Brauner Sumpf  Hammerskin-Razzia – Zielperson war auch beim Konzert in der Krummhörn im Einsatz

Claus Hock
|
Von Claus Hock
| 21.09.2023 15:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Von den Mitgliedern der „Crew“ des Neonazi-Konzertes in der Krummhörn Anfang August haben mehrere Personen Verbindungen zu Chaptern der seit dieser Woche verbotenen Hammerskins. Von den sechs abgebildeten Personen sind vier mittlerweile eindeutig identifiziert. Foto: Hock
Von den Mitgliedern der „Crew“ des Neonazi-Konzertes in der Krummhörn Anfang August haben mehrere Personen Verbindungen zu Chaptern der seit dieser Woche verbotenen Hammerskins. Von den sechs abgebildeten Personen sind vier mittlerweile eindeutig identifiziert. Foto: Hock
Artikel teilen:

Einer der Hammerskins, der als Ordner bei „Live in der Krummhörn“ im Einsatz war, wurde am Dienstag Ziel der bundesweiten Razzien im Zuge des Hammerskin-Verbots in Deutschland. Das ist über ihn bekannt.

Ostfriesland/Wetter an der Ruhr - Am Dienstag wurden die „Hammerskins Deutschland“ mit all ihren Untergruppen (Chaptern) sowie der Unterstützergruppe „Crew 38“ durch das Bundesinnenministerium verboten. Am gleichen Tag wurden bundesweite mindestens 28 Gebäude von Hammerskins in ganz Deutschland durchsucht. Dabei war offenbar auch die Wohnung eines Hammerskins aus Wetter an der Ruhr. Dieser war Anfang August als Ordner beim Konzert „Live in Krummhörn 2“ im Einsatz. Der Name ist der Redaktion bekannt.

Was und warum

Darum geht es: Einer der Hammerskin-Ordner bei „Live in Krummhörn 2“ wurde am Dienstag Ziel der Durchsuchungen deutscher Sicherheitsbehörden.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Hintergründe zu dem angeblich „unpolitischen“ Konzert in der Gemeinde Krummhörn interessieren.

Deshalb berichten wir: Die Recherche zu den rechten Strukturen und Verbindungen in Ostfriesland und darüber hinaus geht weiter. Das Verbot der Hammerskins in Deutschland hat neue Erkenntnisse gebracht.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Die Beteiligung des Hammerskins aus dem Chapter Westfalen am Konzert in der Krummhörn war schon länger klar. Vor Ort trat der Neonazi als Ordner auf, komplett mit Funkgerät. Er versuchte unter anderem zusammen mit weiteren Crew-Mitgliedern, die Berichterstattung vor Ort durch die Polizei unterbinden zu lassen.

Rolle des Hammerskins in der Szene unklar

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Dienstag gegenüber der Tagesschau, dass in NRW vier Objekte durchsucht worden seien: in Düsseldorf, Bochum und Wetter an der Ruhr. „Reul erklärte, es seien viele Beweismittel sichergestellt worden, darunter Schlagringe, IT-Datenträger und rund 1.000 Musikdatenträger“, so die Tagesschau.

Welche Rolle der Hammerskin aus Wetter (Ruhr) in der Neonazi-Vereinigung genau spielt, ist bislang unklar. Szenekenner bezeichneten ihn gegenüber dieser Zeitung nicht als Führungsfigur.

Teilnahme am „Hammerfest“ in Frankreich

Umtriebig ist der Hammerskin laut dem Rechercheportal Exif-Recherche dennoch. Demnach pflegte er schon 2014 Kontakte in die Region, genauer nach Bremen. Auf Aufnahmen vom „Hammerfest“, einer Art Hammerskin-Festival, welches regelmäßig stattfindet, ist er 2019 ebenfalls zu sehen. Damals fand das Hammerfest in Frankreich statt, der Neonazi trug dort eine Jacke mit dem Abzeichen der Hammerskin-Nation und dem Aufnäher des Chapters Westfalen. Dieses Auftreten ist nur Vollmitgliedern der Hammerskins gestattet.

Außerdem ist die Teilnahme an mindestens einer Kampfsportveranstaltung in Thüringen belegt. Damals ebenfalls mit dabei: ein mittlerweile verurteilter Unterstützer der rechten Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU).

Weitere Verbindungen zu anderen Hammerskin-Chaptern

Der Umstand, dass eine Durchsuchung bei einem der in der Krummhörn anwesenden Hammerskins stattgefunden hat, wirft nochmal ein anderes Licht auf die Veranstaltung „Live in Krummhörn 2“. So war der Neonazi aus Wetter (Ruhr) nicht der einzige Hammerskin, der vor Ort war. Ein bislang weder namentlich noch vom genauen Status her bekannter Mann, der in der Vergangenheit mit Mitgliedern des Chapters Westfalen aufgetreten ist, war ebenfalls vor Ort. Zudem war ein namentlich bekanntes Mitglied des Hammerskin-Chapters „Rheinland“ in der Krummhörn anwesend.

Organisiert wurde das Konzert von einem Emder, der bis ungefähr 2017 noch in seiner Heimat Brandenburg lebte. Dort gehörte er zunächst zu den Hammerskin-Unterstützern der nun ebenfalls verbotenen „Crew 38“. Der Neonazi war laut Exif-Recherche 2018 beim Hammerfest in den USA anwesend, nachweislich noch 2019 auf einer Szeneveranstaltung und hat wohl den Status eines Vollmitglieds der Hammerskins erreicht – zumindest existieren Aufnahmen mit entsprechenden Emblemen auf der Bomberjacke. Zudem war der Emder jüngst auf der Beerdigung eines Rechtsrockers in Brandenburg – in Begleitung einer Szenegröße der rechtsextremen Musikszene.

Diese Zeitung hat eine Anfrage zu Details der Durchsuchung in Wetter an der Ruhr ans Innenministerium von Nordrhein-Westfalen gestellt. Sobald die Antwort vorliegt, wird der Artikel aktualisiert.

Ähnliche Artikel