ADFC-Foto des Monats Darum wird die Auricher Fahrrad-Zählstelle auf Facebook verhöhnt
An der Ostertorkreuzung in Aurich steht neuerdings ein Fahrradzählgerät. Was der ADFC in seiner Aktion „Foto des Monats“ feiert, wird von Facebook-Nutzern als Geldverschwendung geschmäht.
Aurich - Blockierte Durchfahrten, unsinnige Schilder, marode Wege: Mit dem „Foto des Monats“ weist der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Aurich auf Missstände beim Thema Radverkehr hin. Aber auch positive Beispiele sollen mit der Initiative, die diese Zeitung journalistisch begleitet, dargestellt werden. Der ADFC möchte damit der öffentlichen Debatte über eine bessere Fuß- und Radverkehrs-Infrastruktur Impulse geben und zu Verbesserungen beitragen.
Das Foto des Monats Oktober zeigt eine graue Säule mit blauem Display, ein Fahrradzählgerät, das seit einigen Wochen an der Ostertorkreuzung in Aurich steht. Es handelt sich um die erste dauerhafte Fahrradzählstelle in der Stadt. Sie registriert per Induktionsschleife unter dem Pflaster alle Radfahrer, die das westliche Ende der Fockenbollwerkstraße passieren.
Vorschlag aus dem Masterplan Radverkehr
Der Standort ist nicht von ungefähr gewählt: Die Fockenbollwerkstraße ist auch für Zweiräder eine wichtige Verbindungsstraße. Es handelt es sich um die am meisten von Fahrrädern genutzte Straße Aurichs. Sie ist trotz der umfangreichen Bauarbeiten für den Radverkehr weiterhin in beide Richtungen befahrbar. Ob sich die Arbeiten dennoch auf die Nutzungsfrequenz auswirken, das wird die Messung mit dem Zählgerät zeigen.
Der Einsatz von Fahrradzählgeräten wird im Masterplan Radverkehr 2030 empfohlen, den der Auricher Rat 2019 beschlossen hat. Damit könne man den Radverkehr sichtbar machen, heißt es im Endbericht des Masterplans. Dies trage zur Akzeptanz und zu einem positiven Image bei. „Der ADFC Aurich begrüßt es sehr, dass die Stadt Aurich mit dem Aufstellen des Fahrradzählgerätes einen weiteren Vorschlag aus dem Masterplan aufgegriffen und umgesetzt hat“, heißt es im ADFC-Text zum Foto des Monats. „Die Anzahl der Fahrräder je Tag und die Gesamtanzahl werden öffentlich angezeigt. Damit wird das ganze Ausmaß des Radverkehrs deutlich und man kann Rückschlüsse auf seinen Verkehrsanteil in Aurich ziehen.“ Bisher sei das Radverkehrsaufkommen nur stichpunktartig erfasst worden.
„Nun kriegt euch mal wieder ein“
Der ADFC knüpft an den Betrieb der Zählstelle Erwartungen: Verkehrsbehörden sollten die erfassten Daten als Grundlage für künftige Planungen nutzen, damit der Radverkehr stärker berücksichtigt werde. Die Radverkehrsinfrastruktur in Aurich müsse deutlich ausgebaut werden, fordert der ADFC: „Damit die im Masterplan vorgesehene Verdoppelung des Radverkehrs bis 2030 nicht ausgebremst wird.“
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Diese Zeitung hatte bereits kurz nach der Inbetriebnahme im September über die neue Zählstelle berichtet, die sich die Stadt rund 25.000 Euro kosten lässt. Auf Facebook gab es dazu 42 Kommentare – fast ausschließlich negative. Viele der Kommentatoren betrachten die Investition als rausgeworfenes Geld. Sie schreiben beispielsweise: „Nun kriegt euch mal so langsam wieder ein mit eurem Fahrradhype“, „Als wenn so eine Geldverschwendung die Leute aufs Rad bringt“ oder „Wir sollten künftig auch Autos, Pferdegespanne und vorbeiziehende Elefanten zählen“. Ein Nutzer hält dagegen. Er schreibt: „Verkehrszählungen gab es schon immer. Dies ist notwendig, um den Ausbau von Straßen, Radwegen und so weiter zu planen.“