München  Studie zeigt: Falschparken lohnt sich finanziell

Yannik Jessen
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Von Yannik Jessen
| 20.09.2023 15:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wer ohne Parkschein parkt, kommt auf Dauer günstiger weg - das hat eine Studie herausgefunden. Foto: Imago Images/Funke Foto Services/Kerstin Kokoska
Wer ohne Parkschein parkt, kommt auf Dauer günstiger weg - das hat eine Studie herausgefunden. Foto: Imago Images/Funke Foto Services/Kerstin Kokoska
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Warum parken Autofahrer falsch? Als Erstes fällt einem dazu Gleichgültigkeit und Egoismus ein. Eine neue Studie zeigt jetzt: Falschparken rechnet sich. Die Kommunen bringt das in eine Zwickmühle.

Die Parkplatzsuche in deutschen Innenstädten kann nerven. Das Problem: Es gibt deutlich mehr Autos als Parkplätze – und die wenigen Parkplätze sind häufig gebührenpflichtig. Viele Autofahrer umgehen Parkgebühren, indem sie sie entweder einfach nicht bezahlen oder ihr Auto illegal woanders abstellen. Die Folgen: zugeparkte Fuß- und Radwege, sowie Ein- und Zufahrten. Außerdem entgehen Kommunen die Einnahmen durch die Parkgebühren.

Eine Studie der Hochschule München hat jetzt die Parkverstöße in Freiburg unter die Lupe genommen. Die Forscher haben sich alle Parkverstöße des Jahres 2019, insgesamt 180.000 registrierte Verstöße, angesehen und ausgewertet. Sie untersuchten auch die Dienstpläne und Kontrollbezirke der Ordnungsbeamten. Ziel der Studie war es, zu berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit Falschparker erwischt werden.

Das Ergebnis: In 61 Prozent der Zeit ist es im Zentrum von Freiburg wirtschaftlich vorteilhaft, keine Parkgebühren zu zahlen. Außerhalb des Zentrums ist das sogar in 94 Prozent der Zeit der Fall. „Ökonomisch gesehen rechnet es sich also häufig, falsch zu parken“, bestätigt Forschungsleiter Andreas Humpe in einer Pressemitteilung.

Die Forscher heben einige Lösungsansätze hervor, um das Falschparken einzudämmen. So könnten Städte die Kontrollen verstärken. Obwohl damit der wirtschaftliche Vorteil der Gratis-Parker reduziert werden würde, stellen die Forscher fest, dass dies für die Kommunen finanziell nicht tragbar wäre. Die Kosten für die Überwachung wären deutlich zu hoch.

Alternativ schlagen die Forscher eine Reduzierung der Parkgebühren vor. Eine ebenfalls nicht praktikable Lösung, denn so verringere sich zwar die Bereitschaft zum Falschparken, aber die niedrigen Parkgebühren belasteten den Verkehr in den ohnehin schon überfüllten Innenstädten zusätzlich. Außerdem sei eine Förderung des Individualverkehrs weder gesellschaftlich noch politisch erwünscht.

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Die Städte befinden sich also in einer Zwickmühle, denn die einzige effektive Möglichkeit das Falschparken einzudämmen, ist laut den Forschern die Erhöhung der Bußgelder. Aber die Lösung hat einen Haken, da die Strafen in der bundesweiten Bußgeld-Verordnung festgelegt sind und von einzelnen Städten und Gemeinden nicht angepasst werden dürfen.

Um das Falschparken effizient einzudämmen, könnte es laut den Forschern eine Lösung sein, dass Städte und Gemeinden selbst über die Höhe der Bußgelder entscheiden. Ebenso könnte eine Abwägung von Delikten hilfreich sein. Bislang unterscheidet die Verordnung nicht zwischen Verstößen in der Innenstadt, wo der Verkehrsfluss erheblich gestört werden könnte, und Außenbezirken, wo deutlich weniger Autos unterwegs sind.

Ebenfalls helfen könnten dynamische Preisgestaltungen, die sich nach der Auslastung der Parkplätze richten. Digitale Lösungen, die Autofahrern dabei helfen schneller einen freien Parkplatz zu finden und so die Zeit der Suche reduzieren, könnten Falschparken ebenfalls reduzieren.

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