Norderstraße in Aurich  Schon wieder Bauarbeiten in der Fußgängerzone

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 06.09.2023 19:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Pflastersteine sind für Räder und Rollen nicht geeignet. Foto: Luppen
Die Pflastersteine sind für Räder und Rollen nicht geeignet. Foto: Luppen
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Die Auricher Fußgängerzone wird im Frühjahr 2024 erneut zur Baustelle. Das Kopfsteinpflaster in der Norderstraße kommt weg. Ist das der erste Schritt zur Fahrradstraße?

Aurich - Kaum nähert sich die Sanierung der Burg- und der Osterstraße dem Ende, taucht am Horizont die nächste Baustelle in der Auricher Fußgängerzone auf: Im kommenden Frühjahr will die Stadt die Norderstraße aufreißen. Die drei Meter breite Mittelspur aus großformatigem Kopfsteinpflaster ist nach Angaben der Verwaltung nach 32 Jahren nicht mehr verkehrssicher. Das Natursteinpflaster soll daher durch Klinkersteine ersetzt werden – nach Möglichkeit durch die gleichen, die auch bei der Erneuerung der Burg- und der Osterstraße verwendet worden sind. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Rates hat am Dienstag grünes Licht gegeben (zehn Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen). Die Arbeiten können nach Angaben der Verwaltung innerhalb weniger Wochen erledigt werden. Die Einschränkungen für Anlieger seien gering, da nur der Mittelstreifen erneuert werde.

Allerdings bleibt ein Knackpunkt: Noch immer gehen die Meinungen auseinander, ob die Norderstraße, die Teil der Fußgängerzone ist, auch tagsüber für Fahrräder freigegeben werden soll. Momentan dürfen Radfahrer dort nur morgens bis 10 Uhr und abends ab 18 Uhr fahren. Eine Freigabe fordert unter anderem der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Auch einige Ratsmitglieder sind dafür. Kaufleute in der Norderstraße sind mehrheitlich dagegen. Sie haben im August einen Brief an Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) geschrieben, in dem sie sich über „rücksichtslose Fahrradfahrer“ beschweren, die die Sicherheit der Kunden gefährdeten. Man wünsche sich für die Norderstraße ein „stressfreies Einkaufen“, heißt es in dem Brief. Das sei nicht möglich, wenn Radfahrer an den Geschäften vorbeibretterten.

„Nur ein kleiner Schritt“

Reinhold Mohr (Grüne) warnte davor, Radfahrer als Kampfradler zu stigmatisieren. Das Bedürfnis, die Norderstraße zum Radfahren zu nutzen, sei in der Bevölkerung eindeutig da. „Man guckt rechts und links, ob kein Polizist da steht, aber es wird massenhaft Rad gefahren auf der Norderstraße.“ Man könne ja zum Beispiel Schilder aufstellen, dass nur Schritttempo gefahren werden darf, schlug Mohr vor. Die geplante Erneuerung des Mittelstreifens sei jedenfalls ein guter Plan, da die Norderstraße dann künftig auf der ganzen Breite genutzt werden könne.

Aus Skeptiker-Sicht bringt diese Verbesserung jedoch einen entscheidenden Nachteil: Radfahrer könnten sich so erst recht zur illegalen Nutzung der Norderstraße eingeladen fühlen. Da würden Begehrlichkeiten geweckt, warnte Bodo Bargmann (CDU). „Die Straße ist schön befahrbar, und dann ist es ja nur ein kleiner Schritt, die Straße für den Radverkehr zu öffnen.“

„Die Radfahrer sind in der Mitte“

Das jetzige Kopfsteinpflaster ist zum Befahren mit dem Rad nicht geeignet – ebenso wenig wie für Nutzer von Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühlen. Sie alle müssen sich am Rand der Norderstraße bewegen, dort, wo der Belag ebener ist als in der Mitte, wo aber auch Geschäftsleute ihre Waren auf Tischen oder Ständern präsentieren.

Der städtische Radverkehrsbeauftragte Frank Patschke ist für eine Öffnung der Norderstraße für den Radverkehr. „Radverkehr findet dort ohnehin statt.“ Mit einem neuen Straßenbelag könne man ihn in die Mitte lenken. „Dann weiß auch derjenige, der ins Geschäft geht: Die Radfahrer sind in der Mitte.“

„Es ist wirklich nicht notwendig“

Reinhard Warmulla (Die Linke) kritisierte das Kosten-Nutzen-Verhältnis der geplanten Baumaßnahme: „Ich verstehe nicht, dass man diese völlig intakte Straße für 100.000 Euro saniert. Viel notwendiger ist die Sanierung des Marktplatzes.“ Das dortige Pflaster sei für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl ein echtes Hindernis. „Es ist wirklich nicht notwendig, diese Straße zu sanieren.“ Wenn überhaupt, reiche es aus, die Fugen zu sanieren oder das vorhandene Pflaster zu glätten.

Das Kopfsteinpflaster in der Mitte der Norderstraße wird ausgetauscht. Foto: Luppen
Das Kopfsteinpflaster in der Mitte der Norderstraße wird ausgetauscht. Foto: Luppen

Bauamtsleiter Mirko Wento widersprach: Die Norderstraße sei nicht mehr verkehrssicher, die könne so nicht bleiben. Die Fugen zwischen den Natursteinen lösten sich. Die von Warmulla vorgeschlagene Fugensanierung wäre aufwendiger und damit teurer, warnte Wento. Eine Glättung des vorhandenen Pflasters wäre ebenfalls aufwendig, da jeder einzelne Stein herausgenommen werden müsste. „Das kann man alles machen“, sagte der Bauamtsleiter. „Aber da sind Sie nicht mit 100.000 Euro dabei.“

CDU-Fraktionschef Arnold Gossel zweifelt zwar ebenfalls an der Notwendigkeit einer Erneuerung („rein optisch ist die Norderstraße in keinem schlechten Zustand“), doch man müsse die Haftungsfrage bedenken, warnte er. Die Politik könne nicht einfach eine von der Stadt als nicht verkehrssicher eingestufte Straße unrepariert lassen. „Wenn jemand hinfällt und es kommt raus, dass die Straße nicht sicher ist, dann sehen wir alle zusammen alt aus.“ Das sieht Heidrun Weber von der Wählergemeinschaft Gemeinsam für Aurich (GFA) nicht so eng. Die Verkehrssicherheit sei auch an vielen anderen Stellen in Aurich nicht gegeben. „Dann stehen wir immer mit einem Bein im Gefängnis.“ Das Kopfsteinpflaster in der Norderstraße trage zur Entschleunigung bei. Mit dieser Ansicht stand sie jedoch ziemlich allein da.

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