Verfallene Häuser  Hof-Ruine in Theene – „Schickt einfach die Bagger“

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 29.09.2023 19:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Hof-Ruine neben dem Stall von Johann Ockinga in Theene ist in Bewegung geraten. Foto: Böning
Die Hof-Ruine neben dem Stall von Johann Ockinga in Theene ist in Bewegung geraten. Foto: Böning
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Beim Resthof in Theene, der direkt neben einem genutzten Stall verfällt, tut sich etwas. Aber nicht so, wie es der Nachbar erwartet hat. Was kann man gegen Ruinen in der Nachbarschaft unternehmen?

Südbrookmerland - Es ist Bewegung in die Sache gekommen. Soviel kann Johann Ockinga sagen. Wenn auch nicht so, wie er sich erhofft hat. Der Landwirt kämpft in Theene dafür, dass jemand ihn und seine Sorgen bezüglich des verfallenen Resthofs ernst nimmt. Das Problem: Der Stall seines Milchviehbetriebs liegt nur eine Wegbreite von der Ruine entfernt.

Was und warum

Darum geht es: In Theene steht ein verfallener Hof neben einem neuen Kuhstall. Der betroffene Landwirt hat wegen der für seinen Betrieb drohenden Gefahren den Landkreis informiert – doch der sieht keinen Grund zu handeln.

Vor allem interessant für: Menschen mit ähnlichen Ruinen in der Nachbarschaft und Ruinenbesitzer

Deshalb berichten wir: Es tut sich etwas bei der Hof-Ruine und bald müssen die Kühe in den Stall.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Die beim Landkreis angesiedelte Untere Bauaufsichtsbehörde sieht trotzdem keine Gefährdung. Dass das Haus „unter Getöse zusammenbricht. So etwas passiert tatsächlich nur sehr selten“, heißt es dort. Die Behörde hatte die in Freiburg lebende Eigentümerin lediglich ermahnt, die Zugänge zum Haus zu versperren. Das sei in der vergangenen Woche auch passiert, bestätigt Ockinga und schickt ein Foto der mit Balken und Latten zugenagelten abgängigen Scheunentür.

Auch das Haus bewegt sich weiter

Allerdings sei das nicht das Einzige, was in Bewegung geraten sei, so der Landwirt. Er hat das Gefühl, neben einer tickenden Zeitbombe zu leben. Nachdem bereits der mit Reet gedeckte obere Teil des Daches eingestürzt ist, verfällt der Bau immer weiter. Ockinga schickt Bilder der inzwischen fehlenden Fensterstürze. Die Lücken, die sie gerissen haben, sind neu. Darüber hängen die Dachbalken mit den Ziegeln im Leeren. Die Außenwände neigen sich.

Das Haus verfällt immer mehr. Inzwischen brechen die Fensterstürze weg und das Dach hängt in der Luft. Foto: Privat
Das Haus verfällt immer mehr. Inzwischen brechen die Fensterstürze weg und das Dach hängt in der Luft. Foto: Privat

„Es sieht so aus, als würde bald auch das restliche Dach nachkommen“, sagt Ockinga. Momentan sind seine Milchkühe nur zum Melken im Stall. „Aber bald steht das Aufstallen an“, sagt der Landwirt. Dann lebt er in der ständigen Sorge, dass das Gebäude mit einem großen Rums zusammenstürzt. Was seinen Tieren im Fall einer Stallpanik alles passieren könnte, das möchte er sich lieber nicht ausmalen. Es scheint aber so, als bliebe ihm nichts anderes übrig, als abzuwarten und zu hoffen, dass das Gebäude leise einstürzt.

Landkreis bestätigt Absage an einen Neubau

Dass sich in der Nachbarschaft etwas ändern könnte, danach sieht es momentan nicht aus. Die Eigentümerin hatte zuletzt zu Beginn der Corona-Pandemie versucht, Haus und Grundstück zu verkaufen. Die Käufer wollten das Gebäude abreißen und ein Einfamilienhaus bauen. Der Landkreis bestätigt jetzt, dass die Bauvoranfrage nach einer Absage an diese Pläne zurückgezogen worden sei. Der Bau eines neuen Wohnhauses wäre nicht zulässig, heißt es aus der Behörde. So platze der Verkauf.

Johann Ockinga vor der Hofruine an der Forlitzer Straße in Theene (Südbrookmerland) – sie steht nur eine Wegbreite neben seinem Kuhstall. Foto: Böning
Johann Ockinga vor der Hofruine an der Forlitzer Straße in Theene (Südbrookmerland) – sie steht nur eine Wegbreite neben seinem Kuhstall. Foto: Böning

Es würde sich beim Neubau eines Wohnhauses um eine heranrückende Wohnbebauung an den bestehenden landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieb handeln, die die Entwicklung dieses Betriebs einschränken könnte, heißt es weiter: „Aufgrund der Nähe zum benachbarten Hof und der damit verbundenen Immissionssituation wäre für das neue Wohnhaus mit unzulässigen Geruchsimmissionen zu rechnen.“ Die einzige Möglichkeit sei, das vorhandene Haus zu sanieren, so die Pressestelle des Landkreises. Johann Ockinga fordert weiter wegen der drohenden Gefahr den sofortigen Abriss: „Schickt einfach die Bagger.“

Was können Anwohner gegen verfallene Häuser unternehmen?

Wo bekommt man Hilfe vor den Gefahren, die von einem verfallenen Haus ausgehen? Die Untere Bauaufsichtsbehörde wird bei einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit, für Leben und Gesundheit aktiv. Es besteht die Möglichkeit, der Unteren Bauaufsichtsbehörde eine Mitteilung zukommen zu lassen, sofern die Befürchtung besteht, dass von einem Objekt eine Gefährdung ausgeht.

Was passiert nach der Meldung des Gebäudes? Von verfallenen oder sich im Verfall befindlichen Gebäuden gehen nicht automatisch Gefährdungen aus. Insofern ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob ein bauaufsichtsbehördliches Einschreiten in Betracht kommt. Dann wird bei einer Ortsbesichtigung die Gefahrenlage eingeschätzt und gegebenenfalls ein bauaufsichtsbehördliches Verfahren eingeleitet.

Darf man ein Haus einfach verfallen lassen? Strafen oder Ordnungswidrigkeiten für den Verfall eines Gebäudes sind gesetzlich nicht vorgesehen. Die Eigentümer haben also das Recht, ein ungenutztes Gebäude verfallen zu lassen, solange sie damit niemanden gefährden.

Was ist, wenn denkmalgeschützte Gebäude verfallen? Eigentümer von Kulturdenkmalen sind gesetzlich verpflichtet, diese instand zu halten, zu pflegen, vor Gefährdung zu schützen und, wenn nötig, instand zu setzen. Sollte ein Eigentümer sein unter Denkmalschutz stehendes Objekt nicht entsprechend den gesetzlichen Vorgaben pflegen, kann die Untere Denkmalschutzbehörde auch Erhaltungsmaßnahmen verlangen oder anordnen.

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