Schleswig-Holstein  Klimafreundlicher Garten: So wird Ihr Garten fit für den Klimawandel

Mahé Crüsemann
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Von Mahé Crüsemann
| 25.09.2023 19:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Klimawandel ist auch im heimischen Garten angekommen. Wie also damit umgehen? Ein Experte gibt Tipps. Foto: dpa
Der Klimawandel ist auch im heimischen Garten angekommen. Wie also damit umgehen? Ein Experte gibt Tipps. Foto: dpa
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Trockene Sommer, milde Winter, Stürme und Starkregen: Auch unsere Gärten müssen durch den Klimawandel ganz schön was aushalten. Wie ein Garten aussieht, der fit für die Klimaveränderungen ist, erklärt ein Garten-Experte.

Der Herbst steht vor der Tür, der Sommer verabschiedet sich langsam. Das sei allerdings kein Grund, den Garten jetzt sich selbst zu überlassen, sagt Thomas Kleinworth, Geschäftsführer des Landesverbands der Kleingärtner. Er ist selber Gärtner und weiß, warum Klimaresilienz ganz oben auf der Liste von Hobbygärtnern stehen sollte, wenn es um die Gestaltung und Pflege geht.

Die Stauden sind verblüht, es stehen nur die trockenen Stängel auf den grünen Blättern, ein paar kleine Früchte oder Samen hängen noch dran. Meist heißt es spätestens dann: Gartenschere raus, alles fein säuberlich ab schnippeln und in die Biotonne oder zum Resthof damit. Wer aber der Natur und damit dem Klima einen Gefallen tun möchte, sollte das allerdings lassen, sagt Thomas Kleinworth. Denn das spare nicht nur das CO₂ für den Abtransport.

Den Schnitt der Stauden sollten Gärtner darum über den Herbst zumindest liegen lassen, so Kleinworth. „Es nisten in den toten Halmen der Pflanzen auch oft Insekten“, sagt er. Denen könne man das Schlüpfen im Frühjahr ermöglichen, „wenn man die Halme im Garten oder die ganze Pflanze über den Winter stehen lässt“, so der Garten-Experte.

Ein weiterer Gartenbewohner, der sich über etwas winterliche Unterstützung freut, ist der Igel. Im Herbst verlieren die Bäume ihr Laub, aber anstatt das auf dem Recyclinghof zu entsorgen, könne es aufgeschichtet als Unterschlupf für Igel im Garten verbleiben, sagt Kleinworth.

Auch um der Natur einen Gefallen zu tun, solle das anfallende Laub im Herbst nicht aus dem Garten heraus geschafft werden: „Als Kompost auf einem Haufen irgendwo in einer Ecke des Gartens oder direkt auf Beeten und unter Hecken als Mulch verteilt, kann das gebundene CO₂ dem Garten dann wieder als Nährstoff zugutekommen“, sagt er.

Bedecke Laub über den Winter den Boden, schaffe das außerdem ein feuchtes Mikroklima rund um die Wurzeln der Pflanzen. Trockenheit könne ihnen so weniger anhaben. „Und auch gegen Frost bietet Laub einen guten Schutz“, sagt er.

Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gibt auf seiner Website Tipps für einen klimafreundlichen Garten und weist darauf hin, dass der häufig verwendete Dünger Torf eigentlich nichts im Garten zu suchen hat: „Torf gehört ins Moor und nicht in den Garten“. Wer torffreie Erden nutze, helfe dabei, CO₂ einzusparen und Lebensräume für bedrohte Arten zu sichern, so der Nabu weiter.

Ein Boden, der oft Mulch bekommt und humusreich ist, ist besser gefeit vor den Folgen des Klimawandels. Mit Trockenheit, aber auch mit großen und plötzlich auftretenden Mengen an Wasser könne er besser umgehen, sagt Kleinworth.

Wer seinen Garten zusätzlich vor den Folgen von Hitze schützen wolle, sollte beim Bepflanzen auf Stauden und Sträucher setzen, die gut mit langen Trockenphasen umgehen können. „Pflanzen, deren Wurzeln tiefer reichen, haben bessere Chancen, die trockenen Sommer zu überleben, die uns jetzt immer öfter bevorstehen“, so Kleinworth.

Zwar seien viele Arten, die Trockenheit gut überlebten, keine heimischen Arten, die meisten kämen aus dem asiatischen Raum „und das ist die Krux an der Sache“, sagt er. Da gebe es aber einige Arten, die auch hier bei uns guten Gewissens pflanzbar seien. „Die meisten heimischen Gehölze kommen nicht sehr gut mit Dürre klar, mit klimaresistenten Arten ist man darum gut beraten.“

Um es auch dem Menschen selbst in seinem eigenen Garten im Sommer angenehm zu machen, empfiehlt Garten-Experte Thomas Kleinworth, Schattenplätze zu schaffen. „Wer mithilfe von Pflanzen dafür sorgt, dass es auch kühle Fleckchen im eigenen Garten gibt, muss nicht mit künstlichen Hilfsmitteln wie Sonnenschirmen nachhelfen.“

Wer es noch natürlicher möchte, dem empfiehlt der Nabu im Garten eigenes Gemüse anzubauen. Einige Pflanzenarten eignen sich auch für heiße und sonnige Sommer gut. Außerdem fielen weder Transportwege noch Heizkosten an, so der Nabu. Dadurch wird zusätzlich das Klima geschützt. Und auch für die direkte Gesundheit sei damit etwas getan, denn „frischer geht es nicht“.

Ist die Hitze dann erst einmal da, greift so mancher zum Gartenschlauch und beginnt den Rasen zu wässern. Thomas Kleinworth sieht darin eine Ressourcenverschwendung und plädiert dafür, Wasser dort einzusetzen, wo es die größte Wirkung entfaltet. „Ist der Rasen nach vier Wochen Trockenheit braun, dann wird der nach dem ersten Regen auch schnell wieder grün“, sagt er. „Beim Gießen sollte man sich darum viel eher auf die Pflanzen konzentrieren, die bei Dürre sonst eingehen.“

Um zusätzlich Wasser zu sparen, empfiehlt Kleinworth Wasser dann zu sammeln, wenn es anfällt. „In der Regenzeit sollte bestenfalls so viel Regenwasser aufgefangen werden, wie möglich.“ In trockenen Sommern könne so Leitungswasser und somit Energie gespart werden. „Jedes Wasser, was wir nicht aus dem Grund nehmen müssen, ist gutes Wasser“, sagt er.

Thomas Kleinworth ist überzeugt: Ohne die pflegende Hand des Gärtners geht es nicht. Ein gepflegter Garten brauche etwas Arbeit, um in Zukunft mit den Herausforderungen klarzukommen. Er sagt: „Es ist der einzig richtige Weg, im Garten künftig auf Klimaresilienz zu setzen.“ Pflanzen und Natur sich selbst zu überlassen sei keine gute Idee. Vielmehr könne durch gezielten Eingriff die Strapazierfähigkeit des heimischen Grüns gesteigert werden.

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