Mehr Platz in „Mitte“ Nach Jahren der Planung kommen neue Gewerbeflächen in Großefehn
Seit Jahren möchten Firmen sich in Großefehn vergrößern. Nun schafft die Gemeinde dort neue Flächen – vonseiten der Wirtschaft hätte man sich das indes früher gewünscht.
Großefehn - Mehr Jobs vor Ort für die Menschen vor Ort, mehr Fläche für Unternehmen, die wachsen: Schon seit Längerem haben Unternehmer aus der Gemeinde Großefehn immer wieder im Bürgerhaus angefragt und sich erkundigt, ob und wo sie zusätzliche Areale zur Ansiedlung oder Vergrößerung ihrer Firmengelände finden könnten. „Es gibt viele gestandene Unternehmen, aber auch ganz junge Betriebe, die aus dem Fehntjer Gebiet kommen und hier gern wachsen wollen oder überhaupt einen Standort suchen“, sagt Carmen Kamanczyk, Vorsitzende des Gewerbevereins Großefehn. Zuletzt war das aber schwierig, weil es fast keine Flächen mehr gab. Darauf reagiert die Kommune an zwei Stellen im Gemeindegebiet, wenngleich später als zunächst geplant: Das bislang etwa 25 Hektar große Gewerbegebiet Großefehn-Mitte wird um eine Fläche von knapp zehn Hektar nach Nordwesten vergrößert, von denen gut die Hälfte von Unternehmen bebaut werden kann. Es ragt damit bis an den Weg Hooge Brinken und damit auch fast bis ans Gebiet der Materialkreislauf- und Kompostwirtschaft (MKW) der Abfallbetriebe des Landkreises Aurich heran. Den Aufstellungsbeschluss hatte der Verwaltungsausschuss bereits vor vier Jahren gefasst.
„Die entsprechende Änderung des Flächennutzungsplans ist auch schon beschlossen“, sagt Bürgermeister Erwin Adams (parteilos). Nun aber hat der Gemeinderat einstimmig auch die Erschließung des Gebiets durchgewinkt, die Straße ins Gebiet hinein benannt und als Gemeindestraße gewidmet. Der neue Weg soll Ambossstraße heißen. „Das passt thematisch zur Schmiedestraße, die durch den Großteil des Gewerbegebiets führt, und zur Dengelstraße, die das Gebiet an die Bundesstraße 72 anbindet“, sagt Adams.
Auch in Ulbargen soll bald etwas passieren
Adams sagt auch: „Wir haben allein aus dem Fehntjer Gebiet, aber auch aus dem Gewerbegebiet selbst seit Jahren schon eine große Nachfrage nach Flächen, der wir gerecht werden möchten.“ Insbesondere durch die personelle Aufstockung des Bauamtes, dessen zwischenzeitlich eigenständige Fachbereiche Bautechnik und Bauverwaltung nun unter der Führung des neu hinzugekommenen Amtsleiters Detlef Meyer mehr Tempo entwickeln soll und wird, wie Adams versichert.
Parallel laufen die Planungen dafür, die Fläche des aktuell etwa zwölf Hektar großen Gewerbegebiets in Ulbargen um 25 Hektar zu erweitern und damit sogar annähernd zu verdreifachen und in Richtung Spetzerfehn zu entwickeln. „Dort finalisieren wir im Moment die Bauleitplanung“, sagt Adams. Auch dort hat sich die Planung über lange Zeit hingezogen: Schon vor mehr als neun Jahren hatte die Gemeinde Großefehn ihre Pläne verkündet, das 2004 entwickelte Gewerbegebiet Ulbargen mehr als zu verdoppeln. Bereits 2014 hatte die Gemeinde dort 15 Hektar Land gekauft, nachdem das Gewerbe-Areal dort, wenige Hundert Meter östlich der Bundesstraße 72, anfänglich nur zögerlich angenommen worden war, weshalb der damalige Bürgermeister und heutige Landrat des Kreises Aurich, Olaf Meinen (parteilos), es seinerzeit als „Sorgenkind“ bezeichnet hatte. Längst sind dort alle Flächen verkauft, auch dort wollen Firmen expandieren.
Unternehmens-Chef sieht lange Planungszeiträume kritisch
Nicht für jedes Unternehmen kommen die jetzt in Gang gekommenen Planungen noch rechtzeitig. „Dass etwas in Großefehn passiert, ist sehr gut und richtig“, sagt Hartmut Schoon, Vorstandschef des Kunststoff-Recycling-Unternehmens Enneatech, auf Anfrage. „Es ist nur schwierig, wenn Planungszeiträume sich über solch lange Zeiträume erstrecken. Denn dann kann es passieren, dass Unternehmen gezwungen sind, sich woanders zu entwickeln, weil sie beispielsweise einen so deutlich steigenden Auftragseingang haben, dass die bisherige Zahl der Maschinen und der Platz dafür nicht mehr ausreichen. Und dass solche Unternehmen dann die Gemeinde verlassen und etwa ins Gewerbegebiet nach Aurich-Schirum wechseln, obwohl sie eigentlich gern geblieben wären.“ Es könne auch sonst passieren, dass Firmen sich neu orientierten. „Aber wenn man Potenzial verspielt, weil man zu lange braucht, ist es halt besonders schade. Und dann hat man Leerstand, der erst neu gefüllt werden muss, und dann bleibt die Frage, wie stark wachsen die Firmen – und wollen sie expandieren.“
An diesem Punkt sei in vielen Branchen momentan erstmal vorsichtige Zurückhaltung spürbar, nach Kostensteigerungen durch die Inflation seit dem Ukraine-Krieg, nach Mehraufwand bei der Finanzierung durch gestiegene Zinsen und zum Teil auch schwierigere Geschäfte durch inflationsbedingte Zurückhaltung bei den eigenen Kunden. „Ich bin fest davon überzeugt, dass das neue Gewerbegebiet angenommen wird, und das kommt ja auch nicht von heute auf morgen, da wird sich schon noch einiges tun. Die Entscheidung zu erweitern ist ein sehr gutes Signal für die hiesige Wirtschaft. Aus Unternehmersicht wären kürzere Planungshorizonte da aber auch schön“, sagt er.