Teure Fehler vermeiden  Niederländische Polizei empfiehlt Blitzer-App – so ist die Lage bei uns

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 04.09.2023 08:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In den Niederlanden gelten teilweise andere Regeln. Foto: Friso Gentsch/dpa
In den Niederlanden gelten teilweise andere Regeln. Foto: Friso Gentsch/dpa
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Wir hatten über die saftigen Strafen für Temposünden in den Niederlanden berichtet. Die Polizei dort rät zur Blitzer-App. Und diesseits der Grenze?

Rheiderland/Niederlande - Viele Leute, die im niederländischen Grenzgebiet wohnen, fahren auch mal im Nachbarland Auto. Im Straßenverkehr in den Niederlanden läuft so manches anders: Das Tempolimit auf der Autobahn ist einer der größten Unterschiede. In regelmäßigen Abständen werden aber auch die Bußgelder für Verkehrssünder in den Niederlanden angehoben, schreibt der ADAC. Wer auf Autobahnen 20 Kilometer in der Stunde zu schnell fahre, zahlt seit Kurzem 196 Euro, innerhalb geschlossener Ortschaften werden 219 Euro fällig.

Was und warum

Darum geht es: In den Niederlanden kostet es mehr, wenn man geblitzt wird. Aber bei der Blitzer-App drückt man scheinbar ein Auge zu.

Vor allem interessant für: diejenigen, die viel in den Niederlanden unterwegs sind

Deshalb berichten wir: Wir hatten kürzlich über die Bußgelder berichtet. Nun kam ein neuer Aspekt hinzu.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Von einem weiteren Unterschied hat aber nun die Aachener Zeitung berichtet: Den Niederländern könne man nicht vorwerfen, sie würden mit ihrem vergleichsweise extrem hohen Bußgeldkatalog für Verkehrsverstöße Autofahrer abzocken wollen, heißt es dort. Schließlich sei es jenseits der deutschen Grenze nach Angaben der Polizei erlaubt, Apps zu nutzen, die jeden Autofahrer während der Fahrt vor Radaranlagen warnen.

Mit einer Laserpistole steht ein Polizist vor einer Schule und misst die Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Foto: Patrick Pleul/dpa
Mit einer Laserpistole steht ein Polizist vor einer Schule und misst die Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Foto: Patrick Pleul/dpa

Das habe eine Sprecherin der Limburger Polizei in Maastricht nach Rücksprache mit den Experten im Verkehrskommissariat gegenüber der Zeitung betont: Ein anderslautender Eintrag in einer EU-Übersicht des ADAC zu diesem Thema sei falsch. „Es ist erlaubt, solche Apps zu nutzen. Solange man das dazugehörige Handy nicht in der Hand hält, haben wir kein Problem damit.“ Angesichts dessen verstehe die Polizeisprecherin nicht wirklich, warum überhaupt irgendjemand von den Geschwindigkeitsmessanlagen in den Niederlanden erfasst wird. „Es gibt doch ‚Flitsmeister‘“, wird sie zitiert.

Handy und App nicht erlaubt

Von der Polizei diesseits der Grenze gibt es beim Thema App eine klare Ansage: „Das Nutzen der App ist verboten und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar“, formuliert es Polizeisprecherin Frauke Bruhns auf Nachfrage. Wird man von der Polizei mit der App am Steuer erwischt, „droht ein Bußgeld in Höhe von 75 Euro sowie ein Punkt in Flensburg“, so die Sprecherin. Wird denn kontrolliert, ob man eine Blitzerapp benutzt? „Dies wäre bei einem klaren Verdacht je nach Einzelfall zu entscheiden.“

Wie oft diese Strafen verhängt werden, könne man nicht ganz genau sagen, so Bruhns. „Hierzu haben wir tatsächlich keine auswertbaren Zahlen, da nicht jede Ordnungswidrigkeit gesondert ausgewertet wird.“ Weil es sich aber um eine speziellere Ordnungswidrigkeit als beispielsweise die eines Gurtverstoßes handele, dürften die Zahlen nicht allzu hoch sein, schätzt sie. Wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, hat auch ohne App eine Strafe zu erwarten: Laut ADAC werden 100 Euro und ein Punkt fällig. In den Niederlanden wird das teurer: Wer während der Fahrt mit dem Handy ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, zahlt 380 Euro.

Texten am Steuer ist in den Niederlanden wie auch in Deutschland nicht erlaubt. Foto: Pixabay
Texten am Steuer ist in den Niederlanden wie auch in Deutschland nicht erlaubt. Foto: Pixabay

Soll man mit dem Blitzer erwischt werden?

Wenn man also keine Blitzer-App benutzen darf, geht es dann um die Einnahmen? Auf diese Frage hat die Polizeisprecherin eine eindeutige Antwort: Nein. „Geschwindigkeitsüberwachungen sollen dazu beitragen, den Straßenverkehr sicherer zu machen“, sagt Bruhns. „Viele Anwohnerinnen und Anwohner melden sich sogar bei uns und bitten darum, dass die Geschwindigkeiten im eigenen Wohnort oder der Straße überwacht werden. Es sollte im Interesse aller sein, Verkehrsregeln zu beachten und diese einzuhalten“, sagt sie. Der Landkreis Leer sei, wie bei vielen Ordnungswidrigkeiten, die Verfolgungsbehörde.

Politiker wünschten sich erst im August von Landkreis und Polizei, dass etwas dagegen getan werde, dass die Autos und Laster auf der Tichelwarfer Straße in Weener zu schnell führen. Man machte sich unter anderem deshalb Sorgen um die Radfahrer. Dazu schrieb der Kreis, dass Verkehrszählungen durchgeführt worden seien – auch Blitzer kamen und kommen zum Einsatz: Um durchzusetzen, dass wirklich nur 50 Stundenkilometer gefahren werden, „werden dort seitdem in unregelmäßigen Abständen Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt“, schrieb Kreissprecher Philipp Koenen.

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