Berlin  Nancy Faeser und die Schönbohm-Affäre: Abtauchen hilft nicht

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 07.09.2023 15:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Will sich nicht persönlich im Innenausschuss erklären: Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Foto: Carsten Koall
Will sich nicht persönlich im Innenausschuss erklären: Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Foto: Carsten Koall
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Nancy Faeser ließ Arne Schönbohm fallen wie eine heiße Kartoffel. Jetzt scheint sie die Sache aussitzen zu wollen. Besser wäre eine Erklärung.

Schon jetzt ist der Schaden in der Schönbohm-Affäre für Nancy Faeser beträchtlich. Rein menschlich betrachtet, war es eine Fehlentscheidung, ihren Behördenleiter nach einem kritischen Fernsehbeitrag fallen zu lassen. Eine solche Chefin wünscht sich keiner.

Minister leiten in der Regel große Häuser mit vielen Hundert Mitarbeitern. Sie tragen Verantwortung für ihr Personal. Faeser stellte sich nicht vor ihren Behördenleiter, im Gegenteil. Dass die in der Böhmermann-Show erhobenen Vorwürfe nach der Überprüfung haltlos waren, macht die Sache noch schlimmer. Faeser entschied voreilig, weil sie ganz offensichtlich mehr um den eigenen Ruf als den ihres Mitarbeiters besorgt war. 

Jetzt holt sie die Sache ein. Sollte bewiesen werden können, dass sie sich als Innenministerin über Recht und Gesetz hinwegsetzte, indem sie den Inlandsgeheimdienst auf Schönbohm ansetzte, wäre sie nicht länger im Amt tragbar.

Einen Untersuchungsausschuss wird die SPD-Fraktion zu verhindern wissen, zumal in wenigen Wochen hessische Landtagswahl und Nancy Faeser Spitzenkandidatin ist. Die offenen Fragen werden sie trotzdem auf Schritt und Tritt verfolgen.

Der Amtsbonus der Bundesinnenministerin, der ihr Rückenwind für die Wahl hatte geben sollen, ist dahingeschmolzen. Die Schönbohm-Affäre ist zum Malus geworden. Faeser könnte ihn nur noch loswerden, indem sie nicht abtaucht, sondern sich ausführlich erklärt.

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