Gegen rechte Tendenzen „Omas gegen Rechts“ erheben Stimme in Ost-Friesland
In Wittmund gründet sich eine Regionalgruppe. Sie plant ihr Engagement durch Demonstrationen, Aufklärung und Solidarisierung bei rechten Umtrieben.
Wittmund/Ostfriesland - „Nächster-Umfrage-Knall: AfD im Westen erstmals über 20 Prozent.“ Es sind solche Meldungen, die Jutta Cremer schon lange keine Ruhe mehr lassen. „Jetzt muss etwas passieren, und zwar nicht im stillen Kämmerlein“, sagte sich die Carolinensielerin. Sie suchte und fand Mitstreiterinnen, ältere Frauen in ihrem Umfeld, die ebenso denken: Man müsse ein Zeichen setzen gegen zunehmende rechte Tendenzen. Die Frauen knüpften Kontakt zur Gruppe „Omas gegen Rechts“ in Emden, die sich schon seit November 2019 in den politischen Diskurs einmischt. Jetzt will diese überparteiliche Organisation in ganz Ostfriesland/Friesland aktiv werden. Der erste Schritt ist getan.
Im Wittmunder Bürgerbüro legten rund 15 politisch Engagierte jetzt den Grundstein für die Gruppe „Omas gegen Rechts Ost-Friesland“. Zu den Initiatorinnen gehören außer Jutta Cremer und Roswita Mandel (Wittmund) auch Hilde Pitters und Gabriele Ochoa-Frenz, die vor vier Jahren die „Omas gegen Rechts“ in Emden ins Leben riefen und Erfahrung mitbringen. „Wir wollen weitere Gruppen bilden, an Demos teilnehmen, uns gegen die radikalen Rechten positionieren, ein Netzwerk aufbauen“, sagt Pitters. Dazu brauche es eine starke Bewegung, gerade in der älteren Generation. „Alt sein heißt nicht stumm sein“, sagt Pitters. Diese Generation wisse aus den Erzählungen ihrer Eltern, was Rechtsradikalismus, Ausgrenzung, politische Aggression und Krieg bedeuten. „Unsere Enkelkinder sollen ein gutes Leben haben“, so die „Omas gegen Rechts“.
Politik der Bundesregierung werde oft bewusst negativ dargestellt
Die Ursachen für die Zuwächse am rechten politischen Rand werden unterschiedlich bewertet. Die allgemeine Verunsicherung der Bürger, hervorgerufen durch den Ukraine-Krieg, Corona, die weiter aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich, Versäumnisse aus den vergangenen 20 Jahren, Steuerungerechtigkeit und Mängel in der Sozialarbeit werden genannt. Aber auch bewusste Desinformationen zur Migrationspolitik, zur Klimapolitik, zum Gendern, das Schüren von Ängsten. Die Politik der Bundesregierung werde oft bewusst negativ dargestellt, dadurch fühlten sich viele Bürger nicht mitgenommen. „Diese Regierung besteht aus drei Parteien und hat schon eine Menge geschafft“, setzt Pitters dagegen. Das gehe leider oft unter – Rechtspopulisten nutzten diese negative Stimmung für ihre Interessen aus.
Die rechte Szene versuche in jüngster Zeit verstärkt, sich in Ostfriesland anzusiedeln. Das Konzert mit Neonazi-Bands unlängst in der Krummhörn wird als ein Beispiel genannt. Die „Omas gegen Rechts“ unterstützten die dortige Bürgerinitiative bei ihren Protestaktionen. Wo immer sich solche rechten Umtriebe abzeichneten, werde man sich dagegen solidarisieren, demonstrieren, aufklären. Das sehen die „Omas gegen Rechts“ als ihre Hauptaufgaben: sich austauschen, wann immer rechte Tendenzen sichtbar werden.
Bewegung entwickelte sich 2017 aus einer Facebook-Gruppe
Die Bewegung „Omas gegen Rechts“ entwickelte sich 2017 aus einer Facebook-Gruppe in Österreich. In wenigen Jahren wurde daraus eine breite Bewegung über die Grenzen hinweg. Inzwischen gibt es Hunderte regionaler Gruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Einige der Frauen sind im Alter das erste Mal politisch aktiv.
Übrigens: Beim Treffen in Wittmund waren auch einige Männer dabei. Auch „Opas gegen Rechts“ sind also willkommen. Kontakt ist möglich unter E-Mail: omasgegenrechts.WTMFrie@gmx.de; Ansprechpartnerinnen sind Jutta Cremer und Roswita Mandel.