Horror zu Gast an verlassenem Ort Mehr als 100 Monster warten im Spukhaus auf Frischfleisch
Das Spukhaus geht in die zweite Runde. Gruselunternehmerin Vanessa Minjets hat die Fläche diesmal verdoppelt. Doch sie ist längst nicht die Einzige, die zu Halloween Gäste das Fürchten lehrt.
Wilhelmshaven/Middels - Im Spukhaus könnte hinter jeder dunklen Ecke das Grauen lauern. Blutrünstige Schlachter, ein irrer Schönheitschirurg und geistesgestörte Clowns – das ist für Gruselunternehmerin Vanessa Minjets der Stoff, aus dem die Halloweenträume sind. Dass die Middelserin schon längst nicht mehr ruhig schlafen kann, hat jedoch mitnichten etwas mit Albträumen zu tun: Sie ist im Umzugsstress. Mehrere Wagenladungen voll ihres „Personals“ sind bereits aus der Werkstatt des Grauens in Aurich-Middels nach Wilhelmshaven gebracht worden.
Was und warum
Darum geht es: Diese Frau will Halloweenbegeisterte das Fürchten lehren. Vanessa Minjets′ Spukhaus zieht nach Wilhelmshaven und ist doppelt so groß wie 2022 zur Premiere in Rispel.
Vor allem interessant für: Halloweenfans, Horrorfilmbegeisterte und Abenteurer mit einer Vorliebe für Lost Places
Deshalb berichten wir: Am 30. September geht das Spukhaus in die zweite Runde. Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
Es sind schreckliche Puppen und Angst einflößende Effekte, die in der Luisenstraße 8 Teil der begehbaren Ausstellung werden. Die ist einer Geisterbahn nicht unähnlich. Gerade bekommt sie den letzten Schliff. Noch wird überall verkabelt und verdrahtet, ausgeleuchtet und beschriftet. Unter diese von Minjets speziell angefertigten Figuren mischen sich schon bald kostümierte Darsteller, die in dem ehemaligen und seit Jahren verlassenen Verwaltungsgebäude, einem sogenannten Lost Place, ihr Unwesen treiben und den Nervenkitzel komplettieren: „Wir haben im Gebäude immer mindestens 100 Monster.“ Die Immobilie hat die 36-Jährige kurzfristig angemietet. Seit einem Monat läuft der Aufbau. „18 Stunden am Tag“, überschlägt sie. Nach Halloween, also nach dem 31. Oktober, baut sie ihren „Wanderzirkus“ binnen einer Woche wieder ab. „Es ist geil, aber es ist auch extrem.“
Jede Puppe ist ein Unikat
Wer sich auf eine Entdeckungsreise in diesem normalerweise verlassenen Gebäude begibt, braucht Nerven wie Drahtseile – und elastische Stimmbänder. Das hatte sich bei der Spukhaus-Premiere auf rund 700 Quadratmetern im vergangenen Oktober in einer verlassenen Villa in Rispel bei Wittmund gezeigt. Während manchen Besuchern schlicht das Blut in den Adern gefriert, lassen andere ihre Anspannung laut heraus. Los geht es schon an diesem Wochenende: Am Sonnabend, 30. September, öffnet das Spukhaus erstmals auf den jetzt 1500 Quadratmetern in Wilhelmshaven für Besucher ab 16 Jahren seine Türen. Zehn Termine sind insgesamt für die darauffolgenden Wochenenden bis Halloween geplant. Gegruselt wird stets von 19 bis 22 Uhr. Alle Termine sowie Tickets gibt es auf der Spukhaus-Webseite, aber auch an der Abendkasse.
Seit zwei Jahren hat sich Vanessa Minjets voll und ganz ihrem Spukhaus verschrieben. Sie baut die Effekte und Figuren komplett selbst. „Jedes ein Unikat. Du wirst so eine Puppe nirgends ein zweites Mal finden.“ Dafür verwendet sie teils in Übersee gekaufte Masken und Körperteile wie Bühnenrequisiten – oder macht ganz einfach alles selbst. Unterstützung hat sie wie schon im Vorjahr von Katja Stoffels aus Middels bei den Soundeffekten sowie den Wittmundern Kai und Franziska Menssen von der Veranstaltungslichttechnik Black Sheep Light. Insgesamt hat Minjets diesmal um die 70 Mitwirkende mobilisiert, überschlägt sie. „Die ganze Sache wäre ohne die Sponsoren, Helfer und Freiwilligen nicht möglich.“ Halloween ist vor allem in Amerika ein zwar makabres, aber eben auch rentables Saisongeschäft. Doch auch in Deutschland wird die Wirtschaft dank Kostümierung, Süßigkeiten und Make-up angekurbelt: Der Einzelhandel in Deutschland hat durch diesen Feiertag im Jahr 2019 zusätzliche Umsätze von 320 Millionen Euro generiert. Das kam bei einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland heraus.
Das erwartet die Gäste im Spukhaus
Alles in allem wirkt die Spukhaus-Ausstellung diesmal deutlich runder, mehr aus einem Guss als noch im Vorjahr. Sie erzählt verschiedene Geschichten, die sich wie ein roter Faden durch die Räume ziehen. „Das Elend beginnt in der Schlachterei der Gebrüder Pupenhutz“, verrät Vanessa Minjets. „Sie haben angefangen, bei Besucherführungen Menschen verschwinden zu lassen und sie zu verarbeiten.“ Im Hospital des Schönheits-Arztes Doktor Lauenstein ist unterdessen ein Virus ausgebrochen, das schnell um sich greift. Zimmer für Zimmer wird dem Besucher das Ausmaß des Schreckens bewusst: Das Militär kam, um die Seuche aufzuhalten – und scheiterte kläglich.
In einem anderen Trakt des Spukhauses haben sich „Die trötenden Lollies“ ausgebreitet. Die lustige Clownstruppe wurde einfach vergessen und fiel sich selbst überlassen dem Wahnsinn zum Opfer. Daran konnten auch die alarmierten Schwestern und Geistlichen nichts ändern. Jetzt lauern sie in den düsteren Katakomben des Hauses, zwischen Heizungsrohren und Notausgängen.
Hier spukt es auch in der Region:
- Das Spukhaus ist nicht das einzige Pflichtprogramm im Kalender ostfriesischer Halloweenbegeisterter. Schaurig-schön wird es auch wieder am Freitag, 27. Oktober, in Deutschlands selbst ernannter Halloween-Hauptstadt Esens. Unzählige als Geister, Monster und Vampire kostümierte Besucher mischen sich bei der langen Einkaufsnacht bis 22 Uhr unter die Normal-Shopper. Die Stadt Esens und die Kaufmannschaft der Aktionsgemeinschaft Esens und Umgebung bieten Musik, Tanz, Feuerakrobatik, Mystik und mehr. Die Veranstalter empfehlen die Teilnahme erst ab 14 Jahren. Informationen zu Künstlern und mehr gibt es im Internet.
Am Freitag, 27. Oktober, verwandelt sich Esens wieder in die deutsche Halloween-Hauptstadt. Foto: Archiv/Ortgies - In einer ehemaligen Kirche in Hooksiel im Wangerland spukt es das ganze Jahr über. Am Dienstag, 31. Oktober, legt das Gruseleum ab 10 Uhr noch eine Schippe drauf und lässt alle seiner Monster aus dem Schrank. Die „Familien Halloween Show“ ist bei mystischen und geheimnisvollen Märchen kinderfreundlich. Zu späterer Stunde, ab 19 Uhr, sollten die Kleinsten mit dem Beginn der „Horror Halloween Show“ dann besser das Weite suchen. Infos und Tickets gibt es auf der Internetseite des Gruseleums.
Hier kam wohl jede Hilfe zu spät. Foto: Ortgies - Auch in Borbeck im Ammerland gibt es mit dem Spuk Manor ein Geisterhaus für verschiedene Altersklassen und Zielgruppen. Nur Hartgesottene sollten sich ins „House of Horror“ wagen. Infos dazu gibt es online.
Die netten Wurstfachverkäuferinnen bekommen den letzten Schliff. Foto: Ortgies - Ebenfalls im Ammerland hat der Beachclub Nethen mit seinen Scream Nights ein Event geschaffen, dass Halloween- und Horrorfans sehr zu schätzen wissen. Einige Termine für die Veranstaltungen ab Sonnabend, 14. Oktober, sind bereits ausgebucht. Infos und alle Termine gibt es auf der Internetseite. Trotz des verheerenden Brandes in der Nacht zu Montag wollen die Veranstalter an den Terminen festhalten.