Fischerei Steigende Dieselpreise machen Greetsieler Fischern zu schaffen
Was jeder an der Tankstelle bemerkt, macht auch den Fischern in Greetsiel zu schaffen: Steigende Spritkosten verschärfen die Lage der Branche.
Greetsiel/Küste - Im März waren die Küstenfischer im Fokus: Große Proteste begleiteten die Agrarministerkonferenz im schleswig-holsteinischen Büsum. Damals ging es um das drohende Verbot von Grundschleppnetzen, welches weiterhin nicht völlig vom Tisch ist und für 2030 drohen könnte. Doch jetzt kommt noch ein Problem hinzu.
Was und warum
Darum geht es: Die Erzeugerpreise für Krabben steigen nicht im gleichen Maße wie die Nebenkosten.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die hiesige Wirtschaft interessieren
Deshalb berichten wir: Aktuell läuft der Deutsche Fischereitag in Erfurt. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
So sind die Küstenfischer wieder von steigenden Kosten betroffen. Die Preise bei Diesel und Treibstoff für Kutter und Schiffe hätten sich erneut um 20 Prozent erhöht, sagte der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes, Gero Hocker, am Dienstag im Vorfeld des Deutschen Fischereitags in Erfurt gegenüber der Deutschen Presseagentur (DPA). Der Deutsche Fischerei-Tag, eine Fachveranstaltung des Deutschen Fischereiverbandes, begann am Dienstag in Erfurt. Er läuft noch bis Donnerstag.
Bund will wieder Hilfen bereitstellen
Ein Problem, welches auch die Fischer in Greetsiel betrifft. Hier ist Deutschlands größte Krabbenkutterflotte beheimatet. „Wenn es an der Tankstelle teurer wird, dann auch bei uns“, sagt Gerold Conradi. Der Greetsieler fährt zwar nicht mehr selbst auf einem Kutter heraus, ist aber so etwas wie das Sprachrohr der Greetsieler Fischer.
Im Hafen bleiben, wie es teilweise im vergangenen Jahr geschehen ist, sei keine Option. „Bei Stillstand geht es immer nur rückwärts“, sagt Conradi im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch Ausrüstung, Material und Reparatur seien auf breiter Front teurer geworden, so Gero Hocker. Zwar springe der Bund auch in diesem Jahr mit Hilfszahlungen in Höhe von zehn Millionen Euro ein. „Das ist allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, wird Hocker bei der DPA zitiert. Von dieser festen Zusage für Förderungen weiß man in Greetsiel noch nichts. „Es soll was geben“, sagt Conradi.
Steigende Kosten, schwankende Bestände
Neben steigenden Nebenkosten bringen die wechselnden Fangquoten und der oft kaum kostendeckende Erzeugerpreis die Fischer entlang der Nordsee weiter in Bedrängnis. Teilweise müssen, so wurde es in früheren Berichten deutlich, die Greetsieler Krabbenfischer weit hinausfahren, um bessere Krabbenbestände zu finden. Weiter hinaus fahren bedeutet aber auch: mehr Spritkosten.
Im Sommer machten Rechnungen die Runde, nach denen ein Krabbenbrötchen eigentlich zwölf oder mehr Euro kosten müsste, damit auch genügend Geld bei den Fischern landet. Bei den Nordseekrabben sei der Verkauf in den vergangenen beiden Jahren um 40 Prozent eingebrochen, sagte Verbands-Vizepräsident Dirk Sander gegenüber der DPA. „Die Situation der Küstenfischer ist im Moment sehr schwierig, es gibt etliche Insolvenzen.“
Verband kritisiert Ausbreitung von Fischfressern
Auch die Binnenfischerei und die Aquakulturbetriebe, für die die Länder zuständig seien, litten laut Hocker unter den Kostensteigerungen. Zudem macht sich nach Verbandsangaben die Kaufzurückhaltung vor allem bei hochpreisigen Erzeugnissen bemerkbar. Alaska-Seelachs sei bei den Konsumenten beliebter als der konventionelle Lachs. Fakt sei aber, dass die Fischbestände in Nord- und Ostsee zugenommen hätten und dass die Mehrzahl der Produkte aus der deutschen Fischerei das zusätzliche MSC-Nachhaltigkeitszertifikat besitze.
Kritisch äußerte sich der Verband ferner zum Schutzstatus und zur Ausbreitung von Fischfressern wie Kormoran, Otter und Kegelrobben. „Wir haben die teilweise absurde Situation, dass in der Ostsee inzwischen mehr Dorsche von Kormoranen gefressen als von Berufsfischern gefangen werden“, sagte Hocker. Nötig sei nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus ökologischen Gründen ein Quotenmanagement bei Kormoran und Co, um die Fischbestände zu schützen. „Der Schutz der Artenvielfalt darf nicht an der Wasseroberfläche aufhören“, verlangte Hocker.
Der Deutsche Fischerei-Verband, der den Fischerei-Tag ausrichtet, vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von bis zu einer Million organisierter Fischer und Angler aus allen Sparten der deutschen Fischerei. Der Umsatz der Fangwirtschaft in der Meeresfischerei betrug 2022 laut dem Verband 187 Millionen Euro. Die Erlöse der Binnenfischerei und Fischzucht werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Bundesweit sind in der Erzeugung von Fisch- und Meeresfrüchten rund 6000 Menschen beschäftigt - weitere 15.000 bis 20.000 Arbeitskräfte seien von der einheimischen Erzeugung abhängig.
Mit Material der DPA.