Sidney und Lea Hoffmann ziehen um Ostfrieslands Tuner sind heiß auf einen Kult-Star der Szene
Autoveredler Sidney Hoffmann wird noch in diesem Jahr mit seiner Frau Lea nach Aurich ziehen und eine Werkstatt eröffnen. Davon verspricht sich die Branche einiges.
Aurich - Mal eben anhalten. Es ist nur ein Pit-Stop, den Kult-Tuner Sidney Hoffmann mitten in der Wüste von Nevada einlegt. Dort ist ein Gelände von der Größe des Nürburgrings mit hohen Zäunen abgesperrt. Die Luft vibriert vom Sound leistungsstarker Maschinen. Alles E-Autos mit 750 PS und mehr. Dann zoomt die Kamera in dem Video „Sidneys Welt“ eine Szene heran: Ein Wagen rast auf einen sehr breiten Graben zu. Statt in die Tiefe zu stürzen, schnellt das Fahrzeug katapultartig hoch, fliegt durch die Luft und kommt auf der anderen Seite des Grabens zum Stehen. Wow!, denkt nicht nur der Zuschauer dieses Videos. Wow, sagt auch Sidney Hoffmann selbst und folgt der Einladung des Rennfahrers Oliver Bennett, eine Runde zu drehen. Der 44-Jährige ist eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Automobil-Szene. Für den Sender D-Max ist er mehrfach in die USA gereist, wo der gebürtige Dortmunder viele Freunde aus der Tuning-Branche hat, unter anderem Gary Emory, den Mann, der 1968 den Baja Bug kreiert hat, den ersten VW Käfer, der für den Einsatz im Gelände umgebaut wurde. Und diese Freunde besucht der 44-Jährige bei seinen Trips gerne. Los Angeles ist seine Lieblingsstadt in den Staaten, LA also.
Diese Abkürzung steht allerdings seit einigen Wochen für den künftigen Wohnsitz des Unternehmers: Sidney Hoffmann wird zusammen mit seiner Frau Lea, die aus Aurich stammt und früher Rosenboom mit Nachnamen hieß, nach Ostfriesland ziehen. Ihrer zwei kleinen Söhne zuliebe, die in einem behüteten Umfeld aufwachsen sollen. LA ist das Zukunftskürzel des Promi-Paares und steht demnächst für den Landkreis Aurich. Dort hat sich die Nachricht vom Umzug des Paares bereits vor anderthalb Wochen herumgesprochen. „Ich habe davon gehört und kann nur sagen, dass jeder, der was mit Autos in dieser Form zu tun hat, bei uns herzlich willkommen ist“, sagt Jörn Schneider. Der 35-Jährige verbringt einen großen Teil seiner Freizeit in seiner Werkstatt in Wiesmoor-Voßbarg, wo er Opel-Fahrzeuge veredelt. In der Szene habe jeder seine Marke, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Sidney Hoffmann ist ein großer Volkswagen- und Porsche-Fan. Für die Marken New Beetle Cabrio und T2-Bus brennt er besonders. Das Ziel beim Tuning: „Jeder will sich in seinem Fahrzeug widerspiegeln“, sagt Jörn Schneider. Natürlich gehe es um die Optik, aber nicht nur. Ebenso wichtig sei der Erlebniswert beim Fahren. Das Geräusch des Motors und das Gefühl für die Straße wirkten ebenfalls stark auf die Umgestaltung ein.
Szene ist sehr lebendig
Manchmal besorgen sich die Edel-Schrauber nur die Karosserie samt Chassis – das Getriebe, das Innenleben und den Motor bauen sie selbst ein. Die Teile dafür gibt es nicht im Baumarkt. Wichtig sind Informationen über gute Adressen und Händler. „Die Tuner-Szene ist sehr lebendig. Sie lebt vom Austausch. Nicht umsonst gibt es die abendlichen Treffen auf dem Parkplatz der Sparkassen-Arena“, sagt Jörn Schneider. Nach seiner Einschätzung ist Ostfriesland ein guter Tuner-Standort. „Es gibt bei uns doch in jedem Dorf einen aus der Szene. Man muss nur wissen wo“, ist sich Jörn Schneider sicher. Deshalb glaubt er, dass sich Sidney Hoffmann in der Region wohlfühlen wird.
Das sieht auch Max Cornelius so. Der Friedeburger Autohändler und D-Max-Tüftler mit einer Vorliebe für Ost-Autos schätzt, dass es „sehr, sehr gut für den Landkreis Aurich ist, wenn sich Sidney Hoffmann mit einer Werkstatt in Aurich ansiedelt“. Konkurrenz gebe es im strengen Sinne in der Szene nicht. Jeder habe seinen hoch spezialisierten Beritt: „Da kommt man sich nicht in die Quere“, ist sich der Friedeburger sicher, der gerade mehrere Folgen für die zweite Staffel von „Max‘ Carshop – Schrauben frei Schnauze“ abgedreht hat. Der in Middelsfähr (Schortens) lebende Händler, Bastler und Youtuber mit 48.800 Followern auf seinem Kanal „Max Speedshop“ ist leidenschaftlicher Auto- und Teilesammler. Auf die Frage, wie die Popularität von Sidney Hoffmann einzuschätzen sei, ob er für die Tuning-Szene das sei, was der Koch Johann Lafer für die Genusswelt ist, reagiert Max Cornelius spontan abwehrend: „Das würde ich nicht sagen. Ich glaube, dass Jean Pierre Kraemer, der ehemalige Partner von Hoffmann, noch erfolgreicher ist.“
Tuning-Messe mit Champagner
Die beiden hatten 2007 in Dortmund die Firma Five Star Performance GmbH gegründet. Zwei Jahre später produzierte das Deutsche Sportfernsehen (DSF) mit ihnen die Doku-Soap „Die PS-Profis − Mehr Power aus dem Pott“. 2012 trennten sich die Geschäftspartner, fanden aber zwei Jahre später für die Sendung „2 Profis für 4 Räder“ vor der Kamera wieder zusammen. Aktuell ist Sidney Hoffmann Markenbotschafter der VW-Premium- und Performance-Tochter Volkswagen R. Am heutigen Sonnabend wird er in Wolfsburg einen von ihm konzipierten Projekt-Golf R enthüllen. Der Dortmunder und baldige Wahl-Ostfriese ist häufig bei PR-Veranstaltungen dieser Art unterwegs. Diese sind im Ruhrgebiet und in einigen Regionen Süddeutschlands sehr viel häufiger anzutreffen als im Norden. So gibt es etwa in Friedrichshafen am Bodensee seit Jahren eine Tuning-Messe mit Champagner und der Wahl einer Miss Tuning.
Das vielfach auch mit einem Schmuddel-Image belegte Tuning erhält durch solche Veranstaltungen einen stylisheren und positiven Charakter. Andreas Gröger von den Opel-Freunden-Ostfriesland verspricht sich deshalb für die Szene einiges von Sidney Hoffmanns Umzug. Das könnte gute Impulse bringen, auch für das Image. Tuner hätten zu Unrecht einen zweifelhaften Ruf, findet der Moormerländer. Vor Corona habe es noch einige Szene-Treffen gegeben. Durch die Pandemie sei das eingeschlafen. Jetzt fange man klein wieder an: „Wir treffen uns am Sonntag, 17. September, ab 10 Uhr auf dem Remelser Herbstmarkt.“ Interessierte seien herzlich willkommen. Noch ist es eher unwahrscheinlich, dass auch Sidney Hoffmann mal vorbeischaut.