Ostfriesland-Image Für Tourismus wäre großes Milchkuh-Schwinden ein Problem
Viele Urlauber kommen nach Ostfriesland für die typische Landschaft. Dazu gehören auch: Milchkühe auf der Weide. Doch mehr Landwirte geben ihre Tiere ab.
Ostfriesland/Krummhörn - Touristen würden wohl ganz schön komisch aus der Wäsche schauen, wenn sie nach Ostfriesland kämen und nicht eine Milchkuh auf der Weide sehen würden. „Es ist eine der ersten Assoziationen mit der Region“, sagt Wiebke Leverenz, Sprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH. „Die Schwarzbunte auf der Weide ist total imageprägend für die Region.“ Dass das auch so bleibt, sei für die Touristikerinnen und Touristiker schon „sehr wichtig“.
Wir haben mit ihr über das Thema gesprochen, weil in diesem Jahr zwei Milchbetriebe im Krummhörner Dorf Rysum ihr Milchvieh abgegeben haben und ein weiterer im Nachbardorf Loquard das derzeit plant. Drei Prozent der ostfriesischen Betriebe hören im Jahr auf, sagte Rudolf Bleeker vom Landwirtschaftlichen Hauptverein Ostfriesland im Mai gegenüber dieser Zeitung.
Landschaftsbild und regionale Produkte wichtig
Wenn immer mehr Milchkühe schwinden, wäre das „sehr schade und bedauerlich“ aus Sicht des Tourismus, sagt Wiebke Leverenz. Außer dem Landschaftsbild sei es auch wichtig, dass Gäste hier regionale Produkte wie Milch oder Käse kaufen und sich landwirtschaftliche Betriebe oftmals auch vor Ort anschauen können.
Die Melkhuskes, Hofläden, Käsereien, Hofcafés und anderes beispielsweise würden gerne von Touristen angelaufen. Sie hebt auch hervor, dass sich einige Landwirtinnen und Landwirte besondere Konzepte überlegen, mit denen sie ihren Betrieb mit dem Tourismus besser verbinden können.
Landwirte verbinden Tourismus und Betrieb
Sie nennt etwa Addi’s Hofkiste, den Hofladen von Junglandwirt Adrian Campen aus Ihlow. Dort kann man Eiscreme aus eigener Milchproduktion probieren - und es gibt typisch ostfriesische Geschmacksrichtungen, etwa Kinnertörn-Eis. Auch Antjes Käsehuus von Antje Zents im Emder Stadtteil Twixlum hebt sie hervor. Junge Landwirtinnen und Landwirte würden auch die sozialen Medien nutzen, um mehr über ihre Arbeit zu zeigen - etwa Maren Osterbuhr aus Großefehn mit ihrem Account „Maren. Opunkt“ bei Instagram. Ihr folgen immerhin mehr als 22.500 Leute.
Ein Betrieb müsse natürlich schauen, dass er wirtschaftlich arbeite und nicht jedes Konzept passe zu jedem. Aber: Bei einer Infoveranstaltung der Touristiker vor kurzem, bei der Landwirte einen Einblick darin bekommen konnten, wie Urlaub und Landwirtschaft miteinander harmonisieren kann, habe es einen „regen Zuspruch“ gegeben.
Noch ist Ostfriesland Milchland
Obwohl einige Betriebe aufgegeben oder verändert werden, dominiert das Milchvieh noch die grünen Weiden. Rund zwei Drittel der Fläche Ostfrieslands wird landwirtschaftlich genutzt - und etwa die Hälfte dessen ist Dauergrünland. Das dient zum Großteil der Milchwirtschaft. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe der Region ist mit der Milcherzeugung beschäftigt. Laut einer Zählung des niedersächsischen Landesamts für Statistik im Jahr 2020 waren es rund 1700Unternehmen, die größtenteils von Familien geführt wurden. Ostfriesland ist Milchland.
20 Prozent der niedersächsischen Milchkuhhaltungen befinden sich in dieser Region – und mit fast 150.000 Milchkühen rund 18 Prozent des Kuhbestands des Bundeslandes, wie Christine Licher, Sprecherin der Landesvereinigung der Milchwirtschaft mitteilt. In den Landkreisen Leer und Wittmund etwa gibt es mehr Rinder als Menschen. „Aufgrund des hohen Grünlandanteils ist Ostfriesland eine besondere Gunstregion für Milchwirtschaft“, erklärt Licher.