Nach Vorfall in Emder City  Messer-Angreifer begeht nach Entlassung weitere Straftat

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 08.09.2023 18:34 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Zwischenfall am Sonntag ereignete sich in der Fußgängerzone Zwischen Beiden Märkten in der Emder Innenstadt. Sie war zu der Zeit sehr belebt. Foto: Hanssen/Archiv
Der Zwischenfall am Sonntag ereignete sich in der Fußgängerzone Zwischen Beiden Märkten in der Emder Innenstadt. Sie war zu der Zeit sehr belebt. Foto: Hanssen/Archiv
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Der 29-Jährige, der am Sonntag in der Innenstadt nach zwei Warnschüssen überwältigt wurde, soll am Dienstag einen räuberischen Diebstahl begangen haben. Der Stand der Dinge.

Emden - Der Fall des Mannes, der am vergangenen Sonntagnachmittag in einer belebten Fußgängerzone der Emder Innenstadt mit einem Messer hantiert hatte und damit auf Polizisten zugelaufen war, zieht weitere Kreise. Wie jetzt bekannt wurde, soll der 29-Jährige am Tag nach seiner Entlassung aus einer psychiatrischen Klinik eine weitere Straftat begangen haben.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Aurich bestätigte am Freitag dieser Zeitung auf Anfrage, dass der Mann in dem Verdacht steht, am Dienstagmorgen in Emden einen räuberischen Diebstahl begangen zu haben. Details dazu nannte sie nicht. Wenige Stunden danach nahmen Polizisten den 29-Jährigen erneut fest.

Die Haftprüfung lief bereits

Ein Haftrichter beim Amtsgericht in Emden erließ noch am selben Tag Haftbefehl, weil die Gefahr bestand, dass der Mann erneut auffällig werden oder fliehen könnte. Der 29-Jährige, der keinen festen Wohnsitz hat und aus dem Raum Oldenburg nach Emden kam, sitzt jetzt in einer Justizvollzugsanstalt in Oldenburg.

Laut der Sprecherin hatte die Staatsanwaltschaft bereits vor der weiteren Straftat wegen des Vorfalls vom Sonntag Haftprüfung gegen Mann beantragt. Dieses Verfahren habe sich aber bis Dienstag hingezogen. Die neue Straftat habe nur „den letzten Ausschlag gegeben“, so die Sprecherin.

Warnschüsse stoppten den Verdächtigen

Zunächst war der 29-Jährige am Sonntagnachmittag in der Fußgängerzone Zwischen Beiden Märkten von vier Polizeibeamten und mit Hilfe eines beherzt handelnden Eiscafé-Besitzers überwältigt und festgenommen worden. Die Umstände sorgten für viel Aufsehen. Einer der Beamten hatte aus seiner Dienstwaffe zwei Warnschüsse abgegeben, um den Mann zu stoppen.

Der Tatverdächtige hatte zuvor in der Fußgängerzone laut mit sich selbst geredet und heftig mit dem Messer gestikuliert. Passanten riefen deshalb die Polizei. Die von Bars, Cafés und Restaurants gesäumte Fußgängerzone war zu dieser Zeit bei schönem sommerlichen Wetter sehr belebt.

Klinik entschied über Entlassung

Nach seiner Festnahme war der 29-Jährige zur Untersuchung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und am Montag wieder entlassen worden. Offenbar geschah das auf Veranlassung der behandelnden Ärzte. Die Staatsanwaltschaft war nach eigenen Angaben bei dieser Entscheidung nicht eingebunden. Die Behörde habe davon erst erfahren, nachdem besorgte Bürgerinnen und Bürger den Mann am Montag in der Innenstadt wiedererkannt und die Polizei alarmiert hatten.

Nach Angaben der Polizei stand der Tatverdächtige bei dem Vorfall am Sonntag unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol. Die Ermittler gehen nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass er psychisch krank ist.

Vorgang löste Unverständnis aus

In Teilen der Bevölkerung war die Tatsache, dass er am Montag auf freien Fuß gesetzt wurde, auf Unverständnis und Empörung gestoßen. Auch der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) hält das für „nicht nachvollziehbar“. Nach seiner Auffassung bedarf es Überlegungen auf der Ebene des Bundes, die Strafgesetzgebung zu verschärfen und den Anforderungen einer veränderten Gesellschaft anzupassen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft gibt es hingegen keine Lücken im System. Die geltenden Gesetze seien ausreichend, heißt es von dort.

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