Schleswig-Holstein  So will Karin Prien die Handynutzung an Grundschulen im Norden einschränken

Frank Jung
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Von Frank Jung
| 12.09.2023 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ziel von Bildungsministerin Karin Prien ist es, dass Smartphones und Smartwatches während des Unterrichts nicht benutzt werden dürfen. Foto: Daniel Reinhardt
Ziel von Bildungsministerin Karin Prien ist es, dass Smartphones und Smartwatches während des Unterrichts nicht benutzt werden dürfen. Foto: Daniel Reinhardt
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Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien will Smartphones aus Grundschulen größtenteils verbannen. Nur zu Lehrzwecken und im Notfall sollen die Kinder ihre Handys nutzen dürfen. Die Opposition und der Landeselternbeirat unterstützen ihren Kurs.

Bildungsministerin Karin Prien drängt darauf, die private Handynutzung an Grundschulen weitestgehend einzuschränken. Dazu hat die CDU-Politikerin den Schulen jetzt in Form eines Erlasses Eckpunkte an die Hand gegeben. Ziel ist es, dass Smartphones und Smartwatches während des Unterrichts nicht benutzt werden dürfen. Ausnahme: zu pädagogischen Zwecken auf ausdrückliche Genehmigung der Lehrkräfte.

Während der Pausen möchte Prien, dass digitale Endgeräte nur bei besonderen Anlässen an sind. So soll der Erholungszweck der Pausen erhalten bleiben. Als Anlass gilt etwa, wenn ein Kind wegen vergessener Gegenstände mit zu Hause Kontakt aufnehmen möchte oder eine neue Uhrzeit zum Abholen besprochen werden muss, weil sich spontan der zeitliche Ablauf des Schultags geändert hat.

Ungefragt darf demnach nur in Notfällen mit dem Handy telefoniert werden. „Wir erhalten durchaus positive Rückmeldungen, dass sich die Schulen gestärkt fühlen gegenüber den Eltern“, sagte Prien am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags. Gleichwohl verzichtet sie darauf, selbst ein komplett einheitliches landesweites Verbot zu erlassen. Die Ministerin überlässt es jeder Schule, im Lichte der Eckpunkte „im Dialog“ mit den Eltern eine eigene Regelung zu vereinbaren.

Sie deutete an, dass zum einen juristische Gründe ein direkteres Vorgehen der Landesregierung zweifelhaft machen. Zum anderen nütze ein Verbot, ohne vor Ort mit den Erziehungsberechtigten ins Gespräch zu kommen, wenig. Prien sagt: „Oft sind es gar nicht so sehr die Kinder, die unbedingt ein Smartphone oder eine Smartwatch mit in die Schule nehmen wollen, sondern es sind die Eltern, die die Kinder auf diesem Weg auch kontrollieren wollen.“

Die Landtags-Opposition aus SPD, FDP und SSW erhob keine Einwände gegen Priens Kurs. Inhaltliche Unterstützung signalisiert auch der Vorsitzende des Landeselternbeirats für Grundschulen, Volker Nötzold: „In dem Alter sind solche Geräte noch viel zu früh. Es ist gut, damit an den Grundschulen sehr, sehr sparsam umzugehen.“ Jedoch würde Nötzold für eine wirksame Umsetzung ein strikteres Vorgehen des Bildungsministeriums vorziehen: „So macht sich die Ministerin auch einen schmalen Fuß. Es ist wenig Schützenhilfe im Alltag, wenn das Ministerium letztlich unklar bleibt. So haben Eltern das Gefühl, dass sie den schwarzen Peter abkriegen.“

Beate Blaseio, Professorin in der Grundschullehrer-Ausbildung der Europa-Universität Flensburg, findet ein Verbot „nicht das richtige Mittel, denn Handys gehören heute zur Lebenswelt von Grundschulkindern. Vielmehr geht es darum, ihnen pädagogisch begleitet einen altersgerechten Umgang damit zu ermöglichen.“

Weiterlesen: Niedersachsen lehnt generelles Handyverbot an Schulen ab

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