Ranking oder kein Ranking?  Prioritätenliste der Mängel an Emder Schulen sorgt für Verwirrung

Mona Hanssen
|
Von Mona Hanssen
| 13.09.2023 19:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Am Johannes-Althusius-Gymnasium (JAG) gibt es viele dringend zu behebende Mängel am Gebäude. Foto: Archiv
Am Johannes-Althusius-Gymnasium (JAG) gibt es viele dringend zu behebende Mängel am Gebäude. Foto: Archiv
Artikel teilen:

Auf die Liste der Schulmängel wird schon lange gewartet. Nun sollte der Punkt besprochen werden, doch im Ausschuss blieben viele Fragen offen.

Emden - Das ist nach hinten losgegangen: Am Dienstag sollte eine Prioritätenliste der Mängel an Emder Weiterführenden Schulen im Betriebsausschuss des Gebäudemanagements (GME) vorgestellt werden - und mehr Klarheit schaffen.

Was und warum

Darum geht es: um den Sanierungsstau an Emder Schulen und eine Prioritätenliste, auf die lange gewartet wurde

Vor allem interessant für: Leute, die an Emder Schulen arbeiten, dort zur Schule gehen oder Schulkinder haben sowie allgemein Bildungsinteressierte

Deshalb berichten wir: Im Betriebsausschuss des Gebäudemanagements hielt Stadtbaurätin Irina Krantz einen Vortrag zur Prioritätenliste der Emder Schulen, der die Ausschussmitglieder nicht wirklich mitnahm. Im Gegenteil: Er sorgte eher für Verwirrung.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Der Sanierungsstau an Emder Schulen ist groß. Der Frust der Eltern, Kinder, Lehrkräfte und auch Ratsmitglieder vielleicht sogar noch größer. Fraktionsübergreifend wird die Liste seit längerem gefordert. Jetzt war die Enttäuschung bei den Ausschussmitgliedern groß.

Ranking sollte kein Ranking sein

Stadtbaurätin Irina Krantz sprach in ihrer Präsentation vor den Mitgliedern zunächst alle Punkte an, die den Politikern und der Öffentlichkeit schon in einer Mitteilungsvorlage erklärt wurden. Dann tauchte aber eine Folie auf, von der Krantz selbst überrascht schien - und das sagte sie auch so. Die Folie war überschrieben mit „Ranking der Schulen“. Das Johannes-Althusius-Gymnasium (JAG) steht dort auf Platz 1, gefolgt von der Integrierten Gesamtschule (IGS) und der Förderschule. Am wenigsten dringliche Mängel haben demnach die Berufsbildenden Schulen I.

Stadtbaurätin Irina Krantz musste einige Fragen beantworten. Die Politiker zeigten sich nicht immer zufrieden. Foto: Päschel/Archiv
Stadtbaurätin Irina Krantz musste einige Fragen beantworten. Die Politiker zeigten sich nicht immer zufrieden. Foto: Päschel/Archiv

„‚Ranking‘ ist hier ein unglückliches Wort“, sagte sie. Eine Hierarchie innerhalb der Schulen reinzubringen, werde den Schulen nicht gerecht. „Das hat nichts mit der Neutralität zu tun, die wir uns vorgenommen haben“, sagte sie. Die Folie habe „keine Relevanz“ und man solle sie am besten wieder vergessen, sie werde nicht mit im Bürgerinfoportal veröffentlicht. Irina Krantz könne sich nur vorstellen, dass das „Ranking“ entstanden sei, weil aus einer Excel-Tabelle, in der die Mängel an den Schulen mit Rot, Gelb oder Grün gekennzeichnet wurden, alle roten Punkte für die Schulen jeweils zusammen gerechnet worden seien. Am JAG gebe es folglich die meisten „roten Punkte“, also die meisten dringend zu behebenden Mängel.

Mängel im Detail nicht vorgestellt

Irina Krantz stellte vor, welche Mängel bei der Erstellung der Mängelliste in erster Linie betrachtet wurden. Nämlich solche, „deren Behebung für die weitere Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Gebäude ausschlaggebend ist“. Dabei geht es beispielsweise um undichte Schuldächer, Mängel an den Außenwänden, undichte und abgängige Fenster sowie Außentüren. Dann wurden die Mängel eingeteilt in kurzfristig (rot), mittelfristig (gelb) oder langfristig (grün) zu beheben, um das Aufrechterhalten des Schulbetriebes zu gewährleisten. Rote Mängel sollen innerhalb von zwei Jahren, gelbe innerhalb von vier Jahren und grüne innerhalb von acht Jahren behoben werden.

Die Berufsbildenden Schulen II steht auf Platz 4 einer Rankingliste, die am Dienstag im GME-Ausschuss gezeigt wurde. Foto: Päschel/Archiv
Die Berufsbildenden Schulen II steht auf Platz 4 einer Rankingliste, die am Dienstag im GME-Ausschuss gezeigt wurde. Foto: Päschel/Archiv

Für die kurzfristigen Mängel sollen im nächsten Haushalt Mittel eingestellt werden. Welche Schäden an welchen Schulen damit behoben werden sollen, sagte sie aber noch nicht. Der Grund: Die Haushaltsplanung soll zunächst von Kämmerer Horst Jahnke im November vorgestellt werden. Ihre Ausführungen jetzt seien „abstrakt“, das wisse sie. Sie wolle Jahnke aber nichts vorwegnehmen. Bernd Gröttrup (CDU) sagte, er habe das Ranking nicht verstanden und der Informationsgehalt der Präsentation sei enttäuschend. Er habe eine „rote Mängelliste“ erwartet.

Zeitplan sorgt für Kritik

Die Ausschussmitglieder konnten auch den Zeitplan nicht nachvollziehen. Die Stadtbaurätin sprach davon, dass, wenn man an einer Schule „rote Mängel“ behebe, in einem Abwasch teils auch „gelbe“ oder „grüne“ gebündelt mit erledigen würde. Verschiebe sich dadurch die Abarbeitung von „roten Mängeln“ an anderen Schulen, wollte Detlef Kruse (SPD) wissen. „Das kann nicht funktionieren“, sagte er. „Die zeitliche Abfolge erschließt sich mir nicht.“ Den Hinweis wolle sie „gerne noch mal mitnehmen“, so Krantz. Auch Jochen Eichhorn (GfE) wandte ein, dass die dringenden Mängel schneller als innerhalb von zwei Jahren behoben werden müssten, weil sich dynamisch ja immer wieder anderswo Mängel auftun könnten, die alles verschieben würden.

Krantz erklärte, dass man mit den vorhandenen Mitteln und dem vorhandenen Personal nicht alles überall sofort umsetzen könne. Das wäre ein Wunschtraum. Für die Behebung der kurzfristigen Mängel werden 5,29 Millionen Euro angedacht, die der mittelfristigen 13,81 Millionen Euro und die der langfristigen noch mal 3,78 Millionen Euro. Hinzukämen die geschätzten rund 15 Millionen Euro für Grundschulen. Deren Mängel waren im Herbst aufgenommen und vorgestellt worden. Die Summen können aber noch steigen. Die Baubranche ist schwer einschätzbar. Und: „Alles ist einfach nicht innerhalb von zwei Jahren leistbar“, so Krantz. Es gehe zunächst um die Mängel, deren Behebung die Funktionsfähigkeit der Gebäude sicherstelle. Aber: Auch einige Arbeiten dafür seien nicht in einem Jahr zu schaffen. Trotz aller Gründlichkeit bei der Mangelerhebung könne es natürlich sein, dass plötzlich der Anruf einer Schule zu einem unerwarteten Schaden komme und sich Prioritäten verschieben.

Worüber wollte die Stadtbaurätin eigentlich informieren?

Die Information, die sie an diesem Abend geben wollte, sei eigentlich gewesen: „Die Mangelerhebung ist weitestgehend abgeschlossen.“ An fast allen Schulen habe es Begehungen gegeben. Feste Ansprechpartner, denen die Mängel von den Hausmeistern zurück gespiegelt würden, für fast alle Schulen seien platziert. „Das funktioniert sehr gut“, so Krantz. Ein Meldesystem sei installiert worden, in dem die Hausmeister einfach die Mängel eintragen und auch den Stand der Abarbeitung einsehen können.

Zwei Handwerkerstelle seien außerdem besetzt worden. So könne man leichter Dinge direkt beheben. In einer nächsten Sitzung wolle sie das neue Werkstattkonzept vorstellen. „Wir gehen in die richtige Richtung“, betonte sie. Man sei „deutlich handlungsfähiger“. Als gutes Beispiel nannte sie den Austausch von abgängigen Fenstern, der an allen betroffenen Schulen laufe.

Ähnliche Artikel