Polizei im Einsatz Streit in Emder Herrentor-Schule – Schüler durch Messer verletzt
Am Donnerstag hat es an der Oberschule einen Streit zwischen mehreren Jugendlichen gegeben. Ein Schüler hatte ein Messer dabei. Er verletzte einen anderen damit. Die Polizei warnt vor Facebook-Panikmache.
Emden - Auf dem Schulhof der Oberschule Herrentor in Emden ist am Donnerstagmittag ein Streit zwischen mehreren Schülern aus dem Ruder gelaufen. Laut Svenia Temmen, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, hatte ein Schüler ein Messer in der Tasche. Das zog er während des Gerangels und „fuchtelte damit um sich“. Ein anderer Junge, der den Streit schlichten wollte, sei dadurch „unten am Rücken geschnitten“ worden, so Temmen. „Aber nicht tief“, betont sie.
Zur Sicherheit wurde der verletzte Schüler ins Krankenhaus gebracht. Da es sich um einen Jugendlichen handelt, bleibe er auch über Nacht dort zur Beobachtung. Sein Zustand sei stabil und wird als nicht lebensbedrohlich eingestuft, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Nachmittag mit. Der Junge, der das Messer benutzt hatte, sei von dem Jugendermittler der Polizei mitgenommen worden, so die Sprecherin. Aufgrund unterschiedlicher Zeugenaussagen sind die genauen Tatumstände den Angaben nach noch nicht abschließend geklärt. Die Polizei in Emden und die Staatsanwaltschaft in Aurich haben nach eigenen Angaben die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat aufgenommen. Diese dauern aktuell an.Schülerinnen und Schüler, die zu der Zeit des Streits auf dem Schulhof waren, seien in die Turnhalle gebracht und vom Team des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betreut worden. Die Eltern der Jugendlichen hätten die Jugendlichen dann abgeholt.
Gerüchteküche bei Facebook eskaliert
Details zum Alter der Jugendlichen aus dem Streit nannte Temmen nicht. Dass sie überhaupt so viel zu dem Vorfall sagt, ist nicht gewöhnlich. Bei Jugendsachen hält sich die Polizei zum Schutz der Minderjährigen normalerweise bedeckt. Allerdings: Auf der sozialen Plattform Facebook waren die Gerüchte innerhalb kürzester Zeit eskaliert. Von zwei Stichen in den Rücken, dicht an der Leber, war die Rede. Die Herkunft des Jungen mit Messer wurde direkt diskutiert. Emden werde immer gefährlich, war bei vielen der Grundton. Viele Einsatzfahrzeuge – außer der Polizei auch unter anderem auch DRK, Johanniter, Feuerwehr und Rettungsdienst –, waren zu der Alarmierung ausgerückt, wie es bei dem gemeldeten Stichwort üblich sei, so Temmen. Das habe die Diskussion womöglich auch angestachelt.
„Facebook ist nicht zitierfähig“, betont Svenia Temmen. Am frühen Nachmittag veröffentlichte die Polizei einen eigenen Beitrag auf ihrer Facebook Seite mit dem Hinweis: „Wir beobachten in den sozialen Netzwerken, dass sich die private Berichterstattung dort derzeit aufheizt und die Informationen nicht den Fakten entsprechen. Alle Fakten und weitere Informationen gibt es hier auf unserem Kanal.“
Diskussion zur Sicherheit in Emden weiter befeuert
Der Beitrag eines Nutzers wurde besonders oft kommentiert und geteilt. Dort schreibt er: „Mir fehlen die Worte. An der Herrentor Schule soll ein 8 klässler im Schulgebäude erstochen worden sein die Schüler wurden gerade nach Hause geschickt meine Frau holt unseren jungen ab Emden dreht durch“ (Anmerkung der Redaktion: Zitat wurde im Original wiedergegeben). Innerhalb einer Stunde gab es fast 100 Kommentare. Auch unter dem Beitrag der Polizei, die vor Facebook-Gerüchten warnt, erhitzen sich die Gemüter schnell weiter.
Viele ziehen darin auch Parallelen zu einem Vorfall am Sonntag, der in Emden für viel Gesprächsstoff und hitzige Diskussionen sorgt. Ein 29-Jähriger hatte in der Fußgängerzone mit einem Messer hantiert. Vier Polizeibeamten verhafteten ihn, nachdem sie zwei Warnschüsse abgaben. Der Mann, der während des Vorfalls offenbar unter Drogen- und Alkoholeinfluss stand, ist in Haft. Gegen ihn wird wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und eines besonders schweren Falls von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt.
Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) veröffentlichte am Mittwoch ein mehr als drei Minuten langes Video, in dem er über die Sicherheit der Stadt sprach. Laut Kruithoff müsse jetzt gemeinsam und mit den öffentlichen Institutionen daran gearbeitet werden, dass Emden eine sichere Stadt bleibt. Er forderte auch eine strengere Strafgesetzgebung auf Bundesebene. Schon vor der Messer-Situation am Sonntag war die Diskussion erhitzt gewesen. In der Nacht auf den 11. August war ein Ehepaar in der Fußgängerzone der Großen Straße angegriffen und schwer verletzt worden.