Facit in Leer  Auf roten Wegen durch die Leeraner Innenstadt – der Selbsttest

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 28.09.2023 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Projekt Facit in der Leeraner Innenstadt ist fast abgeschlossen. Nikola Nording testet die Strecke. Foto: Ortgies
Das Projekt Facit in der Leeraner Innenstadt ist fast abgeschlossen. Nikola Nording testet die Strecke. Foto: Ortgies
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Der Radwegeausbau in der Leeraner Innenstadt ist fast abgeschlossen. Redakteurin Nikola Nording hat sich aufs Rad gesetzt und getestet, wie es sich fährt.

Leer - Sie sind nicht mehr zu übersehen: die roten Fahrradfahrstreifen in der Leeraner Innenstadt. Sie sind Teil des Projektes „Mit dem Fahrrad in der City“ – kurz Facit. Bevor es beschlossen wurde, wurde viel darüber gestritten. Jetzt können die Streifen, bis auf die Kreuzung Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße/Friesenstraße/Bahnhofsring, befahren werden. Ich habe den Test gemacht und mir angeschaut, wie sich die neue Strecke fährt.

Was und warum

Darum geht es: Über den fahrradfreundlichen Umbau der Innenstadt wurde viel diskutiert. Jetzt ist er fast fertig und Nikola Nording hat ihn getestet.

Vor allem interessant für: Menschen, die mit dem Rad in Leer unterwegs sind

Deshalb berichten wir: Das Thema ist in der Stadt nach wie vor umstritten.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Los geht es an der Ecke Augustenstraße/Friesenstraße. Gerade beim Übergang von der Augustenstraße, auf der Radfahrer zwischen einem ruckeligen Radweg und dem Fahren auf der Straße wählen können, ist der Facit-Streifen ein Vorteil. Durch die durchgezogene Linie und die rote Farbe ist für alle Verkehrsteilnehmer klar, wer wo fahren darf. Als Radfahrerin finde ich die Streifen daher ziemlich klasse. Als Autofahrerin gebe ich zu, dass die Ecke unübersichtlicher geworden ist. Da ist noch mehr Aufmerksamkeit gefordert.

Bummert ist ein Licht- und Farbspektakel

Ich fahre also auf der Friesenstraße vorbei am Kreishaus in Richtung Bummert. Die verkehrsreiche Kreuzung ist mit dem Umbau und der Facit-Umgestaltung zum echten Farb- und Lichterspiel geworden. Es gibt zahlreiche Ampeln für Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger, die auch noch unterschiedlich geschaltet sind. Von der Friesenstraße kommend, ist es für mich allerdings klar. Ich stehe an der Radfahrampel, die bequem auf meiner Sichthöhe angebracht wurde, und warte. Eine Busfahrerin sieht mich an der Ampel warten und schließt wohl daraus, dass unser Fotograf Klaus Ortgies Fotos von mir macht, dass ich von der Zeitung bin. Sie öffnet die Tür und ruft raus, dass die roten Streifen besser eine Busfahrspur geworden wären, als eine Spur für Radfahrer. „Auch eine Meinung“, denke ich.

Der Bummert ist eine farbliche Herausforderung. Für Radfahrer gibt es aber durchaus Vorteile. Foto: Ortgies
Der Bummert ist eine farbliche Herausforderung. Für Radfahrer gibt es aber durchaus Vorteile. Foto: Ortgies

Klar kann ich verstehen, dass es für die Busse in der schmalen Einbahnstraße nicht leichter geworden ist. Wenn ich mir allerdings den bisherigen Radweg an der Friesenstraße anschaue, ist eine Fahrt darauf auch nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. In den Einfahrten geht es hoch und runter, die Pflasterung ist löchrig und der Platz für Fußgänger und Radfahrer sehr begrenzt. Hier gilt übrigens auch das Rechtsfahrgebot: Wer vom Bummert in Richtung Bahnhof fährt, muss den schlechteren Radweg nehmen und kann nicht als Geisterradler auf dem neuen Fahrstreifen unterwegs sein.

Ruckelige Heisfelder Straße

Während ich mit meinem Rad zügig durch die Friesenstraße auf glattem Asphalt fahren kann, wäre ich auf dem Radweg ständig damit beschäftigt, Fußgänger zu umfahren, aufzupassen, dass aus den Einfahrten niemand rausfährt und mich umfährt und ich bei der ruckeligen Strecke nicht das Gleichgewicht verliere. Alles machbar, aber die neue Strecke gefällt mir eindeutig besser.

Am Bummert wird es grün und ich biege auf die Heisfelder Straße ab. Dort wird es ruckelig: Die Fahrradstrecke ist hier nämlich auf den alten Parkplätzen entstanden. Das Stück bis zum Ostersteg ist allerdings kurz und breit genug ist der Bereich auch.

Fahrspaß am Ostersteg

Auf dem Ostersteg beginnt für mich der richtige Fahrspaß mit Facit. Die roten Streifen sind schön breit und glatt geteert. Ich kann langsam fahrende Radfahrer bequem überholen, ohne dass die Autofahrer neben mir Sorge haben müssen, dass ich auf ihre Fahrbahn ausweiche. Der Verkehr läuft flüssig – aus meiner Sicht für alle Beteiligten. Die Stadt weist allerdings auch darauf hin, dass die roten Streifen von Radfahrern zwingend genutzt werden müssen. Auf dem Bürgersteig dürfen Radler nun nicht mehr fahren.

In der Baustelle Kreuzung Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße/Friesenstraße/Bahnhofsring ist die Regelung für Radfahrer unübersichtlich. Foto: Ortgies
In der Baustelle Kreuzung Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße/Friesenstraße/Bahnhofsring ist die Regelung für Radfahrer unübersichtlich. Foto: Ortgies

In Höhe der Sparkasse werden die Radfahrer an einer Station gezählt – auch das funktioniert. Stoppen können mich auf der Strecke nur die Fußgänger. Die haben nämlich bei den Zebrastreifen weiterhin den Vortritt, also warte ich, bis ein Passant die Straße überquert hat und weiter geht es.

Baustelle erschwert Durchkommen

Unübersichtlich wird es an der Kreuzung Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße/Friesenstraße/Bahnhofsring. Bis zum Leffers-Parkplatz komme ich mit dem Fahrrad, dann wird es unübersichtlicher. Ganz klar ist die Verkehrsführung offenbar derzeit nicht, denn während ich dort stehe und mir einen Überblick verschaffe, nehmen Radfahrer den Zebrastreifen, fahren auf der Straße, überqueren den Leffers-Parkplatz oder ignorieren sogar die Baustellen-Barken und durchqueren die Baustelle. Ich nehme den Zebrastreifen und beende meine Runde wieder an der Ecke Augustenstraße.

Fazit

Der fahrradfreundliche Umbau der Leeraner Innenstadt ist weiterhin umstritten. Die Meinungen gehen weit auseinander. Für Autofahrer ist der Umbau sicher eine Herausforderung, gerade große Gefährte wie Busse und Lastwagen haben es jetzt schwerer. Die roten Streifen fallen zudem sofort ins Auge und wirken – gerade an Stellen wie dem Bummert – zunächst überfordernd. Als Radfahrerin finde ich trotzdem, dass sich der Umbau der Innenstadt gelohnt hat.

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