Kriminalität Notruf-Attacke gegen den ostfriesischen CDU-Politiker Ulf Thiele
Eine kriminelle Notruf-Attacke gegen den CDU-Landtagsabgeordneten Ulf Thiele traf die Filsumer Feuerwehr. Sie musste am Samstagabend sinnlos ausrücken. Was ist bisher über den Vorfall bekannt?
Ostfriesland/Hannover - Der CDU-Landtagsabgeordnete Ulf Thiele bekam am vergangenen Samstag Feuerwehr-Besuch – in seinem Wohnhaus in Stallbrüggerfeld (Samtgemeinde Jümme). Über die Nora-App – ein Notruf-Programm für Mobiltelefone – war Gasgeruch gemeldet worden. Aber nicht von Thiele oder einem Nachbarn, sondern offenbar von irgendjemandem, der den Politiker ärgern wollte. Es handelte sich demnach um einen absichtlich ausgelösten Fehlalarm. Diese Form der Kriminalität wird als „Swatting“ bezeichnet – das englische Wort für „schlagen“.
Eine „schäbige Aktion“ nennt Thiele den Vorfall. Denn es sei „schäbig, so eine Aktion auf dem Rücken von freiwilligen Feuerwehrleuten auszutragen“. Die Filsumer Wehr rückte in seinem Fall mit zwei Fahrzeugen aus, wie Ortsbrandmeister Onno Cramer berichtet. Er rief Thiele bereits von unterwegs an, weil die Hausnummer nicht eindeutig war, die im Notruf genannt worden war. „Ich finde es sehr ärgerlich für die freiwilligen Feuerwehr-Leute“, betont Thiele.
So erreichte der gefälschte Notruf die Filsumer Feuerwehr
Der Notruf sei über die Nora-App eingegangen, berichtet Gerold Zwick, Gemeindebrandmeister in der Samtgemeinde Jümme. Sie soll Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung helfen, in Notlagen die Rettungskräfte zu alarmieren. Es habe sich um eine sogenannte „Feuer-Erkundung“ gehandelt, erläutert Zwick – da Gasgeruch gemeldet worden sei.
Im Fall Thiele lag es nach dem vorangegangenen Anruf des Ortsbrandmeisters relativ schnell nahe, dass es sich um einen Fehlalarm handeln dürfte. Trotzdem haben sich die Feuerwehrleute sicherheitshalber noch in der Straße umgesehen, wie der Landtagsabgeordnete erzählt.
CDU-Politiker Thiele war nicht das einzige Opfer einer Swatting-Attacke
Was so ein Einsatz kostet, lasse sich pauschal nicht sagen, erklärte Gemeindebrandmeister Zwick. Das sei abhängig davon, wie viele Fahrzeuge und Kräfte eingesetzt worden seien und wie groß der Zeitaufwand gewesen sei. Von unserer Redaktion nach „einem Daumenwert“ gefragt, schätzte er, dass sich die Kosten ganz grob in einer Größenordnung von 500 Euro bewegen könnten.
Thiele sagt, er sei am Samstagabend – der Anruf des Ortsbrandmeisters habe ihn um 18.25 Uhr erreicht – zunächst von einem „Dumme-Jungen-Streich“ ausgegangen. Am Montag habe er jedoch von einem Kollegen aus der CDU-Landtagsfraktion gehört, dass er ungefähr zeitgleich von einer Swatting-Attacke betroffen gewesen sei – und weitere Kollegen ebenfalls. Die Pressestellen der CDU-Fraktion und der SPD-Fraktion haben entsprechende Vorfälle auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt.
Thiele geht nicht mehr von einem „Dumme-Jungen-Streich“ aus
Von einem Bekennerschreiben weiß Ulf Thiele bislang noch nichts. Nachdem mehrere Landtagsabgeordnete betroffen gewesen seien, geht er aber von einem politischen Hintergrund aus. Der Politiker gibt zu bedenken, was so eine Aktion für Folgen haben kann – wenn es einen echten Notfall gegeben hätte, während Feuerwehrleute wegen der Swatting-Attacke bei ihm gebunden waren.
Die ostfriesischen SPD-Landtagsabgeordneten Nico Bloem und Wiard Siebels waren nicht betroffen – sie hatten aber beide von den Vorfällen gehört. Bloem sagte mit Blick auf den oder die Täter: „Ich weiß nicht, was in den Köpfen vorgeht. Durch den Fehlalarm schicken sie unsere ehrenamtlichen Feuerwehrfrauen und -männer, denen wir immer wieder nur danken können, unnötig in den Einsatz.“
Es handelt sich nicht um die erste Swatting-Attacke im Landkreis Leer
Der Fall Thiele ist die dritte Swatting-Attacke im Landkreis Leer, die Kreisfeuerwehr-Pressesprecher Dominik Janßen bekanntgeworden ist. Zu einer sei es zwischen verfeindeten Familien gekommen, zu einer weiteren in einem Nachbarschaftsstreit. Der falsche Notruf vom Samstag sei also der erste, der sich gegen einen Politiker gerichtet habe.
Die absichtlich ausgelösten Fehlalarme seien über die Nora-App eingegangen, sagt Janßen. Müsste das Mobiltelefon-Programm besser gegen Missbrauch geschützt sein? Da sieht der Feuerwehr-Pressesprecher keine Möglichkeiten. Das Notruf-Instrument müsse sehr einfach und sehr schnell zu bedienen sein. Da könne man im Notfall nicht erst eine Registrierung des Nutzers verlangen. Mit Blick auf die Swatting-Attacken fügt er hinzu: „So oft kommt das zum Glück nicht vor.“
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