Die große Überfahrt Vorfreude auf Kurbelfähre am Fehntjer Tief wächst
Mit dem Genehmigungsantrag rückt der Bau einer Überquerung des Tiefs zwischen Moormerland und Ihlow näher. Aber ob bereits nächstes Jahr gekurbelt werden kann, ist offen.
Tergast/Simonswolde - Seit der ersten Idee für eine einfache Überquerungsmöglichkeit für Radfahrer von Moormerland nach Ihlow ist bereits viel Wasser das Fehntjer Tief herabgeflossen. Aber nun wird das Projekt nach Jahrzehnten des Planens greifbarer: Die Gemeinden haben die wasserrechtliche Genehmigung beantragt.
Was und warum
Darum geht es: Die seit Jahrzehnten geplante Kurbelfähre am Fehntjer Tief könnte tatsächlich bald gebaut werden.
Vor allem interessant für: Menschen, die gerne mit dem Fahrrad zwischen den Gemeinden Ihlow und Moormerland hin und her fahren möchten
Deshalb berichten wir: Die Gemeinden haben jetzt den Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung gestellt. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Während Annette Lang, Bauamtsleiterin der Gemeinde Ihlow, sich mit dem Satz, „die Fachleute werden ihr möglichstes tun, denn alle wollen jetzt zu einem glücklichen Ende kommen“, eher vorsichtig äußert, sagt der Moormerländer Bürgermeister Hendrik Schulz (SPD) entschlossen: „Wenn es genehmigt ist, dann sind wir durch.“ Ob es dazu kommt, liegt nun in den Händen der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Aurich.
Eine lange Geschichte
Bereits im Jahr 2018 hatten die beiden Gemeinden Ihlow und Moormerland mit einem Vertrag die Absicht bekräftigt, eine Kurbelfähre an der Ippenwarf zu bauen. Dort befand sich bis Mitte des vorigen Jahrhunderts eine kleine Fähre, mit der Arbeiter von Simonswolder Seite übersetzten, um zur Ziegelei in Tergast zu gelangen. Bei der Vertragsunterzeichnung war der Leeraner Landrat Matthias Groote anwesend – und Annette Lang. „Wir haben uns untereinander abgestimmt, die beiden Gemeinden und die beiden Landkreise“, sagt sie.
Dennoch verstrichen weitere fünf Jahre, bis jetzt der Antrag auf Genehmigung gestellt werden konnte. Weder Johann Börgmann, damals Bürgermeister von Ihlow, noch Bettina Stöhr, damals Bürgermeisterin von Moormerland, die damals den Vertrag unterschrieben, sind noch im Amt. Allerdings, das machte Lang nun deutlich, sei die Planung am Fehntjer Tief wegen des Schutzgebietes nicht einfach, zudem gelten für das Gewässer andere Bedingungen als für einen Bau an Land.
Verfahren wie bei Baugenehmigung
Tatsächlich war lange nach einem Büro gesucht worden, das die wasserrechtliche Genehmigung vorbereiten könnte. Am Ende sprang der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in die Bresche. „Wir haben Anregungen von allen Seiten aufgenommen und berücksichtigt“, sagt Lang, die den Antrag in der vergangenen Woche persönlich in Aurich bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises abgegeben hat. Das Verfahren ähnele dem für eine Baugenehmigung.
Vorgesehen ist nun eine einfache Kurbelfähre, wie es sie beispielsweise an der Holtlander Ehe oder am Großen Meer gibt. Wie Lang sagt, kann diese voraussichtlich in der Zeit zwischen Mitte April und Oktober von Fahrradfahrern und Wanderern genutzt werden. Der Hintergrund für diese Beschränkung ergibt sich zwar aus dem Naturschutz, aber es sei eigentlich die Zeit, in der Radtouren unternommen würden. Wie an der Holtlander Ehe soll die Kurbelfähre über den Winter aus dem Wasser genommen werden.
Vielleicht schon nächstes Jahr?
Dafür sei bereits eine Fläche auf Ihlower Seite vorgesehen. Die Familie, die den Hof dort bewohnt, stehe dem Projekt sehr positiv gegenüber. Es solle ein Weg am Hof vorbei zum Anleger führen, auf dem die Radfahrer vom öffentlichen Weg zu der Kurbelfähre gelangen können. Auf Moormerländer Seite müsse zusätzlich zum Steg eine Uferbefestigung erfolgen, weil dort die Straße direkt an der Anlegestelle vorbeiführt.
Lang will keine Einschätzung abgeben, wie lange es bis zur Genehmigung und zum Baubeginn dauern könnte. „Es könnten noch Ausgleichsmaßnahmen oder eine Beschränkung der Betriebsstunden gefordert werden“, sagt sie. Wenn alles gut geht, könnte im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden, glaubt hingegen Bürgermeister Hendrik Schulz. In Moormerland sind bereits Haushaltsmittel dafür eingeplant.
Mit einer kuriosen Aktion hatten Lokalpolitiker an der Ippenwarf im Sommer 2021 auf das heiß ersehnte Projekt aufmerksam gemacht. Mit einem Boot überquerten damals der heutige Ihlower Bürgermeister Arno Ulrichs sowie Focko Böden und Hermann Helmers aus Tergast das Fehntjer Tief – unter dem Applaus von Einwohnern. Die Idee zu der Überquerungsmöglichkeit geht auf die 90er Jahre zurück.
Standort immer wieder gewechselt
Damals hatten die Gemeinden Großefehn, Moormerland und Ihlow erstmals die Fahrradrallye „Van Dörp to Dörp“ ausgerichtet. 1993 war dafür ein Ponton bei der Leidsebrücke am Fehntjer Tief ausgelegt worden, um einen Rundkurs zwischen den drei Gemeinden herzustellen. Das kam so gut an, dass der Wunsch nach einer dauerhaften Verbindung aufkam. Zunächst war dafür die Stelle bei der Leidsebrücke ausersehen, doch dabei blieb es nicht.
2011 kaufte die Gemeinde Moormerland sogar ein Grundstück neben der Autobahn in der Nähe des Leidsweges – das Geld dafür hatte der CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Dieter Baumann gespendet. Der Kauf wurde später rückabgewickelt, denn aufgrund von Bedenken der Unteren Naturschutzbehörde musste dieser Standort aufgegeben werden.
In der Zwischenzeit wurde jährlich für „Van Dörp to Dörp“ eine Behelfslösung aufgebaut, auch diese wanderte von der Leidsebrücke inzwischen zur Ippenwarf. Nach mehreren Anläufen und intensiven Gesprächen zwischen den Gemeinden und den Landkreisen legte man sich vor rund zehn Jahren auf diesen historischen Platz fest. Wann die Teilnehmer der Rallye „Van Dörp to Dörp“ erstmals mit der neuen Kurbelfähre übersetzen können, wird man nun sehen.