Traum erfüllt Überwältigte Königin fuhr als Kind schon im Bollerwagen-Korso
Während Wiesmoors neue Blütenkönigin Leonie Landherr gewitzt über ihre Krönungserlebnisse spricht, rückt der erste Prinz im Königshaus seinem Diadem mit einer Flex zu Leibe. Warum?
Wiesmoor - Quasi über Nacht ist der Becher Kaffee zur Gefahr geworden. „Lieber nicht“, sagt Leonie Landherr, als ihr Vater Manni ihr einen Becher auf die Terrasse bringt, wo die 23-Jährige mit ihrem Freund Jann sitzt. Es ist der erste Tag für sie als Blütenkönigin, die Nacht war kurz. Am Abend nach der Wahl wurde sie auf der Einfahrt ihrer Eltern von einem jubelnden Hofstaat von rund 50 Menschen begrüßt, „und so wirklich realisiert habe ich das alles noch nicht“, sagt sie. Aber nun nahen die ersten Termine im neuen Amt, mit Hilfe einer Nachbarin hat sie sich ins edel-weiße neue Kleid schnüren lassen, den mit golden glänzender Brosche verbundenen roten Samtumhang bereits geschultert, die neue Krone mit Klammern zwischen den langen braunen Haarsträhnen befestigt.
Gleich ist der erste öffentliche Auftritt, Fototermin an der Sparkasse. „Ich kann doch nicht gleich zum ersten Foto-Termin mit Kaffeeflecken auf dem Kleid erscheinen“, sagt Leonie Landherr und lacht. Sie, die leidenschaftlich gern Fußball spielt, Regen und Matsch nicht scheut und auf dem Platz auch schonmal die Grätsche auspackt, ist nun für ein Jahr royale Repräsentantin Nummer 1 ihrer Heimatstadt. Aber weil die Nacht kurz war, nippt sie am Ende doch am Kaffee. Vorsichtig. Fleckenfrei. Schließlich wird der Tag noch lang. Fototermin, Essen, Seniorennachmittag, „Kanal in Flammen“. Und das wird in den kommenden Monaten so bleiben. „Da ist die Freizeit plötzlich deutlich verplanter“, sagt sie.
Überwältigt von Glückwunsch-Massen
Hunderte, vielleicht mehr als 1000 Glückwünsche türmen sich in den Postfächern der Nachrichtendienste auf ihrem Handy. „Ich habe noch nicht einmal geschafft zu sichten, wer mir alles geschrieben hat. Aber die Masse an Glückwünschen ist überwältigend“, sagt sie. „Und ein ganz bisschen Muskelkater habe ich auch noch – vom vielen Winken. Das macht man sonst ja eher nicht. Und dann sitzt Du im Blütenwagen, bist eine Stunde beim Korso unterwegs, und überall stehen Menschen und freuen sich und winken. Natürlich winkt man dann zurück, wir mussten am Ende aber wirklich mehrfach von Rechts auf Links wechseln, weil die Hände lahm geworden sind“, sagt die 23-Jährige. Sie lacht.
„Und davor schon war es irre. Als klar war, dass ich die neue Königin bin, bin ich wirklich zusammengesackt, bin in Tränen ausgebrochen. Und dann wurde es alles so wild. Zack hast du plötzlich eine Krone auf dem Kopf und den Umhang um, und dann stehen da überall Fotografen und geben Kommandos, und plötzlich fühlt man sich wie ein großer Promi, und dann musst du in die Kutsche einsteigen. Und alles geht so schnell, dass du gar nicht realisieren kannst, was da alles passiert – so sehr du dich auch freust.“
Erst der Bollerwagen, jetzt der Blumenkorso
Leonie Landherr selbst sagt: „Das alles ist immer noch so irre. Ich habe tatsächlich überhaupt nicht damit gerechnet – auch wenn ich schon als kleines Kind davon geträumt habe, einmal selbst Blütenkönigin zu sein.“ Das war sie im Geheimen schon als Vierjährige, im September 2004. „Da haben wir mit mehreren Kindern in der Nachbarschaft das Blütenfest nachgespielt, haben ein paar Blumen drangesteckt, und weil ich die Kleinste und Leichteste war, durfte ich als Königin in unserem Krönungs-Bollerwagen sitzen“, erinnert sie sich. „Schon als Kind habe ich Autogrammkarten der Blütenköniginnen gesammelt. Und so mit 16 ist der Wunsch dann konkreter geworden, aber da war ich immer noch zu jung, mit 18 wollte ich erstmal mein Abitur machen, dann meine Ausbildung absolvieren, und im vorigen Jahr, im ersten Jahr als examinierte Altenpflegerin, wollte ich nicht gleich zum Chef gehen und sagen: Ich habe im nächsten Jahr womöglich ganz viele Termine neben dem Job und bin öfter weg, weil ich Blütenkönigin werden möchte“, sagt Leonie Landherr, die inzwischen schon Leiterin eines Wohnbereichs in ihrer Einrichtung ist.
19 Jahre nach dem Bollerwagen-Korso also hat sich der Traum verwirklicht. Ein Foto von damals existiert bis heute – und ziert Plakate und Wimpel, die die Eltern, Freunde und die Familie zur Unterstützung der 23-Jährigen anfertigen lassen haben. „Das Witzige ist, dass ich damals im Bollerwagen sogar schon Yannik begegnet bin, als wir durch die Straßen gezogen sind“, sagt die neue Blütenkönigin. Yannik, das ist Yannik Willms, 32 Jahre alt und am Sonntag als erster Mann in der Rolle des Prinzen ins neue Königshaus eingezogen. „Ich war überzeugt davon, dass er der König wird, wir alle haben damit gerechnet“, sagt Leonie Landherr. „Und als wir in den letzten Tagen miteinander unterwegs waren, hat er erzählt, dass er sich sogar noch erinnert an uns und den kleinen Bollerwagen. Seine Tante wohnt in der Nähe meiner Eltern, er kam zufällig vorbei und hat damals sogar den Bollerwagen gezogen – und heute unterstützt er mich als Prinz. Schöne Geschichte, oder?“ Das tut Yannik Willms auch direkt beim ersten Termin, beugt sich zur Königin, streicht Haarsträhnen glatt, richtet das Krönchen.
Das durchtrennte Diadem
Seinem eigenen Diadem war der 32-Jährige am Sonntag erstmal mit einer Flex zu Leibe gerückt. Es war zu eng, zu klein für den Kopf. Und es passte auch nicht recht auf die Mütze, die er eigentlich als Markenzeichen immer trägt – worunter sich das spärlicher gewordene Haupthaar versteckt. Wiesmoors „Queen Mum“, Königshausbetreuerin Karin Bittner-Deyerling, sagt: „Deswegen haben wir jetzt ein neues Diadem bestellt. Sogar eins, das direkt mit einer Mütze vernäht ist, damit er sich auch wohlfühlen kann.“
Auch er sagt: „Ich freue mich wahnsinnig, dass ich es geschafft habe. Und es ist menschlich so ein tolles Königshaus. Ich freue mich wirklich auf die Erlebnisse.“ Leonie Landherr, die von Landtagspräsidentin Hanna Naber (SPD) den Namen Calendula I., also Ringelblume, verpasst bekam, hört zu, nickt. Auch mit Kim Schlüter, der Prinzessin, verstehe sie sich „richtig toll“. Sie sagt: „Das wird aufregend. Ich reise sowieso unglaublich gern, war letztens zum ersten Mal ganz allein in Zürich, freue mich riesig, wenn ich neue Leute kennenlerne, Neues erlebe und sehen kann. Deswegen wird das ein ganz besonderes Jahr.“ Vielleicht war es ein Omen, dass sie kürzlich bei einer Reise in die Sächsische Schweiz die Festung Königstein erklommen hat – und die Himmelsleiter. Ist sie doch jetzt selbst Königin und ein bisschen im Himmel ihrer Träume angekommen. So surreal sich das für die so bodenständig-gewitzte Königin anfühlt.
„Dass jetzt andere Menschen und Kinder plötzlich zu mir aufsehen, so wie ich die Königinnen damals angehimmelt habe, und dass einen plötzlich alle möglichen Leute grüßen und sich die Blicke auf dich richten: Das ist schon verrückt. Und für mich völlig unerwartet. Aber ich tippe, ein bisschen wird man sich daran gewöhnen – denn jetzt bin ich ja die Blütenkönigin. Plötzlich, für ein Jahr. Ich weiß auch nur in Teilen, was mich erwartet. Aber das macht es spannend – und umso schöner.“
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