Langes Warten Gibt es noch Lieferschwierigkeiten?
In den vergangenen Jahren gab es viele Faktoren, die für Lieferengpässe einiger Artikel sorgten. Können Transporte nun ohne Probleme abgewickelt werden?
Ostfriesland - Corona-Lockdown, Ukraine-Krieg und Rohstoffknappheit: Die vergangenen Jahre waren für Produktion und Handel wahrlich nicht leicht. Doch jetzt, wo der letzte Lockdown fast schon in Vergessenheit geraten ist und Corona für die meisten schon längst nicht mehr zu den alltäglichen Sorgen gehört, scheint zumindest ein großer Widersacher aus dem Rennen. Wirkt sich das nun positiv auf die Liefersituation in der Region aus?
Was und warum
Darum geht es: Der Transport von Ressourcen an Fabriken und Produkten an Läden ist wieder einfacher, das wirkt sich auch auf die Unternehmen der Region aus.
Vor allem interessant für: jeden, der sich fragt, wie gut Ware aktuell von A nach B kommt
Deshalb berichten wir: Die Redaktion hatte im Vorfeld von einzelnen Lieferschwierigkeiten gehört und hat deswegen genauer nachfragt. Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.de
Einige Elektronikkomponenten sind noch nicht in der Anzahl verfügbar, die Wolfgang Janhsen gerne hätte. „Die Halbleiter sind noch immer knapp“, sagt der Geschäftsführer der KFZ-Innung Ostfriesland. Trotzdem habe sich die Lage „deutlich entspannt“ und man könne sich auf die Anlieferung vieler Teile inzwischen wieder verlassen. Auch die Nachwirkungen von Corona seien abgeklungen – einzig der Russland-Ukraine-Krieg führe hin und wieder zu Lieferproblemen. Janhsen blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir gehen davon aus, dass sich die Situation weiterhin bessern wird.“
Einzelhandelsbranche mit den meisten Lieferproblemen
Halbleiter werden nicht nur in der Automobilindustrie verbaut, sondern auch in Haushalts- und Unterhaltungselektronik. Die Transportschwierigkeiten trafen auch die Expert-Bening-Filiale in Leer – vor allem im vergangenen Jahr, weiß Leiter Markus Preuß. Doch auch hier zeige vieles in eine positive Richtung. Man könne sich inzwischen wieder am Vor-Corona-Jahr 2019 orientieren, meint er. „Die einzigen Schwierigkeiten treten aktuell im Mobilfunk auf, aber das ist ein Dauerthema.“
Eine Umfrage von Statista in den Einzelhandelsbranchen aus diesem August hat ergeben, dass fast 70 Prozent der Lebensmitteleinzelhändler mit Lieferproblemen zu kämpfen haben. Damit liegt dieser Bereich vor Kfz- und Elektronik-Handel. Während Pandemie und Lockdown waren zwischenzeitlich die Regale mit Mehl oder Toilettenpapier leergefegt. Daran erinnert sich auch der Marktleiter Heiko Bierkamp von Multi Emden. Von diesen Zeiten konnte man sich erholen. Für den Fall, dass ein Artikel nicht geliefert werden könne, gebe es inzwischen „genug Ausweichmöglichkeiten“, sagt er. So konnte und könne man „die Lücken nach und nach schließen“. Könnten die Preise beim Einkauf also bald sinken? „Billiger wird es wahrscheinlich nicht“, antwortet Bierkamp und weist auf die kommende Mautpflicht für LKW mit mehr als 3,5 Tonnen ab Juli 2024 und die höher werdende Energiesteuer hin.
Der Transportverkehr wartet lange auf Genehmigungen
Beim größten deutschen Hersteller von Windenergieanlagen ist von Corona ebenfalls keine Rede mehr. Trotz noch anhaltendem Russland-Ukraine-Krieg hat sich bei den Anlieferungen der Produktionsmaterialien wieder fast alles normalisiert, sagt Enercons Pressesprecher Felix Rehwald auf Nachfrage. „Ein bisschen Rückstand gilt es noch aufzuholen.“
Voll durchstarten kann man dann aber trotz ausreichender Ressourcen und Kundenanfragen dennoch nicht: Die Transportgenehmigungen werden zu langsam von den zuständigen Behörden erteilt, meint Rehwald. Eine Wartezeit von 14 Wochen seien da keine Überraschung. Dadurch herrsche Unklarheit, wann die Teile einer Windanlage einem Bauplatz zugeliefert werden können. Das wiederum habe Folgen für die Produktion des Auricher Herstellers, die aktuell nicht ausgelastet ist. Die Baumaßnahmen für etwa 70 Anlagen hätten sich deswegen verzögert. Der Pressesprecher bringt die Wünsche des Unternehmens zum Ausdruck: „Ein schnelleres und zuverlässigeres Genehmigungsverfahren und einen direkten Ansprechpartner an den Genehmigungsstellen.“ Zudem müssten Baustellen zentral einsehbar sein, um die Routen besser planen zu können, und es müsse mehr Rastplätze für die Fahrer der Schwertransporte geben – gerade auch in Bezug auf den angestrebten Windenergieausbau der Bundesregierung.
Zu den Lieferengpässen der vergangenen Jahre sagt Rehwald: „Mit diesen kann man umgehen, aber mit Behörden, die nicht antworten, nicht. Die Energiewende droht auf der Straße ausgebremst zu werden.“