WEC-Turmbau-Nachfolger Energiewende verschafft Emdern neue Aufträge
Vor zwei Jahren übernahm die Bettels-Gruppe mitten in der Windkraft-Krise den ehemaligen Enercon-Partner WEC Turmbau in Emden. Inzwischen geht es wieder aufwärts. Wie ist das dem Unternehmen gelungen?
Emden/Hildesheim/Sengenthal - Im Sommer 2021 hatte die Hermann-Bettels-Gruppe aus Hildesheim den damaligen Enercon-Partner WEC Turmbau in Emden übernommen und sogleich einen Stellenabbau angekündigt. Inzwischen gehe es jedoch wieder aufwärts, wie Geschäftsführer Knut Bettels unserer Redaktion sagte: Etwa 150 Beschäftigte würden derzeit bei Bettels Betonfertigteile in Emden arbeiten. „Wir waren in der Tiefphase bei 130“, so Bettels. „Aber wir haben uns stabilisiert und können auch schon wieder einstellen.“ Geplant sei, noch in diesem Jahr 40 weitere Leute einzustellen.
Für den Aufschwung mitverantwortlich ist der geplante Ausbau der Windenergie und in diesem Zusammenhang eine neue Kooperation mit der Firmengruppe Max Bögl aus der Oberpfalz. Gemeinsam will man ab jetzt in Emden Türme für Windkraftanlagen produzieren, wie aus einer Mitteilung der beiden Partner hervorgeht.
Aufträge für Terminals, Autobahnen und die dänische Bahn
Bettels widmet sich damit wieder verstärkt dem Geschäft, das WEC Turmbau zuvor jahrelang exklusiv für Enercon erledigt hatte. Knut Bettels hatte aber bereits bei der Übernahme 2021 betont, er wolle die Abhängigkeit des Unternehmens von dem Auricher Windkraftanlagenhersteller verringern und auch Aufträge aus anderen Branchen an Land ziehen. Und das sei in den vergangenen Jahren auch gelungen: Laut Bettels wurden in Emden Betonteile für das im vergangenen Jahr errichtete LNG-Terminal in Wilhelmshaven, für Umspannwerke, für Autobahnbrücken und für die Dänischen Staatsbahnen gefertigt.
Als Bettels WEC Turmbau vor zwei Jahren übernahm, steckte der Ausbau der Windkraft in Deutschland in der Krise. Gleiches galt damit auch für Enercon, womit die Aufträge aus Aurich für WEC weniger wurden. Bettels sah sich deshalb zu einem Stellenabbau gezwungen: 40 von damals 180 Beschäftigten sollten gehen, was zum Streit mit dem Betriebsrat und der IG Metall führte, der schließlich sogar vor Gericht ging.
Mit der Energiewende hat sich „der Wind gedreht“
Doch inzwischen habe sich „der Wind gedreht“, sagte Knut Bettels. Die von der Ampel-Koalition eingeleitete Energiewende, mit der nach dem Angriff auf die Ukraine auch die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas gelöst werden soll, biete nun auch der Unternehmensgruppe neue Chancen in der Windenergie. Der Geschäftsführer zeigt sich im Nachhinein überzeugt, in Emden den richtigen Weg gegangen zu sein: „Ich hätte den Standort nicht übernommen, wenn ich nicht optimistisch wäre.“
Bögl fertigt derzeit nach eigenen Angaben pro Jahr etwa 400 Hybridtürme – also Türme sowohl aus Beton als auch aus Stahl – an den Standorten Sengenthal in der Oberpfalz sowie Osterrönfeld am Nord-Ostsee-Kanal. Zuletzt sei die Nachfrage deutlich gestiegen – auch aufgrund der ambitionierten Ausbauziele der Bundesregierung für die Windkraft an Land. Durch die Kooperation mit Bettels Fertigbetonteile in Emden wolle man die Produktionskapazität bis zum kommenden Jahr deshalb auf bis zu 600 Türme pro Jahr erhöhen.
Auch alte Enercon-Aufträge tauchen plötzlich wieder auf
„Als Marktführer bei der Herstellung von Hybridtürmen mit großen Nabenhöhen leisten wir einen bedeutenden Beitrag, die notwendigen Kapazitäten für den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien bereitzustellen“, sagte Vorstandschef Stefan Bögl laut Mitteilung.
Mit Bögl habe man einen „langfristigen Vertrag“ geschlossen, sagte Knut Bettels. Man wolle für den Ausbau der Produktion deshalb am Standort Emden investieren. Doch auch Enercon spielt für Bettels weiterhin eine Rolle: Der Liefervertrag mit den Aurichern laufe zwar in diesem Jahr aus, doch kämen nun vermehrt ältere Aufträge in Emden an, die es abzuarbeiten gelte. Die damit zusammenhängenden Windkraftprojekte hätten lange in der Schublade gelegen und auf ihre Genehmigung gewartet – dank der Energiewende würden sie nun doch noch realisiert.