Notfallübung in Aurich Im Spurensicherer-Look für das Kulturgut
Im Historischen Museum in Aurich wurde am Montagnachmittag ein Ernstfall simuliert. Nach einem Brand mussten sämtliche Objekte aus dem Gebäude – besonders Papier ist tückisch.
Aurich - Ein Feuer im Historischen Museum in Aurich sorgt für helle Aufregung. Nicht nur die Feuerwehr muss bei der Brandbekämpfung schnell und genau vorgehen, sondern auch der Notfallverbund, der danach das Gebäude betritt – und rettet, was von den historischen Objekten noch zu retten ist.
Flammen zerstören alles, mit dem sie in Berührung kommen. Die Löscharbeiten der Feuerwehr geben dem Übriggebliebenen noch den Rest. Aus diesem Grund hat der Notfallverbund am Montagnachmittag eine Übung angesetzt. Er besteht aus dem Landesarchiv, der Ostfriesischen Landschaft sowie dem Historischen Museum und der Stadtbibliothek. Hier sollten die knapp 40 Teilnehmer lernen, die jahrhundertealten Kulturgüter im Ernstfall zu bergen. Das Historische Museum stellt Gegenstände der friesischen und Auricher Geschichte aus. Darunter sind Münzen aus dem Mittelalter, Uniformen aus dem Kaiserreich und Dokumente zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Wenn das Auricher Landesarchiv alle Regale aneinanderreihen würde, in denen Tausende Akten und Urkunden gesammelt werden, käme man bei etwa sechs Kilometern heraus. Viel Papier, das dann gerettet werden muss.
Einen Plan zusammen mit der Feuerwehr
Vorrang hat die Auricher Feuerwehr. „Erst muss die Feuerwehr ihre Arbeit verrichten“, sagt Sonja König von der Ostfriesischen Landschaft. Im zweiten Schritt macht sich der Notfallverbund bereit. Es werden Container, Tische sowie Pavillons aufgebaut. Die Teams ziehen ihre Spezialausrüstung an und gehen ins Gebäude. Sie sehen ein wenig wie die Spurensicherung aus den Fernseh-Krimis aus. Auf stetig aktualisierten Listen werden die Aufgaben für jeden festgelegt. Bei der Bergung hilft man sich untereinander. Also werden beispielsweise Mitarbeiter der Ostfriesischen Landschaft für einen Einsatz im Historischen Museum alarmiert. Das funktioniert über eine gemeinsame Katwarn-Gruppe.
Dann wird im Chaos gewühlt. „Es muss alles raus, was nicht drinnen bleiben kann“, sagt die Archäologin. Das heißt: Nicht nur Unbeschädigtes, sondern auch gerade lädierte Gegenstände müssen rausgeschafft werden. „Wir haben den Einsatzplan der Feuerwehr erweitert“, sagt Bodo Bargmann. Er steht dem Notfallverbund als Fachberater für Brandschutz zur Seite. Jede Institution kategorisiere ihre Objekte in Rot, Gelb und Grün. Rot gelte als unersetzlich, Grün als unwichtiger, so der Brandschutzexperte. Dadurch habe auch die Feuerwehr eine Übersicht, was bei den Lösch- und eventuellen Bergungsarbeiten priorisiert werden sollte.
Gute Kenntnis und guter Überblick
Zuerst wird alles aus dem Historischen Museum geschafft, dann wird sortiert. Marion Geiken guckt sich die Gegenstände als Erstes an und gibt dann eine Einschätzung. „Ich arbeite hier seit 24 Jahren“, sagt die Verwaltungsangestellte. Dadurch habe sie eine gute Kenntnis über das Inventar des Museums. Heile Objekte werden direkt in Folie verpackt und eingelagert. Was beschädigt ist, wird gesondert begutachtet und verpackt. „Gerade nasses Papier muss direkt geborgen und sofort gekühlt werden. Ansonsten fängt es schnell an zu schimmeln“, betont Michael Hermann. Der Leiter des Landesarchivs in Aurich hat zusammen mit Sonja König die Übung im Blick.
Auch wenn bei dieser Übung alles zügig und ohne größere Komplikationen abläuft, macht König klar: „Wir müssen das öfter machen, am besten alle zwei Jahre.“ Die letzte Übung dieser Art fand im Mai 2018 bei der Ostfriesischen Landschaft statt. Außerdem solle es Schulungen über die historischen Gegenstände geben, um mehr Entscheider zu haben.
Der Notfallverbund Aurich wurde 2012 gegründet. Der Brand der Anna Amalia-Bibliothek in Weimar (September 2004), der Einsturz des Historischen Archivs in Köln (März 2009) oder auch die ständigen Hochwasser im Ahrtal hatten laut Hermann Besorgnis um das hiesige Kulturgut erregt.