Holland Norway Lines Pleite sorgt für Hotel-Stornierungen in Emden
Noch vor einem Monat hatten Emder Hoteliers davon geschwärmt, dass die Norwegen-Verbindung Gäste in die Stadt holt. Am Mittwoch wurde die Pleite von HNL bekannt. So reagieren Hoteliers und Einzelhandel.
Emden - Sie hatte am Mittwoch noch gar nichts von der Pleite der Reederei Holland Norway Lines (HNL) erfahren, da kamen schon reihenweise die Stornierungen für Übernachtungen rein. Das sagt Elke Ahlers. Sie leitet mit ihrem Mann, Rainer Ahlers, das Hotel und Restaurant Goldener Adler in Emden. Dort hatten sich seit dem 1. Juni, als zum ersten Mal die Norwegen-Fähre „MS Romantika“ in Emden Richtung Kristiansand ablegte, einige Passagiere eingebucht.
Was und warum
Darum geht es: die Konsequenzen der HNL-Pleite für Emden
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie andere, die sich für die wirtschaftliche und touristische Situation der Seehafenstadt interessieren
Deshalb berichten wir: Am Mittwoch teilte die HNL-Reederei überraschend mit, dass sie zahlungsunfähig sind und die „MS Romantika“ nicht wie geplant um 17 Uhr ablegen würde. Das Thema interessiert viele, daher durchleuchten wir alle zugehörigen Facetten. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Am Mittwoch seien dann „auf einen Schlag 20 bis 25 Prozent Stornierungen“ eingegangen. „Bei einem Storno stand dann dabei ‚die Fähre fährt nicht‘“, so Elke Ahlers. Sie habe erst gedacht, dass die Fähre vielleicht kaputt sei. Dann habe sie aber von der Zahlungsunfähigkeit von HNL und der Absage aller Fahrten gelesen. „Für Emden ist das ein sehr großer Verlust“, sagt sie. Die Gäste der Fähre - insbesondere Niederländer und Skandinavier - hätten eine große Kaufkraft gehabt, das habe sich bemerkbar gemacht.
Emder Hotelbranche ist mehrfach gebeutelt
Selbst im Winter wären sicher noch viele Passagiere gekommen, weil Norwegen immer beliebtere Ski-Gebiete hat. Wie groß das Ausmaß ihrer Stornierungen ist oder sein wird, könne sie noch gar nicht ganz abschätzen. „Bei den Buchungen steht ja meist nicht dran ‚wegen Fähre‘.“ In einem Monat könne man das sicher besser absehen. Die Reederei-Pleite und ihre Konsequenzen sei eine von mehreren Dingen, die die Hotelbranche in Emden belastet. Teile der Emder Politik wünschen die Einführung einer Bettensteuer, von der die Hoteliers abraten. Die Mehrwertsteuer soll wieder erhöht werden „Wir wissen noch nicht, wie wir die Preise für nächstes Jahr gestalten sollen“, sagt sie. Es sei vieles nicht planbar.
„Man spürt es“, sagt auch Onno Marahrens vom Hotel Faldernpoort zur HNL-Pleite. Durch die Fährverbindung seien die Gäste in Emden plötzlich internationaler gewesen. Zuletzt hatte es auch geheißen, dass die Fähre bis mindestens 2024 fahren würde. Und jetzt das zunächst vorläufige Aus. „Ich war schockiert“, sagt er. Man habe sich schon viele Arrangements für die Gäste überlegt, besondere Abende, Ausflüge und anderes. „Das liegt jetzt in der Schublade.“ Seine Hoffnung - wie auch die von Elke Ahlers - ist es, dass die Verbindung irgendwie wieder neu starten kann. Seinem Eindruck nach - und das bestätigt auch die HNL-Reederei - sei es in Emden gut gelaufen. „Ich hoffe, dass das Potenzial von Emden jetzt erkannt wird und sich ein anderer Investor findet“, sagt er. Alles, was Touristen nach Emden bringe, sei ein Gewinn für die Stadt.
Positives Signal an Reedereien: „Emden kann das“
„Für die Stadt tut mir das so leid“, sagt auch Karl-Heinz Wittwer, Vorsitzender des Emder Kreisverbands vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Nicht nur für die Hotelbranche, sondern auch für die Gastronomie, den Einzelhandel und die Innenstadt insgesamt sei die neue Verbindung ein großer Gewinn gewesen. „Ich dachte erst, es wäre ein Scherz“, sagt er über die Hiobsbotschaft vom Mittwoch.
„Das ist natürlich negativ“, sagt auch Johann Doden. Er ist Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland mit Sitz in Emden. Die Norwegen-Fähre habe Niederländer, Belgier, Franzosen und andere „ohne Ende“ nach Emden geholt. „Es war gerade so richtig in Gang.“ Das habe das Stadtbild bereits schön verändert.
Trotz der schlechten Nachrichten sieht er auch etwas Positives: „Emden selbst und alle Beteiligten haben einen guten Job gemacht“, sagt er. Es habe viel Eindruck gemacht, wie schnell die Verbindung realisiert werden konnte. „Emden kann das“, sei das klare Signal nach außen. So ist es auch seine Hoffnung, dass entweder HNL wieder auf die Füße kommt, oder andere Investoren Emden als Hafen für Fähren in den Fokus nehmen.
Fahrgäste der Norwegen-Fähre stranden in Emden
Holland Norway Lines ist pleite – Aus für Norwegen-Fähre aus Emden?
Norwegen-Fähre sorgt für mehr Übernachtungsgäste in Emden
Norwegen-Fähre bleibt Emden wohl länger erhalten