ADFC-Foto des Monats Warum sind viele Radwege so schlecht?
Wenn Autofahrer über schlechte Straßen redeten, sei das Jammern auf hohem Niveau, meint der ADFC Aurich. Die meisten Radwege seien in einem viel schlechteren Zustand.
Aurich - Blockierte Durchfahrten, unsinnige Schilder, marode Wege: Mit dem „Foto des Monats“ weist der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Aurich auf Missstände beim Thema Radverkehr hin. Aber auch positive Beispiele sollen mit der Initiative, die diese Zeitung journalistisch begleitet, dargestellt werden. Der ADFC möchte damit der öffentlichen Debatte über eine bessere Fuß- und Radverkehrs-Infrastruktur Impulse geben und zu Verbesserungen beitragen.
Im September beklagt sich der ADFC ganz allgemein über den schlechten Zustand vieler Radwege in Aurich. Der Verband hat den Eindruck, dass im Zweifel ein guter Fahrbahnbelag für Autofahrer wichtiger sei als die Qualität der Radwege. Für Radwege seien Schlaglöcher und Holperstrecken die Regel, glatte Oberflächen die Ausnahme. Doch ist das nicht bei Autostraßen genauso? Nur eines von vielen Beispielen ist die Landesstraße 14 zwischen Timmel und Hatshausen, wo wegen der vielen Schlaglöcher mittlerweile Tempo 30 (statt 100) gilt.
ADFC fordert Qualitätsoffensive
Diesen Einwand lässt Albert Herresthal vom ADFC-Kreisvorstand nicht gelten. Ja, auch der Autoverkehr habe mit schlechtem Fahrbahnbelag zu kämpfen, räumt er ein, doch die glatt asphaltierte Straße sei immer noch Standard. Manchmal staune er sogar, dass eine Straße saniert werde, die noch in einem guten Zustand sei. „Ich wundere mich dann, was da überhaupt zu sanieren ist.“ Die Messlatte liege bei Fahrbahnen für den Autoverkehr eindeutig höher.
Radfahrer seien hingegen meist auf qualitativ schlechten, zu schmalen, oft gepflasterten Wegen unterwegs, häufig mit vielen Absätzen, besonders an Einmündungen, schreibt der ADFC. „Es ist nicht unüblich, dass auf wenigen Hundert Metern Radweg die Oberfläche gleich mehrmals wechselt.“ Damit mehr Menschen aufs Rad steigen, fordert der ADFC eine Qualitätsoffensive für Radwege. „Die besonders häufig genutzten Strecken sollten dabei prioritär verbessert werden.“
Radfahrer werden bedrängt und angehupt
Der Verband nennt einige Negativbeispiele aus Aurich: Am Wallster Weg, einer der wichtigsten Einfallstrecken ins Auricher Zentrum, sei die Fahrbahn glatt asphaltiert, der Radweg hingegen von schlechter Qualität. Er werde zudem als Abstellfläche für Mülltonnen genutzt und durch geparkte Autos blockiert. Auch der Radweg an der Oldersumer Straße sei von sehr schlechter Qualität. Dort bestehe keine Benutzungspflicht. Radfahrer, die die Fahrbahn nutzten – was ihr gutes Recht sei –, würden von Autofahrern oft angehupt oder zu eng überholt und gefährdet. Der Verband weist außerdem auf das gefährliche Pflaster des Radwegs am Hoheberger Weg und auf den zu schmalen Radstreifen am Fischteichweg hin.
Für die Radwege in Aurich sind unterschiedliche Behörden zuständig: die Stadt, der Landkreis und die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr – je nachdem, ob es sich um eine Gemeinde-, Kreis-, Landes- oder Bundesstraße handelt. Der Appell richte sich an alle zuständigen Behörden, erklärt Herresthal.
Die Redaktion hat stellvertretend die Stadt Aurich mit der Kritik konfrontiert. Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) akzeptiert sie nur bedingt. Der Verwaltungschef beklagt zum wiederholten Mal, dass Herresthal die Stadt Aurich in ein schlechtes Licht rücke. In anderen Kommunen seien die Radwege nicht besser als in Aurich. „Die finanziellen Mittel für einen wünschenswerten Ausbau der Fahrradinfrastruktur sind leider nicht gegeben“, schreibt Feddermann. „Die Pflege der Fahrradwege lassen wir uns jährlich einen sechsstelligen Betrag kosten. Das mag für einige immer noch zu wenig sein, aber wir haben noch weitere Aufgaben zu erledigen. Und letztendlich muss der Haushalt bezahlt werden.“