Hamburg Die mutigen Frauen des Irans beschämen den Westen
Vor einem Jahr starb Jina Mahsa Amini. Ihr Tod hat den Iran erschüttert und eine einzigartige feministische Protestwelle losgetreten. Die Frauen haben ihre Stellung in der Gesellschaft verändert – auch wenn die Mullahs weiter an der Macht sind.
Stellen Sie sich vor, Sie verlassen das Haus für einen Spaziergang – Sie müssen nicht überlegen, was Sie anziehen. Die Regierung gibt es Ihnen vor. Wenn Sie sich nicht daran halten, droht Ihnen der Tod. Was in Deutschland unvorstellbar ist, ist im Iran Alltag. Vor einem Jahr starb Jina Mahsa Amini in Haft, weil sie ihr Kopftuch nicht richtig getragen haben soll.
Ihr Tod löste landesweite, ja weltweite Proteste aus. Proteste gab es in dem Land immer wieder, das Einzigartige ist jetzt, dass Frauen den Protest anführen und ihre Rechte einfordern. Sie demonstrieren mit ihren Körpern, verbrennen ihre Kopftücher und tanzen mit wehenden Haaren. Die Botschaft ist klar: Ohne Freiheit für Frauen kann es keine Freiheit für alle geben.
Das Mullah-Regime hat Angst vor diesen starken Frauen. Es geht mit brutalster Gewalt gegen Protestierende vor. Ist das erfolgreich? Ja, könnte man meinen, weil es ruhiger geworden ist. Sieht man genauer hin, ist das Gegenteil der Fall: Im Iran ist etwas ins Rutschen geraten. Im ganzen Land verlassen Frauen ohne Kopftuch das Haus. Der zivile Widerstand ist jeden Tag sichtbar. Die Frauen haben ihren gesellschaftlichen Status verändert. Sie sind im öffentlichen Raum sichtbar, ihre Stimmen werden gehört.
Der Mut der iranischen Frauen ist ungebrochen. Und dieser Mut steht im krassen Gegensatz zur Apathie des Westens. Zwar wird immer wieder Unterstützung für die Protestierenden betont, gleichzeitig werden aber auch Deals mit dem Regime gemacht. Jüngst stimmte die USA einem Gefangenenaustausch zu, der dem Regime sechs Milliarden Dollar einbringt. Das ist beschämend und zeigt, wie dringend der Westen eine neue Iran-Politik braucht.