Große Pläne  Was gibt es Neues zur geplanten Lithium-Raffinerie in Emden?

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 02.09.2023 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So stellt sich das Luxemburger Unternehmen Livista Energy die Lithium-Raffinerie in Emden vor. Sie soll im Wybelsumer Polder entstehen. Grafik: Livista
So stellt sich das Luxemburger Unternehmen Livista Energy die Lithium-Raffinerie in Emden vor. Sie soll im Wybelsumer Polder entstehen. Grafik: Livista
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Im Juni wurde klar: Emden soll eine Lithium-Raffinerie bekommen. Zuletzt war es ruhig um die Pläne. Sind die Verträge nun unterzeichnet? Und wird es tatsächlich die erste Raffinerie für Europa?

Emden - Emden soll eine der ersten chemischen Lithium-Raffinerien in Europa bekommen. Laut dem Betreiber Livista Energy mit Sitz in Luxemburg wäre es sogar die erste in Europa. Ende Juni wurde im feierlichen Rahmen zunächst eine Absichtserklärung mit dem landeseigenen Hafenbetreiber N-Ports, dem das gewünschte Gelände im Wybelsumer Polder gehört, unterzeichnet. Danach ist es ruhig um das Projekt geworden. Was ist mit dem finalen Vertrag?

Was und warum

Darum geht es: wichtige Fragen und Antworten rund um die Ansiedlung einer geplanten Lithium-Raffinerie in Emden

Vor allem interessant für: Wirtschafts-, Energie- und Umweltinteressierte

Deshalb berichten wir: Zuletzt war es ruhig um die geplante Lithium-Raffinerie geworden. Wir wollten wissen, ob mittlerweile der finale Vertrag unterschrieben ist und wie allgemein die Planungen in Europa aussehen.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Man hoffe, dass dieser Mitte Juli unterzeichnet werden könne, hieß es von Livista-CEO Jean-Marc Ichbia im Juni. Das aber hat nicht geklappt. Auf Nachfrage bei N-Ports heißt es aktuell von Sprecherin Dörte Schmitz: „Es gibt noch keinen Abschluss und die Verhandlungen dauern an.“ Ein Ende sei bislang nicht absehbar, sagt sie. Es geht um gut 32 Hektar in laut Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) begehrter Lage. Vier bis fünf Anfragen pro Jahr bekomme die Stadt wegen der Flächen, sagte er im Juli. Mitte 2026 soll die erste Lithium-Raffinerie, wenn alles nach Plan läuft, in Betrieb genommen werden, 2027 die zweite am Emder Standort folgen. Wie einzigartig ist sie dann tatsächlich in Deutschland und Europa? Und was entwickelt sich rundherum noch? Wir schauen über den Tellerrand.

Woher kommt das Lithium?

Lithium wird insbesondere für die Batterien der E-Autos verwendet, aber auch für Handys. Während es weltweit eigentlich genug Rohstoff-Vorkommen gibt, kommen die Förderung und auch Aufbereitung bei der stetig wachsenden Nachfrage nicht immer hinterher, heißt es in einem vom Bund geförderten Forschungsbericht des Instituts für angewandte Ökologie. Es gibt zwei Arten das Lithium abzubauen: Zum einen wird der Rohstoff vor allem in Australien im Festgesteinsbergbau gefördert, also als Erz. Zum anderen wird der Rohstoff aus Salzseen insbesondere in Südamerika, in Chile und Argentinien gewonnen, so das Öko-Institut. Der dortige Abbau wird immer wieder scharf kritisiert, weil unter anderem Grundwasser dabei verunreinigt werden kann.

Arbeiter einer Lithiummine transportieren in der Atacama-Wüste im Salar de Atacama ein Nebenprodukt. Foto: Lucas Aguayo Araos/dpa
Arbeiter einer Lithiummine transportieren in der Atacama-Wüste im Salar de Atacama ein Nebenprodukt. Foto: Lucas Aguayo Araos/dpa

In Europa befindet sich eins der größten Lithium-Vorkommen in Deutschland, nämlich im Erzgebirge, aber auch als Lithium-Ionen im tiefen Thermalwasser im Norddeutschen Becken und im Oberrheingraben, berichtete der MDR im April. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben erst im vergangenen Jahr darüber berichtet, wie die Ionen aus dem Wasser „gesiebt“ werden könnten. Langfristiges Ziel ist es aber nicht, neue Lithium-Vorkommen zu erschließen, sondern alte Batterien zu recyclen.

Was ist mit Batterie-Recycling?

Bei Sicherstellung hoher Sammelquoten und Rückgewinnung von 25 bis 50 Prozent des Lithiums aus Altbatterien könnte Lithium aus dem Batterierecycling den jährlichen Bedarf bis 2050 zu 10 bis 30 Prozent decken“, so das Ökoinstitut. Brüssel schreibt vor, dass bis Ende 2027 schon 63 Prozent und bis Ende 2030 73 Prozent der Gerätebatterien gesammelt werden sollen. In Deutschland liegt die Quote derzeit bei 52 Prozent, sagte Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, im Juni.

Batterien können nicht nur recycelt, sondern auch stationär verwendet werden - etwa als Energiespeicher für das eigene Haus oder für Fabriken, so wie in der BMW-Fabrik in Leipzig. Auf der Speicherfarm sind laut BMW bis zu 700 Batteriespeicher des i3-Modells vernetzt und halten überschüssige Energie aus Wind- und Solar zurück, bis es für die Produktion gebraucht wird. „Recycelte Materialien werden als Ausgangsmaterial von zentraler Bedeutung sein und dazu beitragen, positive Umweltauswirkungen zu gewährleisten und die Energieunabhängigkeit Europas zu erhöhen“, schreibt Livista Energy. Es werde von ihnen erwartet, dass bis 2030 die Hälfte der Kapazität der ersten Emder Anlage aus recycelten Rohstoffen bestehen werde.

Welche Fabriken gibt es noch rund um Lithium?

Das abgebaute Lithium wird in Raffinerien weiterverarbeitet. Die befinden sich größtenteils in Asien. Um weniger abhängig insbesondere von China zu sein, verlagern sich mittlerweile die Ansiedlungen. Im Mai fiel der erste Spatenstich für eine Lithiumhydroxid-Raffinerie des Autobauers Tesla in der Küstenstadt Corpus Christi im USA-amerikanischen Bundesstaat Texas. Ab 2025 soll von dort das Material an die etwa 300 Kilometer entfernte Tesla-Fabrik in Austin geliefert werden.

In Brandenburg wurde schon der erste Spatenstich für eine Lithiumhydroxid-Raffinerie getätigt, die hier in einer Grafik von Rock Tech gezeigt wird. In Emden braucht es erst noch andere Schritte. Foto: Patrick Pleul/dpa
In Brandenburg wurde schon der erste Spatenstich für eine Lithiumhydroxid-Raffinerie getätigt, die hier in einer Grafik von Rock Tech gezeigt wird. In Emden braucht es erst noch andere Schritte. Foto: Patrick Pleul/dpa

In Deutschland ist in Brandenburg im März der Grundstein gelegt worden für eine Lithiumhydroxid-Raffinerie des deutsch-kanadischen Unternehmens „Rock Tech Lithium“. Dort sollen pro Jahr 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid für etwa 500.000 E-Autos hergestellt werden. Das Lithium dafür wird laut Unternehmen in dem fabrikeigenen Vorkommen in Ontario, Kanada, abgebaut. Ist dann die Raffinerie in Emden gar nicht die erste für Europa?

Eng genommen, doch. In ihrer Art unterscheidet sie sich minimal von der deutsch-kanadischen Fabrik. Denn: Laut Livista sollen in Emden bis zu 40.000 Tonnen Lithiumprodukte in Batteriequalität pro Jahr produziert werden, davon 30.000 Tonnen Lithiumhydroxid sowie 10.000 Tonnen Lithiumcarbonat. Damit könne nach Angaben des Unternehmens der Bedarf von 850.000 Elektrofahrzeugen gedeckt werde. Lithiumcarbonat wird in Brandenburg laut Firmen-Website nicht hergestellt. Lithiumcarbonat kann als Ausgangsstoff zur Herstellung weiterer Lithiumverbindungen wie beispielsweise Lithiumhydroxid verwendet werden. Beide werden zur Produktion von unterschiedlichen Lithium-Ionen-Batterien verwendet. E-Autohersteller haben unterschiedliche Favoriten.

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