Ausgebrannter Frachter  „Fremantle Highway“ soll wieder fahrtüchtig werden

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 21.09.2023 18:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schaulustige versammelten sich am Donnerstagnachmittag in Eemshaven, um einen letzten Blick auf den schwer beschädigten Autofrachter „Fremantle Highway“ zu erhaschen, der bis Sonnabend nach Rotterdam geschleppt werden soll. Fotos: Ortgies
Schaulustige versammelten sich am Donnerstagnachmittag in Eemshaven, um einen letzten Blick auf den schwer beschädigten Autofrachter „Fremantle Highway“ zu erhaschen, der bis Sonnabend nach Rotterdam geschleppt werden soll. Fotos: Ortgies
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Nach sieben Wochen hat der Unglücks-Frachter „Fremantle Highway“ Eemshaven verlassen. In Rotterdam soll das Schiff nach Möglichkeit wieder fahrbereit gemacht werden. Was hat die zuständige Firma vor?

Eemshaven/Rotterdam - Der ausgebrannte Autofrachter „Fremantle Highway“ hat Eemshaven am Donnerstag verlassen. Um kurz nach 15 Uhr setzte sich der knapp 200 Meter lange Stahlkoloss in Bewegung und trat mithilfe von vier Schleppern seine Reise nach Rotterdam an. Zahlreiche Schaulustige waren im niederländischen Eemshaven, um einen letzten Blick auf das Schiff zu erhaschen, dass seit dem 3. August dort gelegen hatte.

Die „Fremantle Highway“ soll in den kommenden Monaten in der Reparaturwerft der Damen Shipyards Group in Rotterdam liegen. Das bestätigte Unternehmenssprecher Rick van de Weg am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion. Das Schiff, das Ende Juli bei einem Feuer auf der Nordsee schwer beschädigt worden war, werde am Sonnabend gegen Mittag vor Ort erwartet.

Das Schiff soll zunächst weiter demontiert werden

In Rotterdam seien weitere Aufräumarbeiten und Inspektionen auf dem Frachter geplant, schreibt van de Weg. Für die Arbeiten seien vier bis fünf Monate eingeplant. „Wir sind stolz darauf, die ‚Fremantle Highway‘ im Auftrag von Koole Contractors unterbringen zu können“, sagte Damen-Geschäftsführer Peter Altena laut Mitteilung. „Es ist eine großartige Sache, dass wir in den Niederlanden noch Platz haben, um solche Projekte ungestört und sicher für Mensch, Natur und Umwelt umzusetzen.“ Zuletzt war auch spekuliert worden, das Schiff könne zum Abwracken ins Ausland gebracht werden.

Das Unternehmen Koole Contractors ist nach eigenen Angaben auf Abrissarbeiten, Sanierungen und die Beseitigung von Wracks spezialisiert. In Rotterdam solle das Schiff nach Möglichkeit wieder fahrbereit gemacht werden, sagte ein Sprecher von Koole Constructors der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Der Frachter werde teilweise demontiert. „Was nicht beschädigt ist, wird für einen möglichen späteren Wiederaufbau aufbewahrt“, sagte der Sprecher. „Das Ziel und der Reiz dieser Sache ist es, zu versuchen, die Schäden zu beseitigen, den Rest zu reparieren und das Schiff wieder fahrbereit zu machen.“ Was danach mit dem Frachter geschehen könnte, sei aber noch unklar.

Ein Besatzungsmitglied starb bei dem Unglück Ende Juli

Die „Fremantle Highway“ ist nach dem in der Nacht zum 26. Juli ausgebrochenen Feuer schwer beschädigt, die graue Außenhülle ist an vielen Stellen rostbraun. Das Schleppen des Schiffs nach Rotterdam geschehe unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen, sagte Cas König, Hafendirektor in Eemshaven, dem Sender RTV Noord. Es seien immer mindestens vier Schlepper und zwei Lotsen im Einsatz. „Zudem muss es Tageslicht geben und das Wetter muss ruhig sein“, so König. „Solche Anforderungen stellen wir nicht bei jedem abfahrenden Schiff.“

Die Schlepper gingen am Donnerstag in Position, um die „Fremantle Highway“ aus dem Hafen zu bringen.
Die Schlepper gingen am Donnerstag in Position, um die „Fremantle Highway“ aus dem Hafen zu bringen.

Das Unglück Ende Juli vor der Wattenmeerinsel Ameland hatte sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland große Aufmerksamkeit erregt. Ein Besatzungsmitglied aus Indien war bei dem Feuer ums Leben gekommen, nachdem es aus rund 20 Metern Höhe von Bord in die Nordsee gesprungen war. Nach tagelangen Löscharbeiten war das Schiff zunächst am 3. August nach Eemshaven geschleppt worden. Doch es war klar, dass es dort bis Mitte Oktober wieder verschwunden sein musste.

Untersuchungen zur Brandursache gehen in Rotterdam weiter

Dank des Einsatzes aller Beteiligten könne die „Fremantle Highway“ nun pünktlich den Hafen verlassen und damit Platz für ein erwartetes Kreuzfahrtschiff machen, teilte der Hafenbetreiber Groningen Seaports mit. Es sei eine große Herausforderung gewesen, den Autofrachter in Eemshaven zu empfangen, doch nun sei das Unternehmen stolz darauf, dass der Standort bei der Bergung des Unglücks-Schiffs eine Rolle gespielt habe.

„Wir sind froh, dass eine größere Katastrophe im Wattenmeer verhindert werden konnte“, schreibt Groningen Seaports. Nach dem Feuer hatte es auch in Ostfriesland die Sorge gegeben, dass der Frachter Schweröl verlieren oder mitsamt der knapp 3800 Autos an Bord sinken könnte. Mittlerweile ist der Treibstoff aus dem Schiff gepumpt und rund 1000 Fahrzeuge, die vom Feuer weitgehend verschont geblieben waren, wurden von Bord geholt.

Die Ursache des Brandes konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Nach ersten Informationen der niederländischen Küstenwache war vermutet worden, dass ein Elektroauto an Bord Ausgangspunkt des Feuers gewesen sein könnte. Zumindest ein Großteil der knapp 500 E-Autos an Bord wurde aber von den Flammen verschont. Offiziell geklärt ist die Brandursache bisher nicht. Die entsprechenden Untersuchungen des japanischen Eigners sowie der Behörden aus dem für das Schiff zuständigen Staat Panama sollen in Rotterdam fortgesetzt werden.

Mit Material von DPA

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