Berlin Blinken, Piepen und Geheule: So lief der bundesweite Warntag 2023
Ein Probealarm hat am bundesweiten Warntag in Deutschland Handys und Sirenen laut schrillen lassen. Nun haben sich erste Verantwortliche dazu geäußert, wie die Warnungen geklappt haben.
Ausgelöst wurde die Warnung an diesem Donnerstag kurz vor 11 Uhr vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Viele Bürger erhielten über das „Cell Broadcast“-System auf ihren Mobiltelefonen eine Warnung.
Verbreitet wurde der Probealarm dann auch über Radio- und Fernsehsender und auf Stadtinformationstafeln. Wer nach 11 Uhr beispielsweise die App des Deutschlandfunks öffnete, erhielt dort auch den schriftlichen Hinweis: „In Deutschland findet heute der Warntag 2023 mit einer bundesweiten Probewarnung statt. Es besteht keine Gefahr.“
Der Bund testet die Warnkanäle einmal pro Jahr, immer am zweiten Donnerstag im September.
Wer Warn-Apps wie Nina oder Katwarn auf seinem Smartphone installiert hat, erhielt auf diesem Weg auch einen Hinweis auf die Probewarnung. Bei Cell Broadcast geht die Warnung an alle dafür vorbereiteten Handys in einer bestimmten Funkzelle. Damit wurden also auch Touristen und andere Menschen mit ausländischen Mobilfunknummern, die sich gerade in Deutschland aufhalten, erreicht.
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Wer mit seiner deutschen SIM-Karte ins Ausland gereist war, erhielt am Donnerstag dagegen nur dann eine laute Warnung, wenn er eine der deutschen Warn-Apps installiert hat.
Um 11.45 Uhr kam dann wie geplant die Entwarnung. Bei der Warnung über das Cell Broadcast System, über das eine Textnachricht an alle eingeschalteten modernen Handys mit aktueller Software verbreitet wird, war keine Entwarnung vorgesehen.
Ein Sprecher der Deutschen Telekom sagte, das Unternehmen sei „mit dem Ergebnis des heutigen bundesweiten Warntags in unseren Netzen sehr zufrieden“. Die durch die Behörden ausgelöste Warnmeldung über Cell Broadcast sei „ohne Probleme aufgenommen, weitergeleitet und über unsere Mobilfunkstationen im gesamten Bundesgebiet gesendet“ worden.
Der auch für Digitales zuständige Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sagte, auch ihn habe eine Warnung erreicht – „das vermittelt mir die Sicherheit, in Notfällen und bei Katastrophen umgehend und zielgenau gewarnt werden zu können“.
Eine Pressekonferenz seines Kabinettskollegen, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), in Berlin wurde durch das laute Schrillen der vielen Mobiltelefone im Raum unterbrochen. Der Minister blieb gelassen, auch als er feststellte, dass die Warnung auf seinem Smartphone zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingegangen war.
Mit einer Testnachricht auf dem Handy sind bereits im Dezember 2022 viele Menschen in Deutschland auf das Warnsystem „Cell Broadcast“ aufmerksam gemacht worden. Am 23. Februar wurde der sogenannte DE-Alert offiziell eingeführt. Seitdem wurde er schon dutzende Male genutzt.
Nun lief der nächste flächendeckende Probealarm. Die Meldung, die Sie auf Ihr Handy erhalten, sieht aus wie eine SMS. Sie wird auf den Sperr- beziehungsweise Startbildschirm gepusht und löst einen Alarmton aus. Der ertönt auch, wenn das Handy im Lautlos-Modus ist.
Bei einigen Geräten muss der Empfang der „Cell-Broadcast“-Nachrichten aktiviert sein. Bei Apple lässt sich das über den Menüpunkt „Mitteilungen“ in der Rubrik „Cell Broadcast Alerts“ einstellen. Bei Android findet sich der Punkt in den Einstellungen unter „Sicherheit und Notfall“.
Laut einer Schätzung von Vodafone schrillten 50 Millionen Smartphones beim Probealarm am 14. September. Zudem stehen in ganz Deutschland etwa 38.000 Sirenen für den Probealarm zur Verfügung. Sie müssen wohl noch bis mindestens 2025 einzeln aktiviert werden.
„Die Sirenen müssen von den Leitstellen der Kommunen ausgelöst werden; da muss also jemand in der Leitstelle noch auf den Knopf drücken“, sagt BBK-Präsident Ralph Tiesler. Künftig sollen sie zentral vom Bund ansteuerbar sein. In der Praxis sind bundesweite Warnungen – abgesehen vom Probealarm – ohnehin der absolute Ausnahmefall. Meist wird lokal oder regional gewarnt, etwa vor Überflutungen oder Waldbränden.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz setzt neben Sirenen und Cell Broadcast noch auf weitere Warnwege, wie ein Video zeigt:
Informiert wird auch über Warn-Apps wie Nina, Warnungen in Radio und Fernsehen, Informationstafeln in Städten sowie Warnungen auf Bahnsteigen und in Zügen.
Beim ersten bundesweiten Warntag 2020 war vieles schiefgegangen, weshalb der damalige BBK-Chef, Christoph Unger, seinen Posten räumen musste. Beim zweiten Test am 8. Dezember 2022 lief es besser. „Insgesamt können wir mit einer Quote von rund 90 Prozent über alle Warnkanäle zusammen schon ganz zufrieden sein“, findet Tiesler.
(mit Material von dpa)