Bernd Battefeld geht  Strackholt und Bagband suchen erstmals gemeinsam einen Pastor

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 15.09.2023 09:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die St.-Barbara-Kirche in Strackholt. Fotos: Cordsen
Die St.-Barbara-Kirche in Strackholt. Fotos: Cordsen
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Strackholt und Bagband müssen sich auf der Pastorensuche zusammenraufen und teilen sich wohl erstmals einen Geistlichen. Noch müssen sie mit der Suche warten.

Strackholt - Die Zeitenwende ist greifbar nah: Die volle Pfarstelle der St.-Barbara-Gemeinde in Strackholt mit ihren etwa 1800 Gemeindegliedern wird mit dem Weggang von Bernd Battefeld auf eine Dreiviertelstelle gekürzt, die halbe Stelle der Martin-Luther-Gemeinde in Bagband mit ihren gut 550 Seelen ist schon seit Jahresbeginn auf eine Viertelstelle geschrumpft. Pastorin Elske Oltmanns arbeitet noch bis Jahresende zu reduzierten Bezügen. „Ich würde sehr gern bleiben“, sagt sie. Was nach dem Willen der Kirchenkreis-Synode folgen soll, ist aber eine pfarramtliche Verbindung: zwei eigenständige Gemeinden mit einem Gebiet von zusammen etwa 100 Quadratkilometern, ein Pastor.

Auch wenn die Gemeindeglieder ihren Widerstand aufgegeben und einander die Hand gereicht haben: Glücklich ist man damit vor Ort nicht. Zumal weiterhin ungewiss ist, wann es mit wem auf der Pfarrstelle weitergehen wird. In Strackholt vertreten vorerst die Pastoren Christoph Schoon (Timmel) und Imke Scheibling (Ostgroßefehn) die Vakanz, die der Weggang von Amtsinhaber Bernd Battefeld hinterlässt. In Bagband ist Elske Oltmanns noch da.

Stelle wird ab Oktober ausgeschrieben

„Wir haben jetzt von der Landeskirche Bescheid bekommen, dass unsere Stelle zum 1. Oktober ausgeschrieben wird“, sagt der Strackholter Kirchenvorstandsvorsitzende Helmut Albers. Die Genehmigung ist damit wenige Tage vor der offiziellen Entpflichtung und Verabschiedung von Pastor Bernd Battefeld eingetroffen. Der Gottesdienst beginnt am kommenden Sonntag um 14 Uhr in der St.-Barbara-Kirche. „Wir haben im März die Unterlagen abgegeben, haben uns intensiv mit den Bagbandern besprochen und gemeinsam eine Stellen-Ausschreibung formuliert.“ Ab Oktober – ein knappes halbes Jahr nach Einreichung der Unterlagen – können die Bagbander und Strackholter nun mit der Ausschreibung aktiv auf die Suche nach jemand Neuem gehen. Albers selbst hat momentan alle Hände voll damit zu tun, die Gottesdienste zu organisieren, sich um Kirchenmusiker zu kümmern, Prediger auch für bislang unbesetzte Sonntage zu finden.

Der scheidende Pastor Bernd Battefeld liebt den Weinstock, der am Pfarrhaus in Strackholt rankt.
Der scheidende Pastor Bernd Battefeld liebt den Weinstock, der am Pfarrhaus in Strackholt rankt.

Immer wieder habe man sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit dem Kirchenvorstand in Bagband getroffen. „Wir verstehen uns wirklich gut. Natürlich hat aber jede Gemeinde ihre Traditionen, Dinge, die ihr wichtig sind, und wir werden künftig immer wieder gemeinsam Kompromisse finden müssen“, sagt Albers. „Das ist ein bisschen so, wie wenn zwei eigenständige Firmen sich jetzt einen Geschäftsführer teilen und einen gemeinsamen Betrieb bilden. Die jeweils eigenen Wünsche zurückschrauben, ist schon immer wieder schwierig. Alle Beteiligten müssen daher immer wieder Verständnis aufbringen und sich einigen.“ Er hoffe, dass es gelingen werde, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen: Grundsätzlich haben beide Kirchengemeinden das Recht, den Pastor für ihren Teil der Stelle selbst zu bestimmen. Theoretisch könnte die Wahl auch auf unterschiedliche Kandidaten fallen.

Die Martin-Luther-Kirche in Bagband.
Die Martin-Luther-Kirche in Bagband.

„Wir haben zu wenige Seelen“

Seine Kollegin als Kirchenvorsteherin, Fenna Bohlen, sagt zerknirscht: „Wir haben zu wenige Seelen.“ Für rund 2400 Menschen gibt es im Kirchenkreis Aurich eine volle Stelle, gut 550 sind es in Bagband. Doch auch und gerade, weil die Martin-Luther-Gemeinde in Bagband über viel Land verfüge – 54 Hektar – und daraus gute Pachteinnahmen erziele, „würden wir dafür auch gern etwas zurückbekommen“, sagte sie seinerzeit. „Früher wurde all das einberechnet, auch der Gottesdienstbesuch, der bei uns im Vergleich wirklich gut ist. Ist leider nicht mehr so.“ Sie sagt auch: „Hier im Dorf wird der Pastor für alles gebraucht – anders als in der Stadt. Die Gemeinden auf den Dörfern muss man mitnehmen, hier ist Seelsorge an den Menschen noch viel wichtiger. Hier passiert ganz viel Leben in der Gemeinde.“ Drei Mal sei man in Hannover gewesen, um sich gegen die pfarramtliche Verbindung zu wehren, sagte sie im Vorjahr. „Landesbischof Ralf Meister hat uns aber zu verstehen gegeben, dass wir nicht wiederzukommen brauchen.“

Beim Widerstand gegen eine pfarramtliche Verbindung beider Gemeinden gehe es auch keineswegs um Streit mit den Nachbarn in Strackholt. „Da hat sich schon vieles angenähert. Wir haben einen gemeinsamen Kreativkreis, um neue Formen kirchlichen Lebens zu entwickeln, wir gestalten den Weltgebetstag zusammen. Trotzdem hat jede der Gemeinden eigene Wünsche an ihren Pastor, beide möchten bei allem freundschaftlichen Miteinander eigenständig bleiben.“ Dass es anders kommen wird und alle Beteiligten künftig das Beste aus der geteilten Pfarrstelle zu machen versuchen werden, zeichnet sich ab. „Damit müssen wir umgehen, und eine Viertelstelle: Dafür möchte ja auch kein junger Pastor kommen. Wir werden da zusammenwachsen, trotzdem bleibt aber wichtig, dass ein Pastor in jedem Dorf auch für die Menschen da bleibt. Das wird bei einer geteilten Stelle schon schwieriger.“

Kirchenkreis muss deutlich sparen

Hintergrund der Kürzungen ist, dass die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt und damit die Höhe der Zuwendungen aus Kirchensteuern an den Kirchenkreis. Während die Streichungen in Bagband und Strackholt schon seit acht Jahren beschlossen sind, geht das Gürtel-enger-Schnallen weiter: Um fast 600.000 Euro – etwa zehn Prozent – muss der Kirchenkreis Aurich die Kosten im Verlauf der kommenden fünf Jahre senken. In Summe sollen drei Pfarrstellen im aktuellen Planungszeitraum bis Ende 2028 wegfallen – je eine volle in den Regionen Aurich und Wiesmoor/Großefehn, je eine halbe in den Regionen Südbrookmerland und Ihlow. „Eigentlich müssten wir sogar sechs Pfarrstellen einsparen“, sagte der Superintendent des Kirchenkreises, Tido Janssen im Vorjahr. Gut 30 volle Pfarrstellen und eine Superintendenten-Stelle gibt es aktuell im Kirchenkreis. Sechs Stellen hätten geheißen, dass binnen der kommenden fünf Jahre etwa jede fünfte Pfarrstelle wegfiele, nun ist es ungefähr jede zehnte. Da fast alle Pastoren Kirchenbeamte sind, müssen und können die Streichungen nur über Ruhestände erfolgen.

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