„Fremantle Highway“ Verwirrung um Autos auf Unglücksfrachter
Es hieß, die „Fremantle Highway“ sei leergeräumt worden, nun sind aber doch noch Tausende zerstörte Fahrzeuge an Bord. Bergungsunternehmer Peter Berdowski klärt auf – und äußert sich auch zur möglichen Brandursache.
Eemshaven - Nicht zum ersten Mal entsteht Verwirrung um den ausgebrannten Autofrachter „Fremantle Highway“: Noch bis Montag hatte es geheißen, alle knapp 3800 Fahrzeuge seien in Eemshaven von Bord des Schiffs geholt worden. Das hatte ein Sprecher des zuständigen Bergungsunternehmens Boskalis der niederländischen Nachrichtenagentur ANP gesagt. Doch nun korrigierte Boskalis-Chef Peter Berdowski diese Angabe gegenüber dem „Dagblad van het Noorden“: 2800 zerstörte Autos seien immer noch an Bord – und dort sollen sie zumindest vorerst auch bleiben, sagte er der Zeitung aus Groningen, die von einem „Auto-Friedhof“ schreibt.
Darauf, warum ANP zunächst mit Verweis auf Boskalis berichtet hatte, das Schiff sei komplett leergeräumt worden, ging Berdowski nicht ein. Es sei jedenfalls nicht gelungen, alle Fahrzeuge von der „Fremantle Highway“ zu schaffen. Dafür seien die oberen Decks des Schiffs durch das Feuer zu stark beschädigt worden, das Arbeiten auf den Plattformen sei für die Bergungsexperten zu gefährlich. Es sei lediglich gelungen, knapp 1000 Autos von den vier unteren Decks zu holen. Diese waren von dem Feuer, das in der Nacht zum 26. Juli vor der niederländischen Insel Ameland ausgebrochen war, weitgehend verschont worden. Viele der dort stehenden Autos sind in den vergangenen Wochen weitgehend intakt von Bord gefahren worden. Was sowohl mit den zerstörten als auch den intakten Autos geschieht, müssen nun die Hersteller – darunter BMW, Mercedes und Volkswagen – entscheiden.
Schiff kann Eemshaven nicht aus eigener Kraft verlassen
Das weitere Schicksal des Frachters bestimmt hingegen der japanische Eigner, die Reederei Shoei Kisen Kaisha. Sie muss entscheiden, ob das Schiff repariert werden kann oder abgewrackt wird. Die „Fremantle Highway“ kann nur noch bis Mitte Oktober in Eemshaven bleiben, wohin sie am 3. August geschleppt worden war. Klar ist für Berdowski, dass sie den Hafen ohne fremde Hilfe auch nicht wieder verlassen wird: „Das Schiff muss aus dem Eemshaven herausgeschleppt werden“, sagte er dem „Dagblad van het Noorden“. Wohin es gehe und ob dann – wie schon Anfang August – wieder Boskalis für das Schleppen verantwortlich sein werde, stehe noch nicht fest.
Auf der Suche nach der Ursache des Feuers, in dessen Folge ein Besatzungsmitglied ums Leben gekommen war, läuft derzeit die Untersuchung des japanischen Eigners sowie der zuständigen Behörden aus Panama, unter dessen Landesflagge die „Fremantle Highway“ fährt. Direkt nach dem Brand hatte die niederländische Küstenwache mitgeteilt, dass ein Elektroauto wohl die Quelle des Brandes gewesen sei. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Retter davon aus, dass sich etwa 25 E-Autos an Bord befinden. Wenig später korrigierte die Reederei Kawasaki Kisen Kaisha (K Line), die das Schiff gechartet hat, diese Zahl deutlich nach oben: auf knapp 500 E-Autos.
Nach der Ankunft in Eemshaven hieß es dann, dass all diese E-Autos nicht vom Feuer betroffen seien. Die Brandursache ist aber offiziell weiterhin unbekannt. Dennoch nutzen sowohl Gegner als auch Befürworter der Elektromobilität das Unglück, um im Internet für ihre Seite zu argumentieren. Auch Berdowski äußerte sich diesbezüglich gegenüber dem „Dagblad van het Noorden“: Für ihn sei einzig und allein wichtig, dass alle Autos auf den unteren Decks – egal, ob Verbrenner, Elektro- oder Hybridfahrzeug – noch intakt gewesen seien. „Das sagt nichts über die Ursache des Brandes aus, der auf den oberen Decks entstanden ist“, so Berdowski.
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