Uneinsichtig  Bei Sperrungen drehen die Leute durch – Verhalten der Autofahrer wird schlimmer

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 25.09.2023 12:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Frust wegen Baumaßnahmen: Reaktionen der Autofahrer verschlimmern sich laut Frank Buchholz, Leiter für den Geschäftsbereich Aurich der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Symbolfoto: Berki Cosmin Alin/Adobe Stock
Frust wegen Baumaßnahmen: Reaktionen der Autofahrer verschlimmern sich laut Frank Buchholz, Leiter für den Geschäftsbereich Aurich der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Symbolfoto: Berki Cosmin Alin/Adobe Stock
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An der B436 hat das Fehlverhalten eines Autofahrers mit der Verletzung eines Baustellen-Mitarbeiters seinen traurigen Höhepunkt erreicht. Was ist denn da los?

Weener - In der vergangenen Woche hat das Verhalten der Autofahrer bei der gesperrten B436 zwischen Weener und Bunde seinen traurigen Höhepunkt erreicht: Ein Mann wollte die Absperrungen nicht akzeptieren, wurde von den Arbeitskräften auf der Baustelle auf die Umleitung hingewiesen. Er versucht es an anderer Stelle einfach nochmal, drängelte sich an Baken vorbei, fuhr dann entgegen der Fahrtrichtung auf dem Radweg auf einen 19-jährigen Baustellen-Mitarbeiter zu.

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Er streifte den jungen Mann, dieser verletzte sich am Knie. Die anderen Arbeitskräfte versuchten noch, den Mann aufzuhalten, aber er drängte auch sie mit dem Fahrzeug beiseite. „Das ist eine neue Qualität“, sagt Frank Buchholz. Er ist der Leiter für den Geschäftsbereich Aurich der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und diese ist unter anderem für die Maßnahme an der B436 zuständig.

Was und warum

Darum geht es: Ein Mann für durch eine Sperrung und verletzte einen Bauarbeiter. Es scheint immer wilder zuzugehen.

Vor allem interessant für: Autofahrer

Deshalb berichten wir: Wegen des Vorfalls an der B436 in Möhlenwarf.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Was allerdings leider zum Alltag gehöre, sei, dass Absperrungen ignoriert würden. „Wir wissen, dass unsere Baumaßnahmen auch Frust auslösen“, so Buchholz. Aber die Reaktionen der Autofahrer hätten sich im Laufe der Zeit verschlimmert. „Man könnte sagen, die Absperrungen werden allenthalben eher als freundlicher Hinweis wahrgenommen. Dass sich Autos vorbeidrängeln, ist fast an der Tagesordnung. Dass allerdings Bauarbeiter zu Schaden kommen, ist heftig. Das ist schon finster“, sagt er. Auf Nachfrage teilt das ausführende Bauunternehmen Johann Bunte mit, dass solche Szenarien „kein häufiges Problem“ darstellten. Zu weiteren Fragen wollte man sich deshalb nicht äußern.

Die Baustelle an der B436 in Möhlenwarf. Foto: Wolters
Die Baustelle an der B436 in Möhlenwarf. Foto: Wolters

Was ist mit den Sicherheitsdiensten?

Wenn absehbar sei, dass man Sperrungen mit Personal durchsetzen muss, „schreiben wir das Sicherheitspersonal gleich mit aus“, sagt Buchholz. Das kümmere sich darum, dass unter anderem tatsächlich Anwohner in die gesperrten Bereiche führen und alles sicher sei. „Das ist kein einfacher Job.“

Allerdings habe man bei der B436 davon abgesehen. Die Autobahn sei ohnehin zu, der Straßenbelag teils weg. „Bei einem solchen Komplettausbau ist es eigentlich gar nicht möglich, dass viele durch die Absperrungen fahren. Eigentlich. Dass dann, wie in diesem Fall auf den Radweg ausgewichen wird, ist natürlich kaum abzusehen“, so Buchholz. „Man muss aber auch klar sagen, dass solch ein Verhalten wie von dem Fahrer vergangene Woche auch Sicherheitspersonal nicht zuzumuten ist. Auch sie wären aus dem Weg gesprungen.“ Das sei ganz klar ein Fall für die Polizei. Diese teilte mit, schon Ermittlungserfolge verzeichnen zu können.

Und wer trägt die Konsequenzen?

Alle tragen die Konsequenzen – vorneweg die finanziellen: Die Behörde schreibt das Sicherheitspersonal zwar aus, zahlt dieses auch, „am Ende sind das aber natürlich Steuergelder“, sagt Buchholz. So tragen alle die Kosten für das Fehlverhalten einiger Leute.

Nicht nur das: Es dauert auch nicht selten länger, weil Arbeiten durch Autofahrer zunichtegemacht werden, die Absperrungen ignorieren. Aber der Fakt, dass alle im Zweifel länger einen Umweg in Kauf nehmen müssen und es teurer wird, ist nicht einmal das Ende der Fahnenstange: „Wir hatten auch ab und an den Fall, dass uns Autofahrer anschreiben, weil sie über nassen Kleber gefahren sind und wollen, dass öffentliche Hand die Reinigung des Wagens übernimmt, weil der ja ganz versaut sei, nachdem sie durch die Baustelle gefahren seien“, sagt Buchholz. Es gebe auch andere aktuelle Beispiele, in denen sich zeige, welche Folgen für alle das Fehlverhalten einer Gruppe haben kann: „Wir wollten die B210 in Jever wieder freigeben, sodass der Verkehr einspurig hätte fließen können. Aber weil sich die Fahrer nicht an die Geschwindigkeit hielten und Überholmanöver starteten, war es einfach viel zu gefährlich. Wir mussten die Öffnung wieder rückgängig machen“, so Buchholz.

Was ist denn mit den Leuten los?

Wieso sich die Autofahrer zunehmend wilder verhielten, vermag Buchholz nicht zu sagen. „Aber vielleicht folgen auch einfach viele blind ihrem Navi und wenn das sagt, man solle geradeaus fahren, tun sie das“, sagt er. Aber leider müsse man auch feststellen, dass die Rücksichtnahme im Straßenverkehr allgemein zurückgegangen sei, zumindest sei das sein Eindruck. Beim Überholen, in Sachen Geschwindigkeit. „Am Wochenende hatte beispielsweise das THW Baken beiseitestellt, um mit Blaulicht durchzufahren, um beim Ostfriesischen Freiheitslauf zu unterstützen. Sie bekamen die Absperrungen gar nicht wieder zurückgestellt, weil sich so viele Autos durchdrängelten“, so Buchholz. Es reiche, dass ein Anwohner durchgelassen werde, ein Schulbus und „und schon hängen sich mehrere dran ohne Rücksicht.“

„Die Sperrungen, die Umleitungen – es ist klar, dass das die Verkehrsteilnehmer ärgert. Das ist auch vollkommen nachvollziehbar. Aber das war ja immer so. Nur werden die Reaktionen schlimmer.“