Eigentümerwechsel in Emden Wolthuser Kirchengemeinde verkauft ihr Haus an die Stadt
Nach einem „schmerzlichen und sehr langen Prozess“ haben sich die Reformierten zum Verkauf ihres 110 Jahre alten Gemeindehauses im Wolthuser Dorfkern entschieden. Davon könnte die Schule profitieren.
Emden - Die Würfel sind gefallen: Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde des Emder Stadtteils Wolthusen trennt sich von ihrem marodem Gemeindehaus, das das Bild in der Wolthuser Dorfstraße seit 110 Jahren prägt. Sie verkauft das Gebäude mit Grundstück an die Stadt Emden. Die Kommune wolle sich damit „nachhaltig zusätzliche Nutzungsoptionen“ für die benachbarte Grundschule schaffen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Stadt und Kirchengemeinde. Konkrete Pläne gibt es nach Aussagen der Stadt dafür gegenwärtig aber noch nicht.
Laut der Mitteilung soll die Immobilie der Stadt zum 1. Juni 2024 übergeben werden. Solange wird die Kirchengemeinde das Haus noch selbst nutzen. Die Hortgruppe, die die Martin-Luther-Gemeinde in dem Gebäude seit 2010 betreibt, soll auch nach dem Eigentümerwechsel vorerst bestehen bleiben, heißt es. „Sofern mittel- beziehungsweise langfristig räumliche Planungen an dem Standort Auswirkungen auf den Hortbetrieb haben, wird die Stadt frühzeitig das Gespräch mit dem Träger suchen, um gemeinsame Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln“, schreibt die Stadt.
Erste Gespräche gab es schon vor zwei Jahren
Erste Gespräche zwischen der Stadt und der Kirchengemeinde über die Zukunft des Gemeindehauses hatte es schon vor mehr als zwei Jahren gegeben. Die Kirchengemeinde geriet aber zunehmend in Zugzwang, weil das Gebäude marode ist und die Kosten für eine Erneuerung und Modernisierung zu hoch sind. Zudem benötigt die tendenziell schrumpfende Gemeinde nicht mehr alle Räume.
Das Gemeindehaus ist energetisch in einem sehr schlechten Zustand. Das ursprüngliche Hauptgebäude ist nicht gegründet. Setzungen führen dazu, dass an den Übergängen zu den Anbauten Risse und Stolperfallen entstehen. Außerdem reißen zum Teil Leitungen. Hinzu kommt: Im Keller steht seit Jahren Wasser. Alle Bemühungen, ihn trockenzulegen, seien erfolglos geblieben. Die Folge seien feuchte Wände, heißt es seitens der Kirche.
Entscheidung fiel der Gemeinde nicht leicht
Die Entscheidung zum Verkauf sei dem Kirchenrat dennoch nicht leicht gefallen, räumt der stellvertretende Kirchenratsvorsitzende Albert Ohling ein. Die Pastorin und Kirchenratsvorsitzende Frauke Focke schreibt im jüngsten Gemeindeblatt von einem „schmerzlichen und sehr langen Prozess“. Nach ihren Angaben gab es auch private Interessenten an dem Gebäude. Man habe sich aber dafür entschieden, der Grundschule eine Perspektive bieten zu können anstatt Investoren Tür und Tor zu öffnen.
Das Gemeindehaus ist seit Jahrzehnten ein Zentrum der kirchlichen Arbeit der Reformierten in Wolthusen. Es wird auch für Teetafeln bei Trauerfeiern oder andere Familienfeiern genutzt. Dort treffen sich unter anderem auch die verschiedenen Kreise sowie Musikgruppen der Gemeinde. Um Energiekosten für das Beheizen der Kirche zu sparen, verlegt die Gemeinde mittlerweile im Winter auch die Gottesdienste dorthin.
Der Kirchenrat prüft mehrere Alternativen
Wie und wo die Gemeindearbeit nach der Übergabe des Gebäudes an die Stadt fortgesetzt wird, ist gegenwärtig noch offen. Der Kirchenrat prüft nach eigenen Angaben mehrere Alternativen. Er erwägt auch den Neubau eines kleineren Gemeindezentrums in unmittelbarer Nähe der Wolthuser Kirche. Übergangslösungen sind auch schon im Gespräch. So könnte die Gemeinde vorübergehend auf das Gemeindezentrum Rote Mühle oder in Räume der Martin-Luther-Gemeinde sowie des Emder Segelvereins ausweichen.
Das Gemeindehaus wurde 1913 vom Evangelischen Arbeiterverein Wolthusen erbaut. Am 14. Mai 1934 wurde das Haus samt Mobiliar der Kirchengemeinde überschrieben, wohl um eine Beschlagnahme oder Enteignung durch die Nationalsozialisten zu vermeiden. Seitdem wird es als Gemeindehaus genutzt. 1964 erfolgte ein Umbau des Gebäudes. Sowohl Toiletten als auch eine Gasheizung wurden eingebaut. Zudem wurde eine Wohnung für eine Gemeindeschwester geschaffen, die jetzt als Küsterwohnung dient. Zuletzt war das Gebäude 1993 grundlegend saniert worden.