Ostfriesische Zahnärzte protestieren Ministerium warnt vor „gesellschaftlichem ,Zahnfleisch-Problem‘“
Ostfriesischen Patienten mit Zahnfleisch-Entzündung (Parodontitis) drohen Wartezeiten – und damit negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Außer Zahnärzten warnt das Landesgesundheitsministerium.
Ostfriesland/Hannover - Zahnärzte zeigen der Bundespolitik – allen voran Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) – im sprichwörtlichen Sinne die Zähne. Mit dem Ziel, dass ihre Patienten nicht bald auf dem Zahnfleisch daherkommen, machen auch ostfriesische Mediziner zu einer Protestkundgebung am Mittwoch, 13. September, in Hannover mobil.
Ostfriesische Patienten müssen sich an dem Tag auf längere Wartezeiten, Terminverschiebungen und geschlossene Praxen einstellen, heißt es in einer Pressemitteilung von Zahnmedizinern aus der Region. Sie protestieren, weil sie gesundheitliche Nachteile für ihre Patienten und finanzielle Nachteile für sich befürchten.
Zahnärzte fürchten dramatische Folgen für zahnmedizinische Versorgung
Zu der Kundgebung aufgerufen haben die Zahnärztekammer Niedersachsen, die Kassenzahnärztliche Vereinigung Niedersachsen (KZVN), der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) und der Verein „Zahnärzte für Niedersachsen“. Sie werfen der Bundesregierung beziehungsweise deren Bundestags-Mehrheit vor, dass sie zahnärztliche Leistungen finanziell gedeckelt hat. Mittels dem „Gesetzliche-Krankenversicherungen-Finanzstabilisierungsgesetz“.
Die Initiatoren der Protestkundgebung schreiben in einer gemeinsamen Pressemitteilung: „Die aktuelle Spargesetzgebung der Bundesregierung mit der strikten Budgetierung zahnmedizinischer Leistungen wird sich dramatisch auf die zahnärztliche Versorgung und damit auf die Gesundheit der Bevölkerung in Niedersachsen auswirken.“ Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KZVN, Dr. Carsten Vollmer, erläutert: „Zahnärztinnen und Zahnärzte müssen nun auswählen, was vorrangig behandelt wird und was warten muss. Für Patientinnen und Patienten wird das unter anderem zu längeren Wartezeiten führen.“
Es geht um die Kosten von langwierigen Zahnfleisch-Behandlungen
Besonders problematisch soll sich das auf die Behandlung von Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) auswirken. Diesbezüglich seien die Abläufe neu strukturiert und eine Erhaltungstherapie eingeführt worden – das heißt, in den Behandlungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen worden, erklärt Dr. Michael Debbrecht aus Papenburg als stellvertretender Ostfriesland-Vorsitzender des FVDZ. Er ist auch Vorsitzender der Bezirksstelle der Zahnärztekammer Ostfriesland.
Der Verband der Ersatzkassen (VdEK) erklärt: „Für die Parodontalbehandlung ist jetzt eine strukturierte mehrjährige Behandlungsstrecke (in der Regel 3 Jahre) vorgegeben.“ Das kostet. Die Organisatoren der Protestkundgebung schreiben, dass „mehr als die Hälfte aller Erwachsenden“ von einer Parodontitis betroffen seien. Und diese Erkrankung im Mundraum könne sich auf Herz und Kreislauf sowie „erschwerend auf Diabetes sowie den Schwangerschaftsverlauf auswirken“.
Auch das Landesgesundheitsministerium kritisiert die Bundespolitik
Unterstützung erhalten die Zahnärzte von Niedersachsens Gesundheitsministerium: „Kritisch sehen wir in der derzeitigen Lage die Deckelung der zahnärztlichen Vergütung bei den Parodontitisbehandlungen.“ Der Kritik des Landes am GKV-Finanzstabilisierungsgesetz sei „der Bund bedauerlicherweise nicht nachgekommen“. Das Ministerium warnt: „Es wäre nicht zuträglich, wenn wir wegen mangelnder Prävention und Behandlung mittelfristig ein gesellschaftliches ,Zahnfleisch-Problem‘ bekommen würden. Das hätte Folgeerkrankungen und damit auch Folgekosten als Konsequenz.“
Der Ostfriesland-Vorsitzende des FVDZ, Dr. Stephan Gebelein aus Wittmund, prophezeit zudem: „Das Praxissterben auf dem Land bekommt einen neuen Schub.“
VdEK und AOK widersprechen den Zahnärzten teilweise. Unsere Redaktion hat weitergehende Stellungnahmen eingeholt und wird in Kürze noch tiefergehend berichten.