführerin von Hof Hopkes, möchte klarstellen, dass ihr Laden in Oldenburg nicht schließen wird.