Fehlalarme für Einsatzkräfte Notruf-Attacke gegen Landtagsabgeordnete – erste Infos
In Niedersachsen wurden Notrufe zum Nachteil von Rettungskräften und Landtagsabgeordneten abgesetzt, also absichtlich Fehlalarme verursacht. Mindestens die SPD- und CDU-Fraktion waren betroffen.
Hannover/Ostfriesland - Landtagsabgeordnete sind kürzlich Opfer eine Notruf-Attacke geworden. Es geht nach Informationen unserer Zeitung um absichtlich verursachte Fehlalarme, die über mindestens ein Notruf-System ausgelöst worden sind. Das heißt, Einsatzkräfte wie Feuerwehrleute sind unter einem Vorwand zu Landtagsabgeordneten alarmiert worden.
Nach unbestätigten Informationen soll das über die Nora-App passiert sein. Ein Smartphone-Programm, das vor allem Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung das Absetzen eines Notrufs erleichtern soll. Dazu passt die ebenfalls noch unbestätigte Information unserer Zeitung, dass Notlagen von Behinderten vorgetäuscht worden sein sollen, um die Einsatzkräfte zu den Landtagsabgeordneten zu schicken.
Niedersächsische Landtagsfraktionen berichten von Fehlalarmierungen
„Tatsächlich kam es bei einigen unserer Fraktionsmitglieder zu Fehlalarmierungen, die auch ein Ausrücken von Einsatzkräften zur Folge hatten“, berichtet die SPD-Landtagsfraktion. „Wir können bestätigen, dass es solche Vorfälle gegeben hat“, schreibt auch die CDU-Landtagsfraktion.
„Die Polizei hat nach unserer Kenntnis Ermittlungen aufgenommen“, so die SPD-Fraktion weiter. „Daher und vor dem Hintergrund der Sensibilität der Vorfälle bitte ich Sie, sich für alles Weitere an das zuständige Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport zu wenden.“
Nach den Vorfällen stellen sich Fragen – zuständig ist das Innenministerium
Eine „eilige Presseanfrage“ hat unsere Zeitung bereits am Donnerstagabend gerichtet – bis Freitag, 8. September, um 14 Uhr aber noch keine Antwort erhalten. Das sind die Fragen: „Um was für eine Fehlalarmierungs-Attacke hat es sich gehandelt? Wie viele Landtagsabgeordnete waren betroffen? Landtagsabgeordnete welcher Fraktionen waren betroffen? Waren noch weitere Personen von Fehlalarmierungen betroffen? Wie viele Feuerwehren waren von den Fehlalarmen betroffen – lässt sich sagen, wie viele Einsatzkräfte-Stunden, Kosten, et cetera angefallen sind? Wann ereigneten sich die Fehlalarmierungs-Attacken? Auf welchem Weg gingen die Fehlalarmierungen ein? Wie war diese Attacke möglich - hat die Nora-App Sicherheitslücken? Was ist bislang über den oder die Täter bekannt - ist ein politischer Hintergrund denkbar und falls ja, welcher? Können solche Fehlalarmierungen künftig verhindert werden und falls ja, wie?“
Bei der CDU-Landtagsfraktion tun sich ebenfalls Fragen auf: „Zur genauen Klärung des Sachverhalts werden wir uns mit einer sogenannten ,Kleinen Anfrage’ an die Landesregierung, in diesem Fall an das Innenministerium, wenden.“ Noch nicht auf die Anfragen geantwortet haben Grüne- und AfD-Fraktion.
Im Juni gab es eine ähnliche Attacke in Ostfriesland
Ende Juni hatte es einen gefälschten Notruf im Wittmunder Bereich gegeben. Das Innenministerium bewertete den Vorfall als „Swatting oder Pishing“. Hierbei würden Nutzerdaten abgefangen und ohne Wissen des Opfers verwendet, um ihm zu schaden.
Als Swatting werden Straftaten bezeichnet, bei denen ein Notfall per Notruf vorgetäuscht wird – um im Extremfall eine polizeiliche Spezialeinheit zum Opfer der Attacke zu schicken. Im Wittmunder Fall waren es Feuerwehr und Rettungsdienst. „Über die Hintergründe des Notruf-Missbrauchs liegen keine Erkenntnisse vor“, teilte damals das Innenministerium mit.
Unsere Redaktion hat nun auch Anfragen an einige ostfriesische Landtagsabgeordnete gerichtet, um abzuklären, ob auch sie von Notruf-Attacken betroffen waren.